Israel

Kurz gemeldet

Knessetsprecher Yuli Edelstein Foto: Flash 90

Likud
Er ist nicht mehr auf Linie. Eine Fernsehaufnahme zeigt Knessetsprecher Yuli Edelstein und langjähriges Likud-Mitglied dabei, wie er den Premierminister harsch kritisiert. Da man aus der Partei gewöhnlich so gut wie keine Worte gegen ihren Vorsitzenden Benjamin Netanjahu vernimmt, bekommt die Aussage von Edelstein dieser Tage viel Aufmerksamkeit. Der Politiker sprach sich vor allem gegen Netanjahus Attacken gegen die Medien und politische Gegner aus. »Wir werden uns bald in der Opposition sehen, wenn es so weitergeht«, holte er aus. Die Aufnahme wurde während eines privaten Treffens gemacht und am Wochenanfang im israelischen Fernsehen abgespielt. »Der Likud hat ein ernsthaftes Problem«, ist Edelstein darauf zu hören: »Ich wäre froh, wenn ungefähr die Hälfte der Parlamentarier nach Hause geht.«

Archäologie
Ein Kieferknochen, der in einer Höhle im israelischen Karmelgebirge gefunden wurde, führt nach Einschätzung von Wissenschaftlern zu neuen Erkenntnissen über die Entstehung des Menschen: Das Fossil ist das älteste des Homo sapiens, das jemals außerhalb von Afrika gefunden wurde. Ausgegraben wurde es bereits 2002, doch erst jetzt, nach 15 Jahren intensiver Forschung, ist klar, dass die Knochen 170.000 bis 200.000 Jahre alt sind. »Und das ändert das komplette Konzept der modernen menschlichen Evolution«, erläutert Professor Israel Herschkowitz von der Abteilung Anatomie und Anthropologie an der Tel-Aviv-Universität während einer Pressekonferenz. Denn bislang nahm man an, dass die Wiege der Menschheit vor 160.000 bis 200.000 Jahren in Äthiopien lag. Außerhalb des afrikanischen Kontinents habe sich der Homo sapiens allerdings erst etwa vor 90.000 bis 120.000 Jahren bewegt. Der neue Fund in der Misliya-Höhle, der im renommierten »Science«-Magazin vorgestellt ist, zeigt Erstaunliches. Für Herschkowitz ist klar: »Die komplette Historie der Menschheit muss damit mindestens 100.000 bis 200.000 Jahre zurückdatiert werden.«

Entschuldigung
Der Sänger und Dichter Yehonatan Geffen hat sich entschuldigt. Er hatte die Palästinenserin Ahed Tamimi mit Anne Frank und Hannah Szenes verglichen. Tamimi ist derzeit in Untersuchungshaft, weil sie einen Soldaten geschlagen und zur Gewalt aufgerufen haben soll. Die Inhaftierung des Teenagers ist auch innerhalb Israels umstritten. »Das Gedicht war ein Fehler, und ich entschuldige mich bei allen, die dadurch verletzt wurden«, sagte Geffen am Sonntag: »Ich wollte nur zeigen, dass, so wie auch wir unsere nationalen Helden schaffen – von Trumpeldor bis Moshe Dayan –, auch die Palästinenser ein Recht auf ihre Nationalhelden haben.« Er habe die Besatzung wieder in die Schlagzeilen bringen wollen, denn Israel besetze seit 50 Jahren ein anderes Volk, sagte Geffen. Es sei aber falsch gewesen, dafür Anne Frank und die ungarische Widerstandskämpferin Hannah Szenes heranzuziehen, die er sehr bewundere, sagte er weiter: »Ich hätte Gal Gadot und Wonder Woman nehmen sollen.«

Prognosen

Wende, Patt oder Weiter so?

Die Knessetwahl stellt dem Land eine neue Regierung in Aussicht - doch die Koalitionsbildung könnte erneut zum Machtpoker werden

von Sabine Brandes  24.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  24.10.2026

Westjordanland

Zwei israelische Soldaten sterben bei Terroranschlag

Ron Yonatan Roytman (23) und Yuval Shai Svilem (20) erlagen ihren Verletzungen. Drei weitere IDF-Soldaten wurden in dem Feuergefecht verletzt

 23.10.2026

Terroranschlag bei Hebron

Netanjahu kündigt größte Militäraktion im Westjordanland seit 1967 an

»Die gesamte terroristische Infrastruktur wird aufgespürt und zerstört«, erklärt der Ministerpräsident am Anschlagsort im Westjordanland

 23.10.2026 Aktualisiert

Westjordanland

Terroranschlag nahe Hebron: Was bislang bekannt ist

Bei dem Angriff starben zwei israelische Soldaten, drei wurden verletzt. Die Angreifer konnten getötet werden

 23.10.2026 Aktualisiert

Demokratie

Auf der Zielgeraden

Am 27. Oktober werden die Parteien anhand von Buchstaben auf den Wahlzetteln gewählt. Politische Notizen und Personalien

von Sabine Brandes  23.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 23.10.2026

Westjordanland

Israel macht Hamas für Anschlag bei Hebron verantwortlich

Drei Menschen wurden bei dem Angriff auf einen Kontrollposten im Westjordanland verletzt, zwei getötet. Die Terroristen sollen der Hamas angehört haben

 23.10.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Angehörige der Opfer des 7. Oktober wollen Wähler an Schicksale erinnern

Zu den Teilnehmern gehört Jochewed Lifschitz, die zusammen mit ihrem Mann Oded nach Gaza verschleppt worden war. Die Hamas ermordete ihn in Geiselhaft

 23.10.2026