Verbrechen

Gegen die Gewalt

»Ich bin nicht dein Opfer!«: Arabische Proteste in Nordisrael gegen Gewalt Foto: Flash 90

»Ich bin nicht dein Opfer!« Darunter ein roter Handabdruck, der Blut suggerieren soll. Solche oder ähnliche Plakate halten die Demonstranten in die Höhe. Und sie werden immer mehr.

Viele arabische Israelis haben genug von der Gewalt in ihren Gemeinden. Jetzt verurteilte auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Verbrechen.

KOOPERATION Er sagte zu, nationale Ressourcen zur Verfügung stellen zu wollen und rief die Vertreter der arabischen Minderheit auf, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um das Phänomen zu bekämpfen.

»Die arabische Gemeinschaft ist sehr, sehr gewalttätig, mit kulturellen Normen, die Gewalt fördern«, soll Sicherheitsminister Erdan gesagt haben.

Viele arabische Politiker werfen der Regierung vor, nicht genug zu unternehmen, die Gemeinden »zu ignorieren und gesetzlos werden zu lassen«. Angeblich mische sich die Polizei nicht genug ein, kritisieren die Politiker, »egal ob es Familienfehden sind, Mafia-Kriege oder häusliche Gewalt und die sogenannten Ehrenmorde«.

GESETZE Netanjahus Büro veröffentlichte eine Erklärung, dass er mit Sicherheitsminister Gilad Erdan und dem Polizeichef Moti Cohen darüber gesprochen habe. Es sollen zusätzliche Beamte zur Verfügung gestellt und die Gesetze härter durchgesetzt werden.

Erdan gab am Montag ein Radiointerview, in dem er sagte, dass die arabische Gemeinschaft »sehr, sehr gewalttätig ist, mit kulturellen Normen, die Gewalt fördern«.

Anschließend twitterte er, dass seine Aussagen verzerrt dargestellt wurden und stellte klar: »Die hauptsächliche Verantwortung, Verbrechen in der arabischen Gemeinschaft zu bekämpfen, liegt in den Händen der Regierung und der Polizei«. Darüber hinaus müssten allerdings auch gewisse Normen in Teilen der arabischen Gesellschaft bekämpft werden.

Nach Polizeiangaben sind in diesem Jahr allein 70 Menschen in arabischen Gemeinden in Israel ermordet worden.

Die Massenproteste hatten vor etwa zwei Wochen begonnen, als an einem Wochenende vier Menschen durch Schüsse starben. An diesem Wochenende starben drei junge Männer durch Messerstiche. Der Premier forderte die Demonstranten auf, die Proteste nicht gewalttätig werden zu lassen.

KONZEPT »Wir müssen alle verantwortlich handeln und kooperieren, um die Gewalt zu bekämpfen.« Der Anführer der Vereinten arabischen Liste, Ayman Odeh, widersprach Netanjahu und stellte klar, dass er keine öffentlichen Erklärungen von ihm erwarte, sondern die sofortige Implementierung eines Regierungsplanes zur Bekämpfung der eskalierenden Gewalt.

Nach Polizeiangaben sind in diesem Jahr allein 70 Menschen in arabischen Gemeinden in Israel ermordet worden. Der Anteil der israelischen Araber liegt bei 20 Prozent der gesamten Bevölkerung, der Anteil der Morde bei 50 Prozent.

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026