Debatte

Itamar Ben-Gvir will am Europatag Rede halten

Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir Foto: Flash90

Der Europatag am 9. Mai wird auch in Israel begangen. Er erinnert daran, dass »die Länder in Europa in Frieden und Einheit leben«, heißt es auf der Website der Europäischen Union. Jedes Jahr schickt auch die israelische Regierung einen Vertreter, um mit den europäischen Gesandten gemeinsam zu feiern.

In diesem Jahr soll es allerdings einer sein, der für alles andere als »Einheit« steht: Itamar Ben-Gvir, Minister für nationale Sicherheit und Vorsitzender der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit.

DIPLOMATEN An der jährlichen Veranstaltung nehmen alle im Land stationierten Diplomaten der EU-Mitgliedstaaten teil. Angeblich habe die Regierung im Vorfeld erwogen, Außenminister Eli Cohen vom Likud zu dem Empfang zu entsenden. Wegen seiner geplanten Reise nach Indien könne der allerdings nicht teilnehmen.

Während Ben-Gvirs Büro bestätigte, dass er die Regierung bei dem Empfang in Tel Aviv vertreten und bei der Veranstaltung eine Rede halten werde, berichteten israelische Medien, EU-Vertreter seien überrascht, dass gerade dieses Koalitionsmitglied zu ihnen sprechen werde. Sie seien vorher nicht darüber informiert gewesen.

GRENZE Viele der Botschafter halten Abstand zu dem umstrittenen Minister und distanzieren sich von seinen Aussagen und Meinungen, die nicht den »Werten entsprechen, die die EU vertritt«. Treffen mit Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, Finanzminister von der ultranationalistischen Partei Religiöser Zionismus, gelten innerhalb der EU-Kreise in Israel als Grenze, die nicht überschritten werde. Der Auftritt Ben-Gvirs stellt ein Dilemma für die Diplomaten dar, die natürlich zum Europatag erscheinen, aber gleichzeitig Ben-Gvir keine Legitimität geben wollen.

Jemand von europäischer Seite ließ wissen, »die EU-Delegation in Israel und Vertreter mehrerer europäischer Länder haben darum gebeten, dass ein anderer Regierungsvertreter am Empfang des Europatages teilnimmt«. Doch am selben Tag ließ Ben-Gvirs Ministerium wissen, der Politiker meine, dass »in einer Demokratie verschiedene Ansichten gehören werden können und müssen«. Er werde erscheinen.

»Die israelische Regierung bringt damit eine große Gruppe befreundeter Staaten in Verlegenheit.«

oppositionsführer yair lapid

Er hat offensichtlich nicht vor, einen Rückzieher zu machen. Auch dafür ist Ben-Gvir bekannt. Selbst wenn seine Anwesenheit ausdrücklich nicht erwünscht ist, statuiert er regelmäßig ein Exempel und taucht trotzdem auf. Wie am nationalen Trauertag Jom Hasikaron, als er auf dem Militärfriedhof von Beer Schewa sprach, obwohl ihn Hinterbliebene aufgefordert hatten, nicht zu kommen.

Seinem Büro zufolge wolle er bei seiner Rede zum Europatag den Vertretern der europäischen Länder mitzuteilen, dass es »für EU-Länder unangemessen sei, Initiativen zu finanzieren, die sich gegen IDF-Soldaten und israelische Bürger richten«. Gleichzeitig wolle er die Notwendigkeit der stärkeren Zusammenarbeit zwischen der EU und Israel hervorhoben, vor allem im Kampf gegen Dschihad und Terroristen».

SCHADEN Oppositionsführer Yair Lapid meint indes, dass diese Entscheidung ein «schwerwiegender beruflicher Fehler» ist. «Die israelische Regierung bringt damit eine große Gruppe befreundeter Staaten in Verlegenheit, riskiert, wie künftige Abstimmungen in internationalen Institutionen ausgehen, und schadet unseren Auslandsbeziehungen.»

Merav Michaeli, die Vorsitzende der Arbeitspartei in Israel schrieb auf Twitter: «Die Entscheidung, Ben-Gvir zu schicken, ist hervorragend. Denn er ist das Gesicht dieser Regierung. Eine extremistische, messianische, rassistische und homophobe Regierung.»

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Nahost

Israelis verwirrt wegen Trumps Iran-Reden

Das Verteidigungsministerium in Jerusalem erhöht die Alarmbereitschaft der Armee

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gazastreifen

Hamas will angeblich die Waffen niederlegen

Berichten zufolge hat die Terrororganisation mit den USA eine Vereinbarung getroffen, dass sie eine »politische Partei« werden kann

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gaza

Konkurrenz für die UNO?

Der »Friedensrat« nimmt langsam Gestalt an. Russlands Präsident Wladimir Putin und Israels Premier Benjamin Netanjahu wurden zur Teilnahme eingeladen

von Sabine Brandes  22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026

Nevatim-Luftwaffenbasis

Eyal Zamir: Israels Armee auf Einsatz gegen jeden Gegner vorbereitet

Der Generalstabschef warnt vor »Mehrfrontenbedrohungen«. Die IDF seien jedoch »einsatzfähig, ausgebildet und in höchster Alarmbereitschaft«

 22.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026