Medizin

Gedrucktes Herz

Forschung mit Herz Foto: Flash 90

Es ist eine Weltsensation, die in dieser Woche im Labor der Tel Aviver Universität aus dem Drucker kam: ein komplettes pochendes Herz aus menschlichem Gewebe. Es ist die Medizin der Zukunft, in der Patienten nicht länger auf eine Spende warten müssen, um gesund zu werden oder schlicht zu überleben.

Tal Dvir, Assaf Shapira und der Doktorand Nadav Noor von der Fakultät für Biowissenschaften produzierten das Herz samt Blutgefäßen. »Zwar hat es nur die Größe des Herzens eines Hasen und ist nicht voll funktionsfähig«, wie Dvir einräumte, doch im Grunde sei es dieselbe Technologie, mit der man eines in Menschengröße drucken könnte. Die Zellen können sich zwar zusammenziehen, doch funktionieren nicht zusammen, um zu pumpen, erläuterte er weiter. »Wir müssen den Druck also noch weiterentwickeln.« Doch der Mediziner ist zuversichtlich, »dass wir zeigen können, dass unsere Methode brauchbar und effizient ist«.

Stammzellen Zwar kamen schon zuvor einfache Gewebe aus einem 3D-Drucker, doch sie verfügten nicht über Blutbahnen, die für das Funktionieren vonnöten sind. »Dies ist das erste Mal, dass jemand ein komplettes Herz mit Zellen, Blutbahnen und Kammern gedruckt hat.« Zunächst wurde dafür Patienten Fettgewebe entnommen und in Zellkomponenten und Nicht-Zellkomponenten aufgeteilt. Anschließend reprogrammierten die Wissenschaftler die Zellen, sich in undifferenzierte Stammzellen zurückzuentwickeln, die daraufhin angeregt werden konnten, zu Herzzellen zu werden. Das nichtzellulare Material wandelten sie in ein personalisiertes Hydrogel um, das als »Druckertinte« benutzt wurde.

Damit das gedruckte Herz zu einem funktionsfähigen werden kann, müsste es im Labor weiterwachsen und lernen, wie ein echtes zu funktionieren. Anschließend würde es in einem Tierversuch eingepflanzt. Trotz Durchbruch wird es noch Jahre dauern, bis Organe aus dem Drucker Spenderorgane ersetzen können. Dann jedoch, hofft Dvir, kann es zum Alltag werden, dass das eigene Gewebe der Patienten dafür verwendet wird.

»Diese Studie ebnet den Weg zur zukünftigen Medizin, in der Patienten nicht länger auf Organe warten und Medikamente einnehmen müssen, damit sie nicht abgestoßen werden«, so die Universität. »Stattdessen werden die benötigten Organe gedruckt – vollständig für den jeweiligen Patienten personalisiert.«

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026

Wahlen

»Wie schwarz muss eine Seele sein…«

Rechte Demonstranten machen am Sonntagabend bei einem Protest vor dem Wohnhaus des Politikers Gadi Eisenkot den Tod seines Sohn zum Gegenstand der Hetze

von Sabine Brandes  02.11.2026

Westbank

Israels Armee zieht aus Hebron ab

Elf Tage nach Beginn des Anti-Terror-Einsatzes haben sich die israelischen Truppen zurückgezogen

 02.11.2026

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026