Vermisst

»Jeder Moment ein Risiko«

Carmel Gat (39) aus Tel Aviv Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Vermisst

»Jeder Moment ein Risiko«

Carmel Gat ist seit 145 Tagen Geisel in Gaza

von Sophie Albers Ben Chamo  29.02.2024 09:34 Uhr

»Carmel ist eine starke, schlaue Frau. Mit ihr kann man über den größten Unsinn lachen und dann die tiefgehendsten Unterhaltungen führen. Sie liebt die Menschen in aller Welt, sie akzeptiert einfach jeden!« So beschreibt Shay Dikman im Gespräch mit »The Media Line« ihre Cousine Carmel Gat, eine Ergotherapeutin aus Tel Aviv, die seit 145 Tagen von der Hamas als Geisel im Gazastreifen gefangen gehalten wird.

Am Morgen des 7. Oktober 2023, als die Hamas das größte Massaker an Juden seit der Schoa verübte, war Gat gerade bei ihren Eltern im Kibbuz Be’eri zu Besuch. Die Terroristen zerrten die 39-Jährige aus dem Haus, erschossen ihre Mutter Kinneret wahrscheinlich vor den Augen ihrer Tochter und verschleppten Carmel Gat nach Gaza. Gats Bruder Alon und die dreijährige Nichte Geffen konnten den Häschern entkommen.

Ihre Schwägerin kam bei einem Austausch gegen palästinensische Gefangene frei

Schwägerin Yarden wurde ebenfalls nach Gaza entführt, kam aber im November bei einem Austausch gegen palästinensische Gefangene wieder frei. Nein, Gat habe sie in der Gefangenschaft nicht gesehen, heißt es in verschiedenen Medienberichten. Doch das hatten andere freigelassene Geiseln. Sie berichteten, dass Carmel Gat versucht habe, ihre Mitgefangenen, darunter viele Kinder, mit Meditation und Yoga zu beruhigen.

Carmel Gat gehört zu den 14 Frauen, die noch immer Geiseln sind. »Wir wissen, dass die Frauen angefasst werden«, sagt Dikman. Ihre größte Angst um Carmel sei der Gedanke, dass sie dort missbraucht werde. »Ich sorge mich jeden einzelnen Tag. Ich denke an sie, wenn ich schlafen gehe, und frage mich, wer wohl in ihrer Nähe ist. Wenn ich auf Toilette gehe, schließe ich die Tür ab, weil Yarden nach ihrer Rückkehr erzählt hat, dass sie keinen Moment allein war.«

Yarden habe von der beständigen, allgegenwärtigen Angst gesprochen. Jeder weitere Moment in Gefangenschaft sei ein Risiko für Carmel, sagt Dikman. »Ein Risiko für ihre Sicherheit und, als Frau, ein Risiko für ihren Körper und dessen Unversehrtheit. Dieses Gefühl kann ich mir nicht einmal vorstellen. In den Händen von Fremden zu sein, die dich aus deinem Haus geholt und von deiner Familie getrennt haben, die dir nicht genug zu essen geben und die dich nicht dahin zurückgehen lassen, wo du hingehörst.«

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