Reisen

»Israel ist ein gutes Land für Bahnfahrer«

Immer auf Fahrt: David Scheibler Foto: Henriette Undeutsch

Herr Scheibler, Sie sind Zugblogger und berichten über Bahnreisen durch alle Welt, jüngst auch aus Israel. Wie sind Sie denn als Eisenbahnfan nach Israel gekommen?
Nach Israel mit der Bahn? Momentan ist das schwer, wegen der Situation im Nahen Osten, vor allem wegen des Bürgerkriegs in Syrien. Aber bis zum Kriegsausbruch dort war das recht leicht: von Deutschland mit dem Zug nach Ankara, dort umsteigen in einen Zug nach Damaskus oder Aleppo, dann weiter nach Jordanien, mit dem Bus über die Grenze, und schon ist man in Israel.

Das ja nicht wegen seines Schienennetzes als Gelobtes Land gilt.
Es wird immer besser, und die Schnellstrecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem ist ja auch bald fertig. Das geht ja dann in 40 Minuten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Israel per Bahn zu erschließen?
Ich hatte es bei einem englischen Blogger gelesen. Der macht etwas Ähnliches wie ich: über Zugreisen schreiben. Und als ich von einer Südasienreise zurückkam und in Ankara einen Zwischenstopp machte, kam mir die Idee auf einmal so konkret vor: Warum nicht schnell nach Israel fliegen? Das ging dann zwar doch nicht so schnell, doch schließlich war ich da – im Mai dieses Jahres.

Was sind Ihre Eindrücke vom Bahnland Israel?
Es ist verdammt günstig. Das hat mich auch deswegen überrascht, weil man ja immer wieder hört, dass Israel ein so teures Reiseland sei. Im Vergleich zu Schweden oder Norwegen ist Bahnfahren in Israel wirklich sehr günstig.

Und im Vergleich zu Deutschland?
Sie können das Bahnfahren zwischen Tel Aviv und Jerusalem nicht mit einer Reise von Berlin nach München vergleichen. Aber eine durchaus ähnliche Distanz, Fürth–München zum Beispiel, ist in Israel wesentlich billiger. Was mir, ehrlich gesagt, auch nicht so klar war, ist, dass es ein so kleines Land ist: In anderthalb Stunden ist man an jedem touristisch interessanten Ort.

Für wen empfiehlt sich Israel als Reiseland?
Es kommt immer darauf an, was man will. Dass Israel ein gutes Land für Leute ist, die sich für biblische Geschichte interessieren, ist ja bekannt. Aber auch Leute wie ich, die sich das Land anschauen wollen, sind an der richtigen Adresse. Generell ist Israel derzeit noch nicht das typische Ziel für Backpacker, aber es ist diesbezüglich im Kommen.

Woran liegt es, dass es das noch nicht ist?
Das größte Problem ist die mediale Berichterstattung. Die rankt sich doch fast nur um den Nahostkonflikt, um Selbstmordattentäter und zuletzt um die Messerattacken. Im Land stellt sich das dann ganz anders dar: ein schönes Land, eine attraktive Gesellschaft. Vielleicht liegt das ja daran, dass ich als Reiseblogger einiges gewohnt bin und einen anderen Blick habe. Aber wenn ich Israel etwa mit Lateinamerika vergleiche, dann sind da doch ganz objektive Unterschiede: Packe ich in Lateinamerika in einem Linienbus ein teures Handy aus, ist die Wahrscheinlichkeit, nach dem Aussteigen Opfer eines Raubüberfalls zu werden, recht hoch. In Israel ist das nicht der Fall.

Mangelnde Sicherheit wird auch immer als Argument gegen das Reiseland Israel vorgetragen.

Dass es Anschläge überall geben kann, hat sich ja gerade in Nizza gezeigt. Aber um beim Bahnfahren zu bleiben: Wenn man mit dem Zug fährt, muss man in Israel an Bahnhöfen immer Metalldetektoren passieren. Aber das muss man in anderen Ländern dieser Erde auch: In Thailand und in China ist es auch so. In China ist es noch wesentlich ausgeprägter als in Israel. Oder auch in Usbekistan. Da wird man immer durchleuchtet, wenn man den Bahnhof betritt. Mein Hotel in Taschkent war im Bahnhof gelegen: Immer, wenn ich in mein Hotel wollte, wurde mein Gepäck geröntgt. Also, da ist Israel wirklich nichts Besonderes.

An wen richten sich Ihre Berichte vor allem?

Ich würde sagen, vor allem an Individualreisende. Das sind überwiegend junge Leute, also unter 35 Jahre alt. Aber ich erhalte auch oft Zuschriften älterer Leser, die schon über 70 sind. Israel ist ein ideales Land für Individualtouristen: Es hat eine gute Infrastruktur, und es gibt keine Sprachbarriere, denn praktisch alle sprechen ja Englisch. Es dürfte also weiter wachsen. Wenn da nicht die mediale Berichterstattung wäre.

Mit dem Reiseblogger sprach Martin Krauß.

www.zugreiseblog.de

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

TV-Tipp

Doku zeigt das Leben arabischer Transpersonen in Israel

Eine Arte-Dokumentation porträtiert Transpersonen aus Gaza, die im Exil in Tel Aviv den Traum ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu verwirklichen versuchen

von Manfred Riepe  17.06.2026

Wonderwerk-Höhle

Forscher finden älteste Spuren gezielter Feuernutzung

Auch die israelische Wissenschaftlerin Liora Kolska Horwitz von der Hebräischen Universität Jerusalem ist an der bahnbrechenden Entdeckung beteiligt

 17.06.2026

Jerusalem

Likud verzichtet auf Wahlkampf mit Trump-Nähe als zentralem Thema

Parteistrategen meinen, dass Benjamin Netanjahus Verbindung zum amerikanischen Präsidenten dem Ministerpräsidenten keinen Vorteil verschaffen würde. Hintergrund ist der neue Iran-Deal

 17.06.2026

Tel Aviv

Israelischer Luftwaffenchef: Geplanter Großangriff auf Iran kurz vor Start gestoppt

Generalmajor Omer Tischler sagt, die Einsatzkräfte seien bereits vollständig für die Mission vorbereitet gewesen

 17.06.2026

Kommentar

Der Judenhass hat Platz genommen

Die neuen RIAS-Zahlen sind alarmierend. Und sie zeigen einmal mehr eindrücklich: Antisemitismus ist kein Minderheitenproblem und ganz sicher nicht nur ein Judenproblem. Er ist ein Demokratieproblem

von Nelly Eliasberg  17.06.2026

Dokumentation

Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran im Wortlaut

Der saudische Sender »Al Arabiya English« hat das Memorandum of Understanding zwischen Teheran und Washington veröffentlicht

 17.06.2026

Westjordanland

Smotrich will Hebron-Abkommen kündigen – Außenministerium widerspricht

Seit 1997 regelt die Vereinbarung die Teilung der Stadt. Jetzt will der Finanzminister daran rütteln.

von Sara Lemel  16.06.2026

Nahostkonflikt

Donald Trump lobt sich selbst - und tadelt Israel

Beim G7-Gipfel im französischen Evian holte der US-Präsident erneut zu einem rhetorischen Rundumschlag aus. Anstelle von Benjamin Netanjahu lobte er Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa

 16.06.2026