Jerusalem

Israel plant Sondertribunal für Hamas-Terroristen vom 7. Oktober

Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara Foto: Copyright (c) Flash 90 2025

Israel bereitet die strafrechtliche Aufarbeitung des Massakers vom 7. Oktober vor und will gefasste Hamas-Terroristen vor ein spezielles Militärtribunal stellen. Nach Angaben der Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara soll die Militärstaatsanwaltschaft die Verfahren führen, nicht die zivile Staatsanwaltschaft. Hintergrund ist ein Gesetzesvorhaben, das derzeit in der Knesset vorangetrieben wird und die Zuständigkeit eines eigens eingerichteten Militärgerichts vorsieht.

Die Entscheidung sei nach Beratungen mit dem Militärgeneralstaatsanwalt getroffen worden, erklärte Baharav-Miara. Alle zuständigen Behörden würden weiterhin zusammenarbeiten, um die mutmaßlichen Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Das Gesetzesprojekt, initiiert von Abgeordneten der Parteien Religiöser Zionismus und Jisrael Beitenu, erhielt Ende Dezember mit Unterstützung von Premierminister Benjamin Netanjahu grünes Licht für die erste Lesung im Parlament.

Die Ermittlungen gegen mehr als 300 festgenommene Mitglieder der zur Hamas gehörenden Nukhba-Einheit sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits weitgehend abgeschlossen, Anklagen liegen demnach vor.

Beispiellose Intensität

Über zwei Jahre hinweg hätten Polizei und Inlandsgeheimdienst Shin Bet in beispielloser Intensität Beweise gesammelt. »Das ist eine Untersuchung in einem Ausmaß, das es in Israel – und vermutlich weltweit – noch nicht gegeben hat«, sagte ein leitender Staatsanwalt. Verdächtige seien in mehreren Phasen festgenommen worden: direkt am 7. Oktober, in den Tagen danach sowie im Zuge der andauernden Bodenoperationen. Dutzende Tatorte seien untersucht worden.

Lesen Sie auch

Das geplante Gesetz soll die strafrechtliche Verfolgung von Terroristen und deren Helfern regeln, die zwischen dem 7. und 10. Oktober Kriegsverbrechen, Mord, Vergewaltigung, Entführungen und Plünderungen begangen haben, ebenso wie Delikte im Zusammenhang mit Geiselnahmen. Vorgesehen sind schwere Anklagepunkte wie Völkermord, Angriff auf die staatliche Souveränität, das Starten eines Krieges, Unterstützung des Feindes im Krieg, Terrorismusdelikte sowie Mord.

Das Sondergericht soll mit einem Vorsitzenden besetzt werden, der als Militärjurist fungiert und zugleich ehemaliger Bezirksrichter ist, unterstützt von zwei Offizieren mit Qualifikation für Richterämter in Strafsachen. Berufungen sollen vor einem Gremium mit einem ehemaligen Obersten Richter oder hochrangigen Richtern der Ziviljustiz verhandelt werden. Urteile würden mit Mehrheit gefällt. Bei Todesurteilen ist eine automatische Berufung vorgesehen, selbst wenn der Angeklagte darauf verzichtet.

Staatliche Gesamtstrategie

Anders als in bestehenden Militärgerichten soll der Generalstabschef kein Bestätigungsrecht über Urteile und Strafen haben. Die Verfahren orientieren sich grundsätzlich an den zivilen Prozessregeln, das Gericht kann jedoch begründet davon abweichen, sofern die Fairness des Verfahrens nicht wesentlich beeinträchtigt wird.

Anhörungen sollen grundsätzlich online übertragen und vollständig dokumentiert werden, sofern sie nicht aus Sicherheits- oder anderen Gründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Angeklagte können Anwälte aus Israel oder dem Westjordanland wählen.

Parallel dazu ist die Einrichtung eines Regierungsgremiums geplant, das die Vorbereitungen für die Prozesse koordinieren und eine staatliche Gesamtstrategie festlegen soll. Vorsitzender soll Premierminister Netanjahu sein, weitere Mitglieder wären der Justiz-, Verteidigungs- und Außenminister. im

Jerusalem

Herzog im saudischen Fernsehen: »Mein Traum ist Frieden mit Saudi-Arabien«

Der israelische Präsident äußert sich auch zu den Themen Iran, Syrien, Libanon und Gaza: »Mein Herz schmerzt um jeden unschuldigen palästinensischen Zivilisten, der getötet wird.«

 17.07.2026

Jerusalem

Knesset verabschiedet umstrittene Medienreform – Opposition zieht vor Gericht

Das Gesetz erweitert den Einfluss der Regierung auf den Nachrichtenmarkt erheblich. Nach der Verabschiedung reichten mehrere Organisationen und Oppositionsparteien Klagen beim Obersten Gerichtshof ein

 17.07.2026

Neue Umfrage

Netanjahus Koalition stürzt auf 48 Sitze ab – Opposition kommt auf 62

In Israel zeichnet sich nur gut drei Monate vor der Wahl ein deutlicher Stimmungsumschwung ab

 17.07.2026

Jerusalem

Netanjahu verschiebt USA-Reise wegen Lindsey Grahams Beerdigung

Ursprünglich hatte der israelische Ministerpräsident morgen abfliegen und bis Dienstag in den USA bleiben wollen

 17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Italien

Wenn Anne Frank und Primo Levi mit »Nazis« beschmiert werden

Erneut antisemitischer Vandalismus gegen ein Holocaust-Gedenkgemälde in Mailand

 16.07.2026

Israel

Knesset beschließt Ausweitung geschlechtergetrennter Studiengänge

In Zukunft sollen auch Master- und Promotionsstudiengänge getrennt für Frauen und Männer ermöglicht werden

 16.07.2026

Washington D.C.

Künftige kolumbianische Regierung will Botschaft nach Jerusalem verlegen

Damit gibt es bald neun diplomatische Vertretungen in der israelischen Hauptstadt

 16.07.2026