Krieg gegen den Terror

Israel gedenkt getöteter Soldaten

Israels Präsident Isaac Herzog bei der offiziellen Gedenkveranstaltung für die gefallenen Soldaten am Sonntag in Jerusalem Foto: Copyright (c) Flash 90 2024

Der israelische Staatspräsident Isaac Herzog hat am alljährlichen Gedenktag für die getöteten Soldaten und Terroropfer des Landes den Selbstbehauptungswillen Israels unterstrichen.

»Ich erinnere uns und die gesamte Welt daran: Wir wollten niemals diesen schrecklichen Krieg. Nicht diesen und nicht seine Vorgänger«, sagte er am Sonntagabend auf der zentralen Feier an der Klagemauer in Jerusalem. »Aber so lange unsere Feinde uns zerstören wollen, werden wir das Schwert nicht niederlegen.«

Der Krieg zwischen Israels Armee und dem palästinensischen Terror geht derweil weiter. Im Norden und Süden des Gazastreifens gab es weitere Kämpfe. Die geplante Großoffensive Israels in der Stadt Rafah will die US-Regierung zwar nicht unterstützen, davon abgesehen sicherte sie dem Verbündeten aber erneut ihren Rückhalt zu.

Söhne und Töchter

Mit einer Schweigeminute nach Sirenengeheul wurde zu Beginn der Gedenkzeremonie am Sonntag der Toten der Kriege gedacht. Präsident Herzog trug einen eingerissenen Hemdkragen, denn zerrissene Kleidung ist ein jüdisches Symbol der Trauer.

Der israelische Generalstabschef Herzi Halevi sagte in seiner Rede, als Kommandeur der Armee in Kriegszeiten trage er die Verantwortung »für das Versagen, unsere Zivilisten am 7. Oktober zu verteidigen. Ich trage das Gewicht jeden Tag auf meinen Schultern und in meinem Herzen.«

An die Adresse der Familienangehörigen gerichtet sagte er: »Ich bin der Kommandeur, der Ihre Söhne und Töchter in den Kampf geschickt hat, aus dem sie nicht zurückgekehrt sind, und auf die Posten, auf denen sie als Geiseln genommen wurden.«

»Wir wollen keine weiteren Gräber«

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer islamistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübten. Sie ermordeten 1200 Menschen, nahmen 250 weitere als Geiseln und verschleppten sie in den Gazastreifen. Auch vergewaltigten sie Frauen, verbrannten ihre Opfer und folterten sie anderweitig.

Angehörige der Geiseln versammelten sich am Sonntagabend vor dem Hauptquartier der Armee in Tel Aviv. Viele von ihnen trugen brennende Kerzen, andere hielten Schilder mit der Aufschrift »Wir wollen keine weiteren Gräber«.

Die Vereinigung der trauernden israelischen und palästinensischen Familien organisierte am Gedenktag eine eigene Veranstaltung, die die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung in den Mittelpunkt stellte. »Wir müssen die Wirklichkeit ändern, um eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu schaffen«, sagte eine Palästinenserin, die im Gaza-Krieg ihren Bruder verloren hat.

Führendes Hamas-Mitglied getötet

»Wie viele Generationen voll Trauer braucht es noch, bis wir frei davon sind?«, fragte der Sohn der am 7. Oktober getöteten bekannten Friedensaktivistin Vivian Silver. »Wir alle müssen erkennen, dass die Besatzung, der 7. Oktober, der Krieg in Gaza, jüdischer und arabischer Terrorismus, jegliche politische Gewalt nicht unser Schicksal sind.«

Allerdings ist es der arabische Terrorismus, der auch zu diesem Krieg führte und Israel regelmäßig zwingt, zu reagieren.

Der bewaffnete Konflikt geht indessen weiter. Das israelische Militär gab am Sonntag die Tötung eines führenden Mitglieds der Hamas bei einem Luftangriff im Gazastreifen am Freitag bekannt. Der Mann habe zu einer Kampftruppe der Islamisten gehört und sei einer der Kämpfer gewesen, die für die Bewachung der entführten israelischen Soldatin Noa Marciano zuständig gewesen sei. Marciano war nach dem Terrorangriff am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt und dort später ermordet worden.

Präzise Vorstöße

Am Sonntag gab es Militäraktionen in verschiedenen Regionen des Gazastreifens. So hätten israelische Soldaten einen erneuten Einsatz in dem Flüchtlingsviertel Dschabalia im Norden des Küstengebiets begonnen, teilte das Militär mit.

Die israelische Armee setzt außerdem ihre nach eigenen Angaben präzisen Vorstöße in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens sowie im Viertel Al-Saitun im Norden des Küstenstreifens fort.

Die US-Regierung will nach der Veröffentlichung eines Berichts zu möglichen Völkerrechtsverstößen Israels weitere Untersuchungen anstellen. Es gebe »eine Reihe von Vorfällen, die wir weiterhin untersuchen, um die bestmögliche Einschätzung zu bekommen«, sagte Außenminister Antony Blinken am Sonntag im US-Fernsehen.

Keine abschließende Bewertung

Mit Blick auf den Einsatz amerikanischer Waffen im Gaza-Krieg sei man besorgt über Vorfälle, bei denen »angesichts der Gesamtheit des Schadens, der Kindern, Frauen und Männern zugefügt wurde«, die Einschätzung gerechtfertigt sei, dass Israel in bestimmten Fällen in einer Weise gehandelt habe, die nicht mit dem Völkerrecht vereinbar sei.

Allerdings sei das militärische Umfeld »komplex«, weswegen man keine abschließende Bewertung vornehmen könne.

Trotz aller Bedenken versicherte die US-Regierung, man werde weiter hinter dem Verbündeten Israel stehen. Präsident Joe Biden wolle zwar nicht, dass US-Waffen bei einer größeren Invasion in der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens zum Einsatz kommen, sagte Sicherheitsberater Jake Sullivan in einem Sonntag ausgestrahlten Interview des US-Senders ABC News. Das bedeute aber nicht, »dass er Israel im Stich lässt oder es von den Waffen abschneidet«.

Neuer Grenzübergang

Blinken hielt Israels Verteidigungsminister Joav Galant in einem Telefonat dazu an, den Schutz von Zivilisten und Hilfskräften in Gaza zu gewährleisten, wie das US-Außenministerium nach einem Gespräch der Ressortchefs mitteilte. Humanitäre Hilfe müsse ungehindert ins Kriegsgebiet gelangen und dort verteilt werden können - auch während Israel die Hamas bekämpfe.

Allerdings beschränkt Israel die Menge der Hilfsgüter, die nach Gaza gebracht werden dürfen, gar nicht. Die immer wieder auftretenden Mängel an Hilfsgütern in Gaza haben Beobachtern zufolge auch damit zu tun, dass UNO-Organisationen den Transport innerhalb des Küstenstreifens nicht bewältigen können oder wollen.

Am Sonntag hatte Israel nach Angaben eines Militärsprechers den neuen Grenzübergang Western Erez zum nördlichen Gazastreifen für humanitäre Hilfstransporte geöffnet. Dadurch solle die Zahl der Hilfstransporte in den Gazastreifen und insbesondere in den nördlichen Bereich erhöht werden, hieß es. Am Sonntag hätten bereits Dutzende Lastwagen mit Mehl aus dem Hafen von Aschdod den Übergang passiert.

Das Welternährungsprogramm (WFP) hatte vor Hunger im Norden des Gazastreifen gewarnt. Dort schreite die Unterernährung bei Kindern mit großer Geschwindigkeit voran, hieß es in einem Bericht zur Lage in dem Gebiet. dpa/ja

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