Krieg in Gaza

Israelische Ärztevereinigung fordert »grundlegende humanitäre Bedingungen«

Palästinenser drängen sich in Khan Younis um Hilfslieferungen Foto: picture alliance / Anadolu

Die israelische Ärztevereinigung (IMA) hat sich infolge der wachsenden internationalen Kritik an Israel geäußert, das Land lasse nicht ausreichend humanitäre Hilfe nach Gaza. Zum ersten Mal schickte die Organisation ein Schreiben an hochrangige Vertreter der israelischen Armee (IDF), in denen die Mediziner die »Sicherstellung der medizinischen Versorgung und grundlegender humanitärer Bedingungen« für die Zivilbevölkerung des Gazastreifens forderten. 

Kurz zuvor hatte die Britische Ärztekammer erklärt, die Beziehungen zur IMA wegen des Krieges in Gaza zu beenden. Appelle der Vertretung der israelischen Mediziner gingen an Israels Generalstabschef Eyal Zamir, den Leiter des Koordinators für Regierungsaktivitäten in den Palästinensergebieten (COGAT), Ghassan Alian, und an Verteidigungsminister Israel Katz.  

»Wir möchten die Notwendigkeit betonen, die medizinische Versorgung und die grundlegenden humanitären Bedingungen für die Zivilbevölkerung in Gaza sicherzustellen«, schrieb Professor Zion Hagay, der Vorsitzende der Ärztevereinigung, in seinen Briefen. »Dies ist sowohl von der medizinischen Ethik und Moral als auch vom humanitären Völkerrecht gefordert.« 

Warnung vor Verstoß gegen die medizinische Ethik

Hagay bezog sich auf eine Behauptung des von der Terrororganisation Hamas geführten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen, wonach am Sonntag 73 Menschen beim Warten auf humanitäre Hilfe getötet worden seien. »Falls dies zutreffen sollte, stellt es einen schwerwiegenden Verstoß gegen die medizinische Ethik und das Völkerrecht dar«, schrieb der Leiter der Medizinerorganisation.

Die britische Ärztekammer hatte zuvor erklärt, die Beziehung zur Vereinigung der israelischen Ärzte zu beenden.

»Die Israelische Ärztevereinigung, die unter anderem für die öffentliche Gesundheit und die medizinische Ethik zuständig ist, wird sich weiterhin für die Gewährleistung humanitärer Bedingungen einsetzen und gleichzeitig konsequent die Freilassung von Geiseln im Einklang mit der medizinischen Ethik und Moral fordern«, hieß es weiter. 

In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung Yediot Aharonot sagte Hagay, dass die IMA zunehmend Anfragen des Weltärztebundes zu den Geschehnissen in Gaza erhalte. »Wir bitten um Aufklärung, damit wir verantwortungsvoll und präzise reagieren können. Wir wissen nichts, wir haben keine Daten.« 

»Wir bitten um Aufklärung, damit wir verantwortungsvoll und präzise reagieren können. Wir wissen nichts, wir haben keine Daten«, so der Chef der israelischen Ärztevereinigung.

Die IDF hatte erklärt, »Warnschüsse« in der Nähe von Verteilstellen humanitärer Güter abzugeben, um die Massen von hungrigen Menschen unter Kontrolle zu halten. Die Soldaten würden die Hilfsgüter zudem vor der Hamas schützen, die sie in der Vergangenheit systematisch gestohlen und zu horrenden Preisen an die leidende Zivilbevölkerung verkauft hatte. Die IDF unterstrich, die veröffentlichten Todeszahlen der Hamas seien überhöht.

Der Krieg in Gaza hatte mit dem Massaker der Terrororganisation am 7. Oktober 2023 im Süden des Landes begonnen. Dabei wurden 1200 Menschen in Israel ermordet und 251 in den Gazastreifen geführt, wo bisher immer noch 50 Geiseln festgehalten werden.

Israelische Regierung bestreitet Berichte über akute Hungersnot

Die Forderungen der IMA erfolgen inmitten zunehmender internationaler Kritik an den Zuständen im Gazastreifen. Am Dienstag erklärte der Direktor des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen gegenüber Al Jazeera, dass in den letzten 48 Stunden 20 Menschen in Gaza verhungert seien.  

Die israelische Regierung indes bestreitet Berichte über eine akute Hungersnot. Am Dienstag hatte ein hochrangiger Beamter aber eingeräumt, die Lage in Teilen Gaza sei angespannt und Maßnahmen zur Stabilisierung seien dringend erforderlich. Es gebe jedoch keine Hinweise auf flächendeckendes Verhungern.

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