Gazastreifen

Hamas gräbt »unter der Nase der IDF« nach letzter Geisel

»Israel wartet auf Rani - den Beschützer von Alumim«, steht auf den Plakaten. Foto: Flash90

Die Hamas gräbt Medienberichten zufolge »direkt unter der Nase der israelischen Armee« nach der letzten Geisel in Gaza – Ran Gvili. Während israelische Truppen ihre Stellungen entlang der sogenannten »gelben Linie« halten würden, suche die Terrororganisation nach den sterblichen Überresten des jungen Israelis.

Die Suche im Stadtteil Zeitoun von Gaza-Stadt würde in einem für die israelischen Streitkräfte einsehbaren Gebiet stattfinden, schrieb die Tageszeitung Jediot Acharaonot. Dies verdeutliche die »ungewöhnliche und fragile Lage an der Frontlinie« nach den monatelangen Kämpfen.

Hamas behauptet, den Aufenthaltsort nicht zu kennen

Der 24-jährige Gvili wurde bei dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 im Kampf gegen Terroristen getötet, sein Leichnam nach Gaza verschleppt. Augenzeugen berichteten anschließend, dass er vor seinem Tod am Eingang des Kibbuz Alumim viele Menschenleben gerettet habe. Obwohl die Hamas wiederholt behauptet hat, Gvilis genauen Aufenthaltsort nicht zu kennen, besteht Israel darauf, dass die Terrorgruppe für seine Rückführung verantwortlich ist. Mehr als 800 Tage sind seit dem Schwarzen Schabbat vergangen.

Die erneuten Grabungen begannen, nachdem Jerusalem einen wichtigen humanitären und diplomatischen Schritt, die Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah zu Ägypten, an die Rückführung Gvilis geknüpft hat. Hochrangige israelische Beamte erklärten, dass Rafah ohne die Übergabe der Leiche geschlossen bleiben werde, was weitere Hilfsmaßnahmen im Gazastreifen verzögern würde.

Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich machte klar, dass Israel nicht in die nächste Phase der Verhandlungen mit der Hamas eintreten werde, solange die Frage der letzten Geisel nicht geklärt sei. »Die Rückkehr von Ran Gvili ist keine Verhandlungsmasse«, sagte er, »sondern eine moralische Verpflichtung«. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigte diese Position.

Talik Gvili: »Ich wäre bereit gewesen, alles zu geben, um ihn wieder zu hören, zu sehen und zu umarmen.«

Die Hamas ihrerseits behauptet, die Suche nach Gvilis Leichnam werde durch die »massiven Zerstörungen im Gazastreifen und den Tod von Kämpfern« erschwert, die angeblich an den Entführungen beteiligt waren. Israelische Sicherheitsbeamte gehen jedoch davon aus, dass die Gruppe über Informationen verfügt, die zur Bergung des Leichnams führen könnten.

Das Thema hat auch die höchsten Ebenen der internationalen Diplomatie erreicht. Vergangene Woche reisten die Eltern von Ran Gvili in die Vereinigten Staaten, um Unterstützung von amerikanischen Politikern zu erhalten. Bei einem Besuch in Florida trafen sie US-Präsident Donald Trump, der bekräftigte, sich persönlich für die Vermittlungsbemühungen um die Rückführung der letzten Geisel in Gaza einsetzen zu wollen.

Laut der Familie habe Trump versprochen, »alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Rückkehr ihres Sohnes zu gewährleisten«. Er erklärte ihnen, dass kein sinnvoller Wiederaufbau des Gazastreifens erfolgen dürfe, solange die Angelegenheit ungelöst bleibe. Das Treffen verlieh dem anhaltenden diplomatischen Druck auf die Hamas zusätzliches Gewicht. Washington unterstützt Israels Forderung, dass die Rückkehr aller lebenden und toten Geiseln Vorrang vor weiteren Zugeständnissen haben müsse – wie auch im Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommen vereinbart worden war.

Tiefe Betroffenheit in Israel über die Ungewissheit

Die anhaltende Ungewissheit um Gvilis Schicksal - der letzten Geisel in der Gewalt der Hamas - löst in Israel tiefe Betroffenheit aus, wo die Bergung von Israelis als nationale Pflicht gilt. Jeden Samstag nach dem Ende des Schabbats demonstrieren Menschen dafür, dass auch Ran Gvili eine würdige Beerdigung erhalten muss.

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Seine Mutter, Talik Gvili, beschreibt immer wieder die Qualen der Familie. In den USA forderte sie erneut, dass keine weitergehenden politischen Abkommen geschlossen werden sollten, bevor ihr Sohn nicht nach Hause zurückgekehrt ist: »Ich wäre bereit gewesen, alles zu geben, um ihn wieder zu hören, zu sehen und zu umarmen«, sagte sie. Jetzt aber könne sie »nur noch flehen, dass sie nicht zu Phase zwei des Abkommens übergehen, bevor Rani wieder zu Hause ist – denn wir lassen keine Helden zurück«.

Während die Verhandlungen andauern, ist das Schicksal eines Einzelnen zu einem entscheidenden Faktor in den umfassenderen Fragen der Grenzübergänge, der humanitären Hilfe und der Zukunft des Gazastreifens geworden. Für die Familie Gvili bleibt die Angelegenheit jedoch schmerzlich simpel: Sie wollen ihren Sohn und Bruder endlich nach Hause holen.

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