Israel

Medien: Heftiger Streit zwischen Premier und Armeechef

Armeechef Eyal Zamir Foto: copyright (c) Flash90 2023

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich mit Armeechef Eyal Zamir über das weitere Vorgehen im Gaza-Krieg beraten. Zamir habe dem israelischen Regierungschef mögliche Optionen für die Fortsetzung des seit rund 22 Monaten andauernden Kriegs präsentiert, teilte das Büro von Netanjahu mit. Details der Optionen wurden zunächst nicht bekannt.

Am Montag hatten mehrere israelische Medien berichtet, Netanjahu dringe trotz Einwänden der Militärführung auf eine vollständige Einnahme des Gazastreifens. Das Sicherheitskabinett müsste einen solchen Plan jedoch noch billigen.

Netanjahu hat sich bisher nicht öffentlich zu den Plänen geäußert. Der Sender »Kan« meldete aber nach der Beratung mit Zamir, Netanjahu tendiere weiter zur Einnahme des Küstenstreifens. Nach israelischer Einschätzung befinden sich derzeit noch 50 Geiseln in der Gewalt der Hamas, von denen noch 20 am Leben sein sollen. 

Die vollständige Einnahme des Gazastreifens sei jedoch nicht unter den von Zamir dargelegten Optionen gewesen, berichteten israelische Medien. In der von Netanjahus Büro verbreiteten Mitteilung hieß es nun: »Die Armee ist bereit, alle Entscheidungen des Sicherheitskabinetts umzusetzen.«

Netanjahu-Sohn wirft Armeechef »versuchten Militärputsch« vor

Bei den Beratungen soll es zwischen Zamir und Netanjahu zu zum Teil heftigen Auseinandersetzungen gekommen sein, in deren Folge der Ministerpräsident dem Armeechef nahe legte, seinen Hut zu nehmen, falls er der Linie der Regierung nicht folgen wolle. Zamir habe Netanjahu gesagt, die Eroberung von Ganz Gaza sei eine »Falle« für die IDF und hülfe den von der Hamas gefangengehaltenen israelischen Geiseln nicht.

Laut Medienberichten stritten sich die beiden Männer auch über einen Beitrag auf X des Sohnes des Ministerpräsidenten, Yair Netanjahu, der kein Regierungsamt innehat. Dieser hatte Zamir scharf angegriffen und ihm unterstellt, »durch und durch kriminell« zu sein und hinter einer »Rebellion und einem versuchten Militärputsch zu stehen, wie man ihn aus einer Bananenrepublik in Mittelamerika in den 70er Jahren kennt«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In seinem Unterredung mit dem Ministerpräsidenten wies Zamir diese Anschuldigung zurück. Laut »Kan« sagte er: »Warum greifen Sie mich an? Warum sprechen Sie mitten im Krieg gegen mich?« Netanjahu soll darauf geantwortet haben: »Drohen Sie nicht in den Medien mit Ihrem Rücktritt. Ich kann nicht akzeptieren, dass Sie jedes Mal drohen zu gehen, wenn wir Ihre Pläne nicht akzeptieren. Mein Sohn ist 33 Jahre alt, er ist ein erwachsener Mann.«

Sein Verteidigungsminister Israel Katz nahm den Generalstabschef hingegen gegen die harsche Kritik in Schutz. Katz sagte laut »Times of Israel«: »Ich habe Eyal Zamir für das Amt empfohlen, und der Ministerpräsident und die Regierung haben meine Empfehlung gebilligt.«

Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid warnte Netanjahu davor, den gesamten Gazastreifens einzunehmen. »Das, worauf Kabinett und Regierung zusteuern, wird dazu führen, dass alle Geiseln sterben«, schrieb Lapid auf der Plattform X. Sie würden durch Hunger, Schläge, Folter oder eben auch bei Einsätzen des israelischen Militärs ums Leben kommen, fügte er hinzu. dpa/mth

22. Makkabiade

Zusammenstehen - mehr denn je

Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt feiern bei der Eröffnung in Jerusalem jüdische Identität, Sport und Solidarität – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026