Der israelische Präsident Isaac Herzog setzt seine Beratungen mit Vertretern der Parteien über eine Regierungsbildung fort. Während die ultraorthodoxe Gruppe Vereinigte Tora-Judentum keine Empfehlung für einen Regierungschef aussprach, empfahl die rechtsextreme Partei Ozma Jehudit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für die Regierungsbildung. Die Demokraten hingegen sprachen sich für Ex-Militärchef Gadi Eisenkot aus.
Stärkste Kraft bei der Parlamentswahl Ende Oktober wurde Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei mit 27 von insgesamt 120 Sitzen in der Knesset, gefolgt von der Mitte-Partei Jaschar von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot mit 21 Mandaten. Mit den Vertretern dieser beiden stärksten Parteien will Herzog am Abend sprechen. Traditionell beauftragt der Präsident denjenigen Kandidaten mit der Regierungsbildung, dem er die besten Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit einräumt. Israels Oppositionsparteien hatten vor Beginn der Beratungen angekündigt, Eisenkot empfehlen zu wollen.
Das Mitte-Rechts-Bündnis Bejachad der Ex-Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Jair Lapid kam bei der Wahl auf zwölf Sitze, die arabisch geprägte Vereinte Liste auf elf. Die Demokraten und die arabische Raam-Partei erhielten jeweils acht Mandate. Jeweils sieben Sitze entfielen auf Israel Beitenu, Ozma Jehudit und das Vereinigte Tora-Judentum. Die ebenfalls strengreligiöse Schas und der Religiöse Zionismus kamen auf jeweils sechs Sitze. Eine Schlüsselrolle könnten die arabischen Parteien bei der Mehrheitsbildung spielen.
Erster Videoauftritt Netanjahus seit der Wahl
In seinem ersten Videoauftritt seit der Wahl warnte Netanjahu am späten Mittwochabend vor einer Regierung, »die vom extremistischen Islam und von islamistischen Parteien abhängig ist.« Diejenigen Vertreter der Opposition, die bei einer Regierungsbildung auf eine Mehrheit mit Hilfe der arabischen Parteien setzten, stellten ihre eigenen politischen Interessen über das nationale Interesse, sagte er in dem auf der Plattform X veröffentlichten Video.
Zuvor hatte die Likud-Partei den arabischen Parteien Wahlbetrug vorgeworfen. Die israelische Polizei und die Wahlbehörde wiesen diese Behauptungen zurück. dpa