Vorwurf

»Kult-Rabbi« aus Meron verhaftet

Jüdische Beter an einer Grabstätte in der israelischen Stadt Meron Foto: copyright (c) Flash90 2026

Ein prominenter Rabbiner aus dem nordisraelischen Meron ist wegen des Verdachts schwerer Sexualdelikte verhaftet worden. Nach Angaben der israelischen Polizei handelt es sich um einen 54-jährigen Gemeindeführer aus der Breslov-chassidischen Bewegung, der über Jahre hinweg als charismatische spirituelle Autorität galt. Medien in Israel identifizierten ihn als Rabbiner Yosef Shoveli. 

Die Polizei erklärte, der Rabbiner sei nach einer verdeckten Ermittlung in der Nacht zum Donnerstag in Gewahrsam genommen worden. Auslöser seien mehrere Anzeigen gewesen, die in den vergangenen Monaten eingegangen seien. »Es wurden Beweise gesammelt, die den Verdächtigen mit den Vorwürfen in Verbindung bringen«, teilten die Ermittler mit. Zugleich riefen die Ermittler mögliche weitere Betroffene oder Zeugen auf, sich bei den Behörden zu melden. 

Ein Gericht in Tiberias verlängerte inzwischen die Untersuchungshaft um eine Woche. Richter Eran Bar Or schrieb in seiner Entscheidung, es gebe eine »evidentielle Grundlage«, die den Verdächtigen mit den ihm vorgeworfenen Taten verbinde. Weiter erklärte der Richter: »Unter diesen Umständen bin ich überzeugt, dass eine begründete Sorge besteht, dass die Freilassung des Verdächtigen die öffentliche Sicherheit gefährden würde.« 

16 Männer haben Anzeige gegen den Rabbiner erstattet

Nach Informationen des israelischen Nachrichtenportals Ynet haben bislang 16 Männer Anzeige gegen den Rabbiner erstattet. Einige von ihnen wandten sich demnach bereits zuvor an ein spezielles rabbinisches Gericht unter Leitung des Safeder Oberrabbiners Schmuel Eliyahu sowie an das israelische Zentrum für Opfer von Sekten. Mehrere Betroffene sagten später unter Begleitung dieser Einrichtungen auch bei der Polizei aus. 

Besonders brisant sind die Schilderungen über die Struktur rund um den Rabbiner. Nach Angaben des Zentrums für Opfer von Sekten soll Shoveli über Jahre ein nahezu kultartiges Umfeld aufgebaut haben. Zeugenaussagen beschrieben Muster von »Kontrolle, emotionaler Abhängigkeit, Demütigung und Ausbeutung«. Mitglieder hätten zentrale persönliche und familiäre Entscheidungen von der Zustimmung des Rabbiners abhängig gemacht. 

Vier Aussagen enthalten laut dem Zentrum konkrete Vorwürfe sexueller Übergriffe unter dem Deckmantel spiritueller Autorität. Den Betroffenen seien die Handlungen angeblich als Teil eines »spirituellen Prozesses«, einer »Korrektur« oder einer besonderen Nähe zum Rabbiner dargestellt worden. 

Offener Rabbiner-Brief: »Halten Sie sich von ihm und seinen schlechten Taten fern und hören Sie nicht auf seine Lehren.«

In einem ungewöhnlich scharfen öffentlichen Brief warnten sogar Rabbiner um Schmuel Eliyahu bereits vor der Festnahme vor Shoveli. In dem Schreiben hieß es, man habe »schwere Zeugnisse über einen Mann erhalten, der sich als Gerechter präsentierte, während er mutmaßlich schwere Taten beging«. Wegen der »Schwere der Aussagen« riefen die Rabbiner die Öffentlichkeit dazu auf, »sich von ihm und seinen schlechten Taten fernzuhalten und nicht auf seine Lehren zu hören«. 

Der Anwalt des Verdächtigen wies sämtliche Vorwürfe zurück. Sein Mandant »lehne alles kategorisch ab und weist die Behauptungen entschieden zurück«, erklärte er laut israelischen Medien. 

Der Fall weckt in Israel Erinnerungen an frühere Skandale um sogenannte »Kult-Rabbiner«. Besonders bekannt wurde 2020 die Razzia gegen eine mutmaßliche Sekte in Jerusalem. Damals stürmte die Polizei gemeinsam mit dem Israelischen Zentrum für Opfer von Sekten einen Gebäudekomplex, in dem dutzende Frauen und Kinder unter »sklavenähnlichen Bedingungen« gelebt haben sollen. 

Die Behörden verdächtigten damals einen Mann in seinen 60ern, Frauen über Jahre hinweg sexuell missbraucht und kontrolliert zu haben. Rund 50 Frauen sollen von der Außenwelt isoliert worden sein. Die Polizei sprach zudem von finanzieller Ausbeutung, Bestrafungen und möglichem Kindesmissbrauch. Acht Frauen wurden damals wegen des Verdachts festgenommen, den Rabbiner unterstützt zu haben. 

Betroffene finden oft erst nach langer Zeit Mut, sich zu melden. 

Fälle wie diese sorgen in Israel seit Jahren für intensive Debatten über Machtmissbrauch religiöser Autoritäten – auch weil viele Betroffene erst nach langer Zeit den Mut finden, sich zu melden. 

Die aktuellsten verfügbaren Zahlen der Association of Rape Crisis Centers in Israel (ARCCI) zeigen das Ausmaß sexualisierter Gewalt im Land. Im Jahr 2023 gingen bei den israelischen Beratungsstellen insgesamt 54.044 Anrufe ein, darunter 17.484 neue Meldungen. Die Organisation spricht von der umfassendsten Datensammlung zu sexualisierter Gewalt in Israel. 

Besonders alarmierend: Die Mehrheit der gemeldeten Übergriffe ereignete sich vor dem 18. Lebensjahr der Betroffenen. 28 Prozent der Meldungen betrafen Kinder bis zwölf Jahre, weitere 31 Prozent Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren. In den meisten Fällen kannten die Opfer die Täter persönlich. 87 Prozent der gemeldeten Fälle betrafen Frauen, 13 Prozent Männer. 

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