Ukraine-Krieg

Jerusalem bestätigt »Nein« zu Lieferungen von Waffen an die Ukraine

Yaid Lapid Foto: Flash 90 / POOL

Es wäre eine dramatische Kehrtwende in der israelischen Politik gewesen. Am Wochenbeginn hatte der Diasporaminister Nachman Shai getweetet, dass Israel seine Weigerung, Waffen an die ukrainischen Streitkräfte zu liefern, rückgängig machen sollte. Kurze Zeit später schaltete sich das Außenministerium in Jerusalem ein.

IRAN Der Minister von der Arbeitspartei hatte einen Bericht angeführt, dass der Iran ballistische Raketen nach Russland liefert und kommentierte: »Es gibt keinen Zweifel mehr, wo Israel in diesem blutigen Konflikt stehen sollte. Es ist an der Zeit, dass auch die Ukraine Militärhilfe erhält, so wie die USA und die NATO-Staaten sie leisten«, schrieb er».

Den Tweet schickte Shai kurz nachdem explosiv beladene Drohnen, darunter offenbar im Iran hergestellte Shaheds, die ukrainische Hauptstadt getroffen hatten. Kiew hatte daraufhin die Europäische Union aufgefordert, Sanktionen gegen Teheran zu verhängen. Der Iran besteht darauf, dass diese Behauptung «haltlos» sei und dass er keine Seite des Konflikts bewaffnet hat.

«Ein sehr rücksichtsloser Schachzug, der alle diplomatischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zerstören wird.»

Dmitri medwedew

Doch aus Jerusalem gab oder gibt es keine offizielle Ankündigung, dass die Politik in Bezug auf die Unterstützung der Ukraine geändert werden soll. Das Außenministerium in Jerusalem distanzierte sich zudem von den Äußerungen des Diaspora-Ministers.

Zuvor war aus Russland die Reaktion gefolgt, dass dieser Schritt die Verbindung zwischen Jerusalem und Moskau beenden würde. «Es scheint, dass Israel Waffen an das Kiewer Regime liefern wird. Ein sehr rücksichtsloser Schachzug, der alle diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern zerstören wird», schrieb der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates von Russland und enger Verbündeter von Wladimir Putin, Dmitri Medwedew, auf Telegram.

SYRIEN Israel ist an einer neutralen Haltung in der Krise gelegen, vor allem, weil Russland unter Putin beim Nachbarn Syrien militärisch tief verwoben ist und unter anderem den dortigen Luftraum kontrolliert.

Am Dienstag machte der israelische Justizminister Gideon Saar im Armeeradio dann klar: «Unsere Unterstützung für die Ukraine umfasst keine Waffensysteme und Waffen. Und an dieser Position ändert sich nichts».

Einen Tag zuvor hatte Israel auch einen Antrag der Ukraine auf ein Telefonat zwischen seinem Verteidigungsminister Benny Gantz und dessen ukrainischen Amtskollegen Alexey Reznikov abgelehnt.

LUFTVERTEIDIGUNG Kiew hatte Israel seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wiederholt auf Waffenlieferungen gedrängt, vor allem möchte es das Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel. Trotz Jerusalems ablehnender Haltung sagte der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba, seine Regierung werde Israel eine offizielle Note mit der Bitte um Luftverteidigungswaffen zukommen lassen.

Kurz nach dieser Ankündigung berichteten israelische Medien, dass Premierminister Yair Lapid am Donnerstag mit Kuleba über seinen Antrag sprechen werde. In Regierungskreisen geht man jedoch nicht davon aus, dass das Gespräch eine wesentliche Änderung bei der Haltung nach sich ziehen werde.

Vor allem im Hinblick auf die anstehenden Wahlen zur Knesset am 1. November. Derzeit liefert Jerusalem ausschließlich humanitäre Hilfe an die Ukraine.

Judenhass

Bayerisches Hotel will keine Juden beherbergen

»Tut uns leid, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.«: Diese Nachricht erhielten israelische Touristen vom Hotel »Zum Hirschen« in der Ortschaft Lam

von Imanuel Marcus  03.06.2026

Jerusalem

Roman Gofman neuer Leiter von Israels Geheimdienst Mossad

Ein Mann aus dem Militär und Berater Netanjahus wird nun Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Dem umstrittenen Wechsel an der Spitze des Mossad war ein Rechtsstreit vorausgegangen

 02.06.2026

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović, macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowski  02.06.2026

Pride Month

Bennett entdeckt LGBTQ-Community für den Wahlkampf

Der frühere Gegner gleichgeschlechtlicher Partnerschaften fordert heute volle rechtliche Gleichstellung – und erzählt, warum persönliche Erfahrungen seine Sicht verändert haben

von Sabine Brandes  02.06.2026

Gerlingen/Tel Aviv

Bosch reduziert Forschungspräsenz in Israel

Zwei Büros in Tel Aviv und Haifa sollen geschlossen werden. Die Hintergründe

 02.06.2026

Jerusalem

Israels Parlament billigt in erster Lesung eigene Auflösung

In der Koalition von Regierungschef Netanjahu gibt es Streit. Die Charedim pochen deshalb auf einen früheren Wahltermin. Eine weitere Hürde auf dem Weg dahin ist nun genommen

 02.06.2026

Luftfahrt

El Al nimmt Direktverbindung zwischen Tel Aviv und San Francisco wieder auf

Geplant sind drei Flüge pro Woche, die jeweils rund 15 Stunden dauern. Auffällig ist die Flugnummer

 02.06.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Charedim legen mit Massenprotest Verkehr lahm

In mehreren Teilen Israels protestierten sie gegen die Festnahme von Wehrdienstverweigerern

 02.06.2026