Begegnung

Freunde aus Fernost

Der Leiter des Makuya-Hauses Asher Seito Kimura (r.) mit Stammgast Ishai Naoto Omichi Foto: Lissy Kaufmann

In dem unscheinbaren Jerusalemer Wohnviertel Givat Hamivtar treffen japanische und israelische Kultur aufeinander. An der Wand des Empfangszimmers im Haus der Makuya hängen das Bild des Armeegenerals Uzi Narkiss und Auszeichnungen des KKL gleich über dem Bild des japanischen Kaiserpaares. Die beiden Landesfähnchen sind auf dem Buffet darunter aufgestellt.

Daneben eine Menora und das Bild jenes Mannes, der das alles hier ermöglich hat: »Das ist Professor Abraham Ikuro Teshima, der Gründer der Makuya«, erklärt Asher Seito Kimura, der heutige Leiter des Jerusalemer Makuya-Zentrums. Er sitzt an dem großen Tisch des Empfangszimmers – gleich unter dem Bild des Gründers: ein Mann mit breitem Lächeln und einem langen weißen Bart.

Die Makuya, das ist eine Gruppe japanischer Christen, die das Judentum als den großen Bruder des Christentums betrachten und Israel als ein Land, das es zu besuchen und zu unterstützen gilt. Sie fühlen sich dem Judentum eng verbunden. In ihrem Haus in Jerusalem gibt es kein einziges Kreuz, dafür aber mehrere Menorot. Dennoch feiern sie christliche Feste und lesen auch das Neue Testament.

Gründer Abraham Ikuro Teshima, 1910 geboren, war ein gläubiger Christ – einer der wenigen in Japan. Mit unter zwei Prozent sind Christen dort eine Minderheit. »Doch Professor Teshima begann, an der Institution Kirche zu zweifeln«, erzählt der 36-jährige Asher Seito Kimura. Nicht allerdings an seinem Glauben: Man brauche hierfür jedoch keine Kirche, Pfarrer oder Priester, es reichen ein normales Wohnhaus und ein einfaches Zimmer, um die Bibel zu lesen und gemeinsam zu beten. Und: die Nähe zu Israel. So gründete er – ausgerechnet 1948, im Gründungsjahr Israels – Makuya. Übersetzt heißt das »Zelt der Begegnung«, oder »ohel moed« auf Hebräisch – der Ort der Begegnung mit Gott.

»Teshima kam 1961 zum ersten Mal nach Israel, reiste durch das ganze Land, besuchte auch die Kibbuzim«, erzählt Asher Seito Kimura, während seine Frau grünen Tee in kleinen Schalen serviert. »Er glaubte, dass man als Christ auch in Israel sein, die Luft hier spüren und viele Orte besuchen muss.« Die Verbundenheit mit Israel war nicht nur religiöser, sondern auch politischer Natur. So schrieb Abraham Ikuro Teshima: »Als uns die Nachricht von der Befreiung Jerusalems erreichte, sprang unser Herz vor Freude, unser Blut pulsierte. Die Freude ist nicht in Worte zu fassen. Als wir den ›Befreier von Jerusalem‹, General Uzi Narkiss, zu unserer jährlichen Konferenz einluden, begrüßten unsere Leute ihn herzlich, wir klatschten und unterstützten seine Aussage ›Jerusalem soll nie wieder erobert werden‹ von ganzem Herzen.«

Gründer Teshima begann ab 1963, seine Anhänger nach Israel zu schicken. Mehr als 1000 Makuya-Anhänger sind bisher als Studenten ins Land gekommen, haben zunächst im Kibbuz Hefziba im Norden des Landes Hebräisch gelernt und dann an einer der Universitäten des Landes studiert. Derzeit leben fünf von ihnen im Makuya-Haus in Jerusalem.

Studenten Seit einem Jahr leitet Asher Seito Kimura dieses Haus, er ist Ansprechpartner für die Studenten, empfängt interessierte Besucher, hält Kontakte zu israelischen Freunden der Makuya aufrecht. Seine Frau kocht für die Gruppe und kümmert sich um die drei eigenen Kinder. »Das hier ist auch ein Haus der japanischen Kultur, und so bekommen wir manchmal Besuch von Schulklassen, die etwas über unser Land lernen möchten.« Die japanische Tradition zeigt sich sogar im Vorgarten vor dem Hauseingang: Plastikstreben in Bambusform zieren das Gärtchen, die Hecken sind akkurat geschnitten – selbst die für Jerusalem so typischen duftenden Rosmarinbüsche. Auch hier draußen verschmelzen die Kulturen.

Wie alle Makuya-Anhänger haben auch die Kimuras ihre Vornamen um einen hebräischen Namen ergänzt: Seito nennt sich Asher, seine Frau Tzofia, die Kinder heißen Shunamit (6), Gilad (4) und Noam (1). »Die Bibel beschreibt, wie Gott Jakob den neuen Namen Israel gab. Die Namensänderung ist bedeutungsvoll, sie steht für einen Neuanfang, für uns ist es der Neuanfang in Israel.«

Doch Israel ist für Asher längst kein Neuland mehr: In eine Familie von Makuya-Anhängern hineingeboren, studierte er bis 2005 an der Hebräischen Universität Archäologie und jüdische Geschichte, ging dann zurück nach Japan, wo er seine Frau heiratete, bevor er 2014 wieder nach Israel zurückkehrte.

Pilger Einmal im Jahr empfängt er auch eine Pilgergruppe mit rund 50 Makuya-Anhängern. Sie besuchen christliche und jüdische Stätten: den Kinneret, die Kotel in Jerusalems Altstadt und die Negevwüste. Wie viele Mitglieder es weltweit gibt, kann Asher Seito Kimura aber nicht sagen: »In der Bibel steht, dass die Zählung durch König David den Zorn Gottes auf sich zog, und deswegen zählen wir nicht. Ich kann nur sagen, dass zum Weltkongress der Makuya im vergangenen Jahr rund 4000 Anhänger kamen.«

Einer dieser ungezählten Anhänger ist Ishai Naoto Omichi, der mit seiner Frau für ein paar Monate – wieder – im Makuya-Haus in Jerusalem lebt: um alte Freunde zu besuchen und die Kimuras zu unterstützen. Der 70-Jährige war schon einmal hier, als Postdoktorand im Fach Chemie an der Hebräischen Universität. Acht Jahre hat er in Israel verbracht, einige Monate davon im Kibbuz Hefziba, dann in Jerusalem. »Das war vor mehr als 30 Jahren«, erzählt er.

Anders als Asher ist Ishai nicht in eine christliche Familie hineingeboren. »Es war kurz vor Kriegsende 1944, und es herrschte viel Armut in Japan. Meine Eltern schafften es nicht, mich großzuziehen, und so bin ich in einem Kinderheim aufgewachsen. Es war schwer, ich hatte viele Probleme«, erzählt Ishai. Erst später fand er zum Christentum und schloss sich Makuya an, was sein Leben veränderte, wie er sagt. Den Gründer Abraham Ikuro Teshima, der 1973 starb, hat er sogar noch persönlich getroffen. »Das war 1970 in Japan«, erinnert sich Ishai, schließt die Augen und lächelt. »Er war … als ob man Licht sieht. Ich kann es kaum beschreiben.«

Westjordanland

Schin-Bet-Chef streitet mit Rechtsradikalen

David Zini fordert von Ministerin Orit Strock eine klare Verurteilung jüdischer Siedlergewalt – und droht mit der Rückkehr zur Verwaltungshaft

von Sabine Brandes  06.10.2026

Jahrestag

Israel warnt vor Angriffen auf Juden am 7. Oktober

Am 7. Oktober jährt sich das Massaker von Hamas-Terroristen in Israel. Bei dem Überfall 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet. Israel warnt nun Israelis im Ausland und Juden weltweit vor Angriffen

 06.10.2026

Gedenken

»Berlin steht fest an Israels Seite«

Regierender Bürgermeister Kai Wegner besucht zum Jahrestag des 7. Oktobers den Geiselplatz in Tel Aviv und erhält die Medaille der Stadt

von Sabine Brandes  06.10.2026

Grausamer Plan

Der Professor, der Massenmörder werden wollte

Der Akademiker plante, Hunderte Araber zu töten und viele Unterstützer zu gewinnen. Die Bar-Ilan-Universität zeigt sich »zutiefst entsetzt«

von Sabine Brandes  06.10.2026

Gaza

Hamas: Sinwars »rechte Hand« überlebt israelischen Angriff

Bei einem israelischen Luftangriff in dem Palästinensergebiet sollen am Wochenende mehrere Menschen getötet worden sein. Israel zielte auf den ranghöchsten Hamas-Führer in dem Küstenstreifen ab – doch der hat wohl überlebt

 06.10.2026

Be’eri

»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

von Geneviève Hesse  06.10.2026

Geiseln

Überlebt

505 Tage war Omer Shem Tov in der Gewalt der Hamas in Gaza. Seine Schilderungen zeigen, wie leicht es sich all jene machen, die bei der Bewertung des Krieges die perfide Taktik der Terroristen ausblenden

von Sabine Brandes  06.10.2026

Interview

»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk leben seit dem 7. Oktober mit einer unvorstellbaren Wunde – dem Tod ihrer Töchter, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden

von Sophie Albers Ben Chamo  06.10.2026

7. Oktober

»Ich hatte keine Ahnung, wie sehr wir gehasst wurden«

Unsere Autorin ist an der Grenze zu Gaza aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Hier beschreibt sie, wie das Hamas-Massaker ihr Leben verändert hat – und was es mit ihr macht, dass sie und ihr Land plötzlich weltweit als genozidal verleumdet werden

von Adi Kaslasy-Way  06.10.2026