Studie

Gebrechlich durch Junkfood?

Viele Kinder beziehen bis zu 70 Prozent ihrer Kalorien aus Fertignahrung. Foto: Getty Images

Studie

Gebrechlich durch Junkfood?

Hebräische Universität untersucht Auswirkung von industriell verarbeiteten Lebensmitteln auf Knochenbau von Kindern

von Sabine Brandes  25.04.2021 08:26 Uhr

Pizza aus der Tiefkühltruhe, Kekse aus der Packung oder Kartoffelchips: So verführerisch der schnelle Biss auch sein mag, diese und ähnliche Speisen bedeuten extrem schlechte Nachrichten für die Knochen von Kindern. Das fand jetzt ein Team der Hebräischen Universität Jerusalem (HU) in einer neuen Studie heraus. Es stellte einen Zusammenhang zwischen industriell stark verarbeiteten Lebensmitteln und der Entwicklung des Skeletts her. Die Wissenschaftler bewiesen, dass diese Lebensmittel und eine verringerte Knochenqualität zusammenhängen. Besonders geht es dabei um Kinder und Kleinkinder, die sich noch in der Entwicklung befinden.

Die Studie wurde von Efrat Monsonego-Ornan und Janna Zaretsky von der Abteilung für Biochemie, Lebensmittelwissenschaft und Ernährung an der Fakultät für Landwirtschaft an der HU geleitet und in der Fachzeitschrift »Bone Research« veröffentlicht. Es sei weltweit die erste umfassende wissenschaftliche Arbeit, die die Auswirkungen von herkömmlichen Lebensmittelprodukten auf die Entwicklung des Skeletts untersucht, so die Universität.

STOFFWECHSEL Ultra-industriell verarbeitete Lebensmittel, auch als Junkfood oder Fast Food bekannt, sind Lebensmittel, die mehrere Stufen der Verarbeitung durchlaufen und keine diätetischen Inhaltsstoffe enthalten. Sie sind in der Regel sehr beliebt bei den Kunden, vor allem, weil sie leicht zu konsumieren und verhältnismäßig billig sind und man sie sich manchmal sogar direkt aus der Packung schmecken lassen kann.

Es ist keine Neuigkeit, dass das Überhandnehmen dieser Produkte in der ganzen Welt einen direkten Einfluss auf die zunehmende Fettleibigkeit hat sowie mentale und Stoffwechselerkrankungen in allen Altersgruppen hervorruft. Viele Kinder haben eine Vorliebe für Fast Food. Bis zu 70 Prozent ihres Kalorienverbrauchs besteht aus extrem industriell verarbeiteten Lebensmitteln, schätzen die Wissenschaftler aus Jerusalem. Während verschiedene Studien die allgemeinen negativen Effekte dieser Nahrung bereits untersuchten, haben sich nur wenige mit den direkten Folgen für die Entwicklung von Kindern, insbesondere Kleinkindern, beschäftigt.

Die Studie der Hebräischen Universität liefert eine erste umfassende Analyse, wie diese Lebensmittel die Entwicklung des Skelettes beeinflussen. Dabei wurden Nagetiere untersucht, deren Skelette sich in der nach-embryonischen Wachstums­phase befanden. Die Nager, die einer Ernährung aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln ausgesetzt waren, hätten unter Wachstumsverzögerungen gelitten, heißt es in der wissenschaftlichen Arbeit. Zudem sei die Stärke ihrer Knochen nachteilig beeinflusst.

Bei der histologischen Untersuchung, also der Untersuchung der Gewebe, stellten die Forscher große Knorpelansammlungen in den Wachstumsfugen fest. Diese dienen als »Motoren für das Knochenwachstum«. Bei der weiteren Auswertung von Zellen der Nagetiere, die Fast Food fraßen, stellte das Team fest, dass die genetischen Profile der Knorpelcharakteristika von geschädigter Knochenentwicklung zeugten.

GEWOHNHEITEN Anschließend versuchten die Wissenschaftler zu analysieren, inwieweit spezielle Essgewohnheiten die Knochenentwicklung beeinflussen. »Dafür teilten wir die Ernährung der Nager auf«, erklärt Monsonego-Ornan. »30 Prozent bestanden dabei aus einer kontrollierten gesunden Ernährung, die restlichen 70 Prozent aus extrem industriell verarbeiteten Lebensmitteln.«

Es zeigte sich, dass die auf diese Weise gefütterten Labortiere unter einer moderaten Schädigung ihrer Knochendichte litten. Es habe jedoch weniger Indikation für eine verstärkte Knorpelbildung in den Wachstumsfugen gegeben.

»Unsere Schlussfolgerung ist, dass sogar in reduzierten Mengen ultra-industriell verarbeitetes Essen negative Auswirkungen auf das Wachstum des Skeletts haben kann«, erklärt Efrat Monsonego-Ornan. »Als einer der führenden Experten der Welt im Bereich Ernährung, Carlos Monteiro, sagte: ›Es gibt kein gesundes Junkfood‹, hat er eindeutig recht gehabt.«
Monsonego-Ornan weiß: »Sogar wenn wir Fette, Nitrate, Kohlenhydrate und andere schädliche Inhaltsstoffe in diesen Lebensmitteln reduzieren, haben diese Speisen immer noch ihre gefährlichen Eigenschaften. Jeder Teil unseres Körpers kann davon Schaden nehmen – definitiv die Systeme, die sich in der kritischen Phase der Entwicklung befinden.«

Die Ergebnisse dieser Studie seien besonders bedeutend, bemerkt in diesem Zusammenhang das Team der Hebräischen Universität, da Kinder und Jugendliche derartige Speisen regelmäßig verzehren. »Die Hälfte der amerikanischen Kinder isst jeden Tag Junkfood.«

Tel Aviv

Israelische Forscher entwickeln Bluttest zur Erkennung von Lungenkrebs

Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler könnte die Methode langfristig eine wesentlich günstigere Alternative zu aufwendigen genetischen Untersuchungen werden

 15.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026

Holocaust

»Unsere Rache an den Nazis ist, dass wir den Staat Israel haben«

Der Schoa-Überlebende Yehuda Widawski ist mit 107 Jahren gestorben. Jahrzehntelang suchte und restaurierte er jüdische Gräber in Polen

von Sabine Brandes  14.09.2026

Reaktionen

»Ritualmordlegende« - »Pflicht, Fragen zu stellen«: Israel streitet über »Naza«

Während Rechte den Film über den Gaza-Krieg als Verleumdung verurteilen, verteidigen Linke das Recht auf Kritik. Armee weist zentrale Vorwürfe zurück

von Sabine Brandes  14.09.2026

Dokumentarfilm

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigten Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Die IDF haben niemals einen Angriff geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, heißt es von der Armee

 14.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert