Tourismus

Gutes Bett zum kleinen Preis

Idylle am Kinneret: die Jugendherberge Karei Desche Foto: iyha

Wässriger Pfefferminztee, meckernde Herbergsväter und um 21 Uhr Ruhe auf den Zimmern. Nicht jeder verbindet mit den Erinnerungen an Jugendherbergsaufenthalte den ultimativen Ferienspaß. Wer derartige Erlebnisse korrigieren möchte, sollte unbedingt in israelische Häuser einkehren. Die 22 Jugendherbergen im ganzen Land sind Vorzeigebeispiele für Gastlichkeit – als einzige weltweit wenden sie internationale Qualitätsstandards an. Ein 30-Millionen-Euro-Projekt soll die Jugendherbergslandschaft in Israel jetzt noch attraktiver machen.

Wie ihr deutsches Pendant ist auch Israels Jugendherbergsvereinigung (IYHA) eine Non-Profit-Organisation. Ins Leben gerufen wurde sie noch vor der Staatsgründung im Jahr 1937, um vor allem den Bildungstourismus zu fördern. Die etwa eine Million Gäste, die heute jährlich in ihren Betten übernachtet, besteht zum Großteil aus Gruppen, die mit einem Bildungsprogramm durchs Land reisen, etwa »March of the Living« oder »Taglit Birthright«.

Mit dem auf fünf Jahre angelegten Plan, neun vorhandene Herbergen zu renovieren und zu erweitern sowie drei neue zu bauen, soll sich das ändern. Tourismusminister Stas Misezhnikov beteiligt sich mit knapp sechs Millionen Euro an der Umgestaltung, den Rest steuern das Bildungsministerium und die Jewish Agency bei. Misezhnikov hat Großes vor: Bis 2015 will er fünf Millionen Besucher jährlich ins Heilige Land locken. Sollten die tatsächlich kommen, wird es in den existierenden Unterkünften eng. Zwar gibt es in Israel Luxushotels en masse, für den preisbewussten Reisenden allerdings ist die Auswahl nicht besonders groß.

Ausgangspunkte Hier kommen die Jugendherbergen ins Spiel. Bereits heute gibt es in allen 22 Stätten nicht nur die herkömmlichen Schlafsäle mit Stockbetten, sondern auch Doppel- oder Familienzimmer mit jeder Menge Komfort zum erschwinglichen Preis. Die Zimmer sind mit TV, Klimaanlage, Kühlschränken sowie privaten Bädern ausgestattet.

Ofer Shapira, Vizepräsident der IYHA, weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: »Unsere Jugendherbergen befinden sich auf einem sehr hohen Niveau.« Er hat sämtliche Unterkünfte von Galiläa bis Eilat mit seiner Familie persönlich getestet. Dass sie den Mangel an Hotelbetten bei einem wachsenden Touristenstrom ausgleichen könnten, weist er nicht von der Hand. Dennoch mag Shapira den Vergleich mit Hotels überhaupt nicht. »Beides sind Orte, an denen übernachtet wird«, erklärt er, »da ist es mit den Gemeinsamkeiten aber auch schon vorbei.« In Jugendherbergen gebe es viel weniger Räume auf viel mehr Fläche, immer sei die Natur ein Bestandteil, Lernen und Bildung stünden ganz oben. »Im Gegensatz zu Hotels, in denen die Gäste oft den ganzen Tag verbringen, wo es Animationsprogramme und laute Musik gibt, sind unsere Häuser Ausgangspunkte für Menschen, die die Umgebung bereisen und etwas sehen wollen.«

Und in Israel gibt es an jeder Ecke etwas zu erkunden. In Karei Desche etwa schaut man vom Fenster direkt auf das schimmernde Blau des Sees Genezareth, die Herberge von Masada liegt am Fuße der legendären Festung von Herodes. Nur ein Katzensprung zum riesigen Wüstenkrater von Mizpe Ramon ist es von der gleichnamigen Jugendherberge aus. Und vom Yitzhak-Rabin-Haus in Jerusalem kommt man zu Fuß zum Israel-Museum, dem Regierungsviertel mit der Knesset und anderen Sehenswürdigkeiten.

Behindertengerecht Unter anderem werden die Jugendherbergen in Masada, Beit Schean, Mizpe Ramon, Eilat, Safed und Tel Chai von Grund auf renoviert und teils ausgebaut. Die beliebte Unterkunft am Toten Meer in Ein Gedi bekommt 18 nagelneue Räume, voll ausgestattet für behinderte Gäste. Ein Haus in Poriya ist gerade fertiggestellt, an dem in Akko wird noch gebaut. Kaum ein Tourist, der nicht von der alten arabisch-jüdischen Stadt mit Kreuzfahrervergangenheit fasziniert ist. »Das Haus in Akko wird ganz wunderbar werden«, verspricht Shapiro. Ab Mitte Oktober können Gäste hier einkehren und jahrtausendealte Geschichte inmitten der historischen Gemäuer erleben. Eine weitere Neueröffnung ist 2013 in Haifa geplant.

Die Nacht im Doppelzimmer kostet etwa 60 bis 90 Euro, Frühstück inklusive, pro Kind werden 16 bis 20 Euro zusätzlich verlangt. Für Rucksacktouristen geht es noch billiger. Sie zahlen für ein Bett im Schlafsaal ungefähr 20 Euro. Die Verköstigung sei simpel, aber gut, so Shapira, und schmecke allen. »Im Preis inbegriffen sind außerdem eine prima Atmosphäre, tolle Natur, viele Sportangebote und ein bunter Publikumsmix aus Jung und Alt, Familien mit Kindern, Pilgern, Rucksacktouristen und Naturfans. Neben dem Land lernt man hier also auch interessante Menschen kennen.« Und mit denen darf man in allen Herbergen sogar die ganze Nacht aufbleiben.

www.iyha.co.il

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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