Archäologie

In Qumran und drum herum

Stickig und staubig ist es, und nur langsam geht die Arbeit voran. Trotzdem sind die Freiwilligen voller Enthusiasmus bei der Sache. Denn es gilt, Schätze zu retten. Die Frauen und Männer graben, kratzen, hämmern und sieben, vermummt, um sich vor dem Staub zu schützen, der in jede Pore dringt. In den Höhlen oberhalb des Toten Meeres wird derzeit nach weiteren antiken Schriftrollen gesucht. Ein Wettgraben gegen die Zeit, denn Antiquitätenräuber haben schon des Öfteren zugeschlagen, die Höhlen geplündert und wertvolle Fundstücke verhökert.

Die Arbeiten erfolgen in Kooperation der israelischen Antikenbehörde mit den Ministerien für Jerusalem-Angelegenheiten sowie Sport- und Kultur. Geleitet werden sie von den Archäologen Eitan Klein, Uri Davidovich, Roi Porat und Amir Ganor. Es ist ein nationaler Plan, dessen erste Phase derzeit in der Höhle der Schädel in Nahal Tseelim realisiert wird. »Wir wollen unsere bedeutendsten nationalen Erbstücke und kulturellen Schätze retten, die jahrelang geraubt wurden«, erläutert Israel Hasson, Generaldirektor der Antikenbehörde. »Ziel ist es, sämtliche Rollen zu bergen – ein für alle Mal –, damit der Staat sie sichern und aufbewahren kann.«

Höhlen Die weltberühmten Schriftrollen von Qumran, die heute im Israel-Museum ausgestellt sind, wurden in den Höhlen oberhalb des Toten Meeres gefunden. Und sie sollen nicht die einzigen gewesen sein. Es werden noch mehr in dieser unwirtlichen Gegend vermutet, die organisches Material aufgrund ihrer extremen Trockenheit hervorragend konserviert. Die Rollen gehören zu den ersten Dokumenten, die in hebräischer Sprache verfasst sind.

In der vergangenen Woche begannen die ersten Arbeiten, ein kompliziertes und außergewöhnliches Unterfangen. Denn in die meisten Höhlen spaziert man nicht einfach so hinein, Pickel und Schaufel unter dem Arm. Oft liegen sie Hunderte von Metern über dem Boden im kargen Stein. Versteckt und nahezu unzugänglich. Die Öffnung der Höhle der Schädel zum Beispiel befindet sich in einer Höhe von 250 Metern im Wadi in nahezu senkrechtem Felsen.

Vom oberen Rand des Kliffs sind es 80 Meter. »Und von dort aus wurden wir jeden Morgen bei 35 Grad Hitze abgeseilt«, erzählt die Biologin Sarah Aamidor, die drei Tage lang als Freiwillige mitgegraben hat. In der Höhle sei es unglaublich staubig gewesen. »Jedes Mal, wenn einer etwas ausgrub, stieg eine richtige Wolke auf, und am Nachmittag waren wir alle von Kopf bis Fuß eingepudert.«

Basislager Die Behörden kümmern sich hervorragend um die Freiwilligen im Basislager mit Schlafstätten, Duschen und jeder Menge gutem Essen. Was es der Mitarbeiterin allerdings besonders angetan hat, war etwas anderes: »Alle waren freiwillig da, und es war ein außergewöhnlicher Zusammenhalt, weil jeder die Mission hatte, historische Schätze für die Nachwelt zu sichern.« Aamidor selbst wurde sogar fündig.

»Ich habe etwas gefunden, das auf den ersten Blick wie ein Lederriemen aussah. Vielleicht von einer Sandale. Es ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass dieses Stück 2000 Jahre alt sein kann. Dadurch bekommen Dinge auf einmal eine andere Perspektive. Ich habe Tausende von Jahren Geschichte in den Händen gehalten.« Trotz der harschen Bedingungen sei die Aktion »wahnsinnig spannend und eine der schönsten Erfahrungen des Lebens« gewesen.

Mehr als 500 Freiwillige und Angestellte der Behörden aus dem In- und Ausland nehmen an dem Projekt teil. Hasson findet es aufregend zu sehen, wie engagiert die Freiwilligen sind, und wie viel es ihnen bedeutet, bei der Bewahrung der Historie des Landes dabei zu sein.

Diebstahl Seit Jahren versuchen die Inspektoren der Antikenenbehörde, Diebstahl und Handel mit Altertümern einzudämmen. Doch noch heute werden immer wieder Räuber dabei ertappt, wie sie professionell graben oder gefundene Stücke auf dem Schwarzmarkt verkaufen wollen. Archäologe Amir Ganor, Leiter der Abteilung zum Schutz vor Diebstahl, erklärt, dass die Grabungen in Nahal Tseelim außergewöhnlich umfangreich und überaus komplex sind. »So etwas hat es 30 Jahre lang in der Judäischen Wüste nicht mehr gegeben.«

»Obwohl viele der Höhlen schwer zugänglich sind, haben wir in den meisten, die wir untersucht haben, unrechtmäßige Grabungen festgestellt.«

Dem Archäologen bricht es das Herz, dass eventuelle Funde für immer verloren sein könnten. »Wir können das nicht länger tolerieren und wollen daher alles tun, damit die Fundstücke für zukünftige Generationen gesichert werden.«

Es gibt Grund zu glauben, dass noch mehr Schätze von großem historischen Wert hier verborgen liegen: Im Jahr 2009 wurde ein antiker Papyrus, mit hebräischen Schriftzeichen versehen, und auf das »Jahr vier nach der Zerstörung des Hauses von Israel« datiert, für zwei Millionen Dollar auf dem Schwarzmarkt angeboten.

Glücklicherweise konnte er den Räubern abgenommen werden und ist mittlerweile in Sicherheit. Der Papyrus stammte aus der Höhle der Schädel.

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