Friedensgespräche

»Es wird schmerzhaft werden«

John Kerry (l.) nach dem Treffen mit Benjamin Netanjahu Foto: Flash 90

Es ist das zehnte Mal in weniger als einem Jahr, dass John Kerry in Israel zu Besuch ist. Bei seiner Ankunft am Donnerstagnachmittag auf dem Ben-Gurion-Flughafen hatte er wie immer jede Menge Papiere im Gepäck. Und am liebsten wäre es ihm, wenn diese während seines Besuches unterzeichnet würden. Denn der amerikanische Außenminister will Ernst machen mit einem israelisch-palästinensischen Friedensvertrag.

Doch naiv ist Kerry nicht. Er weiß, dass der Weg zu einer Vereinbarung in Nahost ein langer und steiniger ist. Für die Friedensgespräche, die in Washington geführt werden, beginne nun eine sehr schwierige Phase, sagte er. Sowohl der israelische Premier Benjamin Netanjahu als auch der Präsident der Palästinenserbehörde, Mahmud Abbas, würden schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen, um eine Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen. Ein Ja zu Kerrys Regelwerk könnte einen historischen Durchbruch bedeuten, eine negative Antwort indes eine neue Welle der Gewalt nach sich ziehen, befürchten Sicherheitsexperten.

Zweifel Allerdings gab sich Netanjahu bei der Unterredung mit Kerry in Jerusalem wenig zuversichtlich. In der anschließenden Pressekonferenz erklärte er, dass in Israel die Zweifel an der Ernsthaftigkeit der palästinensischen Absichten wüchsen. Er bezog sich dabei vor allem auf die Begrüßung der jüngst freigelassenen palästinensischen Gefangenen durch Präsident Abbas. Am Montag waren 26 Männer aus israelischen Gefängnissen entlassen worden – 23 von ihnen sind verurteilte Mörder. »Es ist unglaublich, dass Männer, die unschuldige Menschen getötet haben, wie Helden willkommen geheißen werden. Wie kann Abbas glaubwürdig sagen, dass er gegen Terrorismus sei, wenn er Mörder derartig glorifiziert?«

Dennoch machte Kerry deutlich, dass der Prozess noch immer nach Plan laufe. Er wolle in den kommenden Tagen mit beiden Seiten daran arbeiten, die Differenzen des Rahmenvertrages, der im Erfolgsfall den endgültigen Friedensvertrag darstellen soll, zu minimieren. Er wisse, dass große Skepsis vorherrsche, ob die beiden Politiker tatsächlich ein Abkommen unterzeichnen werden. »Doch es ist«, sagte er mit Bestimmtheit, »keine unmögliche Mission.«

Hoffnung Es sind vor allem folgende höchst sensible Themen, die sämtliche Friedensbemühungen seit Jahrzehnten immer wieder scheitern lassen: die Frage der palästinensischen Flüchtlinge in arabischen Anrainerstaaten, der Status Jerusalems und die Grenzen von 1967.

Trotzdem sehen viele die Bemühungen des Amerikaners seit langer Zeit als einzige wirklich ernsthafte und Hoffnung bringende Initiative an. Sogar israelische Hardliner, etwa Außenminister Avigdor Lieberman, äußern sich positiv angesichts der unermüdlichen diplomatischen Bemühungen Kerrys. Denn obwohl sich Netanjahu und Abbas persönlich spinnefeind sind und nicht ein einziges Wort des anderen glauben, hat Kerry es geschafft, sie an einen Tisch zu bringen.

Ob es ausreichen wird, um den Vertrag tatsächlich zu unterzeichnen, weiß noch niemand. Doch sogar in Nahost stirbt die Hoffnung zuletzt.

Tel Aviv

Wahl in Israel beginnt mit Gedenken an Hamas-Opfer

Um 06.29 Uhr hielten Angehörige ihrer von palästinensischen Terroristen ermordeten Liebsten und ehemaligen Geiseln in Tel Aviv inne – genau zur Uhrzeit des Angriffs vor drei Jahren

 27.10.2026

Jerusalem

Streit um Iran: Will Netanjahu den Generalstabschef entlassen?

Ejal Zamir soll sich als einziger ranghoher Sicherheitsvertreter gegen eine von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gewünschte Militäraktion gegen den Iran vor der heutigen Parlamentswahl ausgesprochen haben

 27.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt heute über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  27.10.2026 Aktualisiert

26. Knesset

Umfrage: So könnten die Israels heute abstimmen

Das Israel Democracy Institute hat die Israelis zu ihren politischen Wünschen befragt

von Sabine Brandes  27.10.2026 Aktualisiert

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Benjamin Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026