Nach Anschlag

Jüdische Extremisten verhaftet

Ort des Anschlags: das Dorf Douma Foto: Flash 90

In einer Verhaftungswelle im Westjordanland sind am Sonntag neun extremistische jüdische Siedler festgenommen worden. Das gab der Inlandsgeheimdienst an. Die Verhaftungen folgten dem Brandanschlag in dem palästinensischen Dorf Douma, bei dem ein Kleinkind getötet wurde. Mittlerweile erlag auch der Vater seinen schweren Verletzungen. Die Mutter und der vierjährige Bruder schweben noch immer in Lebensgefahr.

Eine der illegalen jüdischen Siedlungen, die durchsucht wurde, war Adei Ad, die nur wenige Kilometer von Douma entfernt in der Westbank liegt. Ebenso standen zwei weitere Siedlungen auf der Liste der Sicherheitskräfte. Details unterliegen einer Nachrichtensperre, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Anschlag Am 31. Juli waren der israelischen Armee zufolge wahrscheinlich jüdische Extremisten in das Dorf Douma eingedrungen und hatten Brandsätze in zwei Häuser geworfen. Ein Haus stand leer, in dem anderen schliefen die Daouabsas. Der Anschlag gegen die palästinensische Familie war in Israel scharf verurteilt worden.

Bei der Beisetzung des erst 18 Monate alten Alis hatte die Hamas zu einem Tag des Zorns aufgerufen. Auch bei der Bestattung des Vaters von Ali, dem 31-jährigen Saed Daouabsa, skandierten die Massen Rufe nach Rache. Tausende Trauernde waren zur Beerdigung gekommen. Es gab einige Ausschreitungen zwischen Armee und Palästinensern, die jedoch relativ schnell beendet werden konnten. Die israelischen und palästinensischen Sicherheitskräfte arbeiteten eng zusammen, heißt es.

Regierungschef Benjamin Netanjahu brachte seine Trauer über den Tod von Saed Daouabsa zum Ausdruck. »Als ich die Familie letzte Woche im Krankenhaus besuchte, habe ich versprochen, dass wir alle Maßnahmen anwenden, um die Mörder zu finden. Und das tun wir. Wir dulden keinen Terror von irgendeiner Seite.«

Terroristen Bei den Verhaftungen ist zum ersten Mal das neue Gesetz angewandt worden, nachdem auch rechtsextremistische jüdische Aktivisten mit der sogenannten Verwaltungshaft belegt werden und damit ohne jegliche Verhandlung monatelang festgehalten werden dürfen. Zuvor war dieses umstrittene Verfahren lediglich gegen palästinensische Terroristen angewandt worden.

Ein Sicherheitsexperte erklärte im Armeeradio, dass es helfe, »die Bewegungsfreiheit der jüdischen Terrorgruppen zu beschränken«. Man werde diesen Gruppen keinen Bonus geben, sagte er weiter, sondern die Täter so lange jagen, bis man sie vor Gericht gestellt hat.

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nahost

Israels Armee zerstört Haus im Westjordanland

Hintergrund ist eine tödliche Auseinandersetzung mit Siedlern und Soldaten im vergangenen Monat

 11.08.2026

Jerusalem

Netanjahu setzt umstrittenen Unternehmer auf Likud-Liste

Der neue Kandidat hatte US-Präsident Trump unlängst als »ein moralisch korrumpiertes Stück Scheiße« bezeichnet, revidierte seine Meinung jedoch nun. Derweil deutet sich im Likud ein Streit über Listenplätze an

 11.08.2026

Nahost

Israel erwartet Täuschung durch zwei arabische Staaten

Medienberichten zufolge soll der jüdische Staat mit scheinbaren diplomatischen Annäherungen in Sicherheit gewogen und dann angegriffen werden

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Triest

Israelischer Physiker Haim Sompolinsky erhält renommierte Dirac-Medaille

Der in Dänemark geborene Wissenschaftler ist 76 Jahre alt und emeritierter Professor am Edmond and Lily Safra Center und der Hebräischen Universität Jerusalem

 10.08.2026