Israel

Früherer Geheimdienstchef der israelischen Armee: Jerusalem musste das Atomprogramm der Mullahs stoppen

Amos Yadlin Foto: copyright (c) Flash90 2024

Amos Yadlin war einst israelischer Kampfpilot. Er war im Juni 1981 an einer riskanten Operation beteiligt, bei der die Luftwaffe des jüdischen Staates den irakischen Atomreaktor Osirat vernichtete. Bereits acht Jahre zuvor hatte er im Jom-Kippur-Krieg Kampfjets geflogen.

Später wurde Yadlin General der Luftwaffe und schließlich Chef des Militärgeheimdienstes. Der Wochenzeitung »Die Zeit« gab er nun ein ein ausführliches Interview und berichtete davon, wie ernst man die Drohungen der Mullahs nehmen sollte.

Befragt wurde er über die jüngste, ebenfalls riskante Militäroperation »Rising Lion«, in deren Rahmen Israel in Kooperation mit den Amerikanern die Atomanlagen des Iran zumindest beschädigte, führende Atomwissenschaftler tötete und Militärziele zerstörte. Vor allem intensive Vorbereitung und eine »perfekte Koordination« der Piloten hätten diesen Erfolg gegen den Iran ermöglicht, sagte Yadlin der »Zeit«.

»Nie wieder«

Auch erklärte er, was ihn damals dazu bewegte, dabei zu sein: »Als Elitesoldat muss man bereit sein, sein Leben für die Sicherheit seines Landes zu opfern. Wir jungen Piloten wussten, wir können als Kriegsgefangene enden oder sterben. Aber wir wussten auch: Nie wieder, wirklich nie wieder lassen wir die Vernichtung des jüdischen Volkes zu.«

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Amos Yadlin fügte hinzu: »Als ich 1981 mein Haus verließ, war meine Tochter vier Monate alt. Meiner Frau sagte ich zum Abschied: Ich gehe auf eine Mission, von der ich vielleicht nicht zurückkehre. Aber wir werden Saddam daran hindern, unser Land vernichtend anzugreifen.« Er sei sich sicher, dass die Pilotinnen und Piloten, die ab dem 13. Juni an »Rising Lion« beteiligt gewesen seien, ähnliche Gefühle gehabt hätten. »Wer sagt, dass er keine Angst hat, lügt.«

Der Präventivschlag, den Israel gegen den Iran ausgeführt habe, sei nötig gewesen, sagte Yadlin der »Zeit«. Denn nach dem Einsatz gegen Saddam Husseins Reaktor sei die Begin-Doktrin formuliert worden. »Sie besagt: Unter keinen Umständen dürfen wir zulassen, dass unsere Feinde Massenvernichtungswaffen entwickeln. Wir müssen die israelische Bevölkerung rechtzeitig schützen.« Insbesondere gehe es dabei um Atomwaffen.

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Kurz vor zwölf

Auch machte Yadlin klar: Trotz des fast täglich erhobenen Vorwurfs, Israel breche das Völkerrecht, müsse Israel gegen die vom Iran und den von ihm finanzierten Terrororganisationen in der Region ausgehende Bedrohung vorgehen: »Als Hitler ankündigte, die Juden zu vernichten, da haben wir es nicht geglaubt. Das Ergebnis waren sechs Millionen tote Juden.«

Dass die Uhr vor dem Präventivschlag gegen das Teheraner Regime auf kurz vor zwölf gestanden habe, ist laut Amos Yadin klar. Dies gehe aus Informationen amerikanischer und israelischer Geheimdienste hervor. »Die Urananreicherung lag bei 60 Prozent. Das war zu nah an den nötigen 90. Passende Trägerraketen waren auch schon vorhanden.«

Auch den Völkermord-Vorwurf, mit dem Israel vor allem seit dem 7. Oktober 2023 konfrontiert ist, kommentierte der General im Ruhestand: »In Gaza bekämpfen wir einen Feind, der in Zivil unter Zivilisten operiert, zahllose zivile Einrichtungen besetzt.« Israels Armee greife auch dort keine Kinder an.

Diplomatischer Effekt

Auch stellt Yadlin gegenüber der Wochenzeitung klar: »Nicht Israel, sondern die Hamas verursacht das Elend in Gaza. Dabei könnten sie den Krieg sofort beenden, indem sie unsere Geiseln freigeben.«

Als Politiker ist Amos Yadlin bereits gegen Benjamin Netanjahu angetreten und hat ihn immer wieder kritisiert, sieht aber auch, was dieser mit seiner Regierung im Iran geschafft habe: »Innerhalb von zwei Tagen hatten wir die Lufthoheit über die wichtigsten militärischen Standorte im Iran. Unglaublich!«

Die Vereinigten Staaten seien sehr hilfreich gewesen. Dabei sei es um die »Treffer« in der unterirdischen Atomanlage Fordo gegangen, aber auch um den diplomatischen Effekt: »Die USA haben unmissverständlich klargemacht, dass sie nicht zulassen, dass Israels Feinde eine Atombombe besitzen«, erklärte Yadlin in dem Interview.

Schließlich wurde Amos Yadlin auch zu von ihm begangene Fehler befragt. Seine Antwort: »Sicher mehr als einmal« habe er sich geirrt. »Immerhin, in meiner Zeit als Geheimdienstchef wurde ich nicht gefeuert. Aber im Ernst: Im März 2023 warnte ich vor einem Angriff auf Israel, dachte aber an die Hisbollah, nicht an die Hamas.«

Auch CNN, Fox News und anderen Medien gab Amos Yadlin Interviews. In einigen davon nahm er Stellung zum zumindest vorerst letzten Tag der Operation »Rising Lion«. Am Dienstagfrüh hatte der Iran mit einem Raketenangriff vier Menschen in Beer Sheva getötet. Die Israelis hatten daraufhin einen Gegenschlag befohlen. »Der wurde abgebrochen, weil Trump es forderte«, so Yadlin. Der US-Präsident wolle einen echten Atom-Deal.

Washington D.C.

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