Angesichts wachsender Spannungen mit dem Iran hat der israelische Generalstabschef Eyal Zamir die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte (IDF) betont. Israel sei darauf vorbereitet, jedem Gegner entgegenzutreten, der die Sicherheit des Landes bedrohe, erklärte Zamir bei mehreren öffentlichen Auftritten in dieser Woche. Auch »The Times of Israel« berichtete.
Bei einem Besuch des Luftwaffenstützpunkts Nevatim im Süden des Landes sprach Zamir vor Piloten und Bodenpersonal der israelischen Luftwaffe. Die Armee wisse, »wie man in jedem Einsatzgebiet kraftvoll zuschlägt – gegen jeden Feind, der die Sicherheit des Staates Israel bedroht«, hieß es in einer vom Militär veröffentlichten Stellungnahme.
Nevatim ist der wichtigste Stützpunkt für Israels F-35I-Kampfjets. In diesen Tagen wurden drei weitere Maschinen des Typs in Dienst gestellt, womit die Flotte nun 48 Jets umfasst. Zamir unterstrich die strategische Rolle der Luftwaffe und sagte: »Die Luftwaffe ist der strategische Arm der IDF. In den vergangenen zwei Jahren der Kämpfe standen Sie an vorderster Front – offensiv wie defensiv, in nahen wie in entfernten Einsatzräumen.«
Operative Erfahrungen
Mit Blick auf den zwölftägigen Krieg mit dem Iran im Juni verwies Zamir auf die dort gewonnenen Erfahrungen. »Sie haben operative Erfahrungen gesammelt, wie es sie weltweit sonst nirgendwo gibt. Wir werden daraus Lehren ziehen und sie nutzen, um die Sicherheit des Staates Israel jederzeit zu gewährleisten«, sagte er. Zugleich betonte er: »Wir sind auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet und verbessern unsere Fähigkeiten kontinuierlich, um im umfassenden Kampf gegen unsere Feinde zu siegen. Das ist unsere Verantwortung und unser Auftrag.«
Bereits Anfang der Woche hatte Zamir bei einem Besuch des Heimatfront-Kommandos in Ramle vor sogenannten Mehrfrontenbedrohungen gewarnt – eine kaum verhüllte Anspielung auf den Iran und dessen Verbündete. Angesichts der Bedrohungslage sei das Kommando »einsatzfähig, ausgebildet und in höchster Alarmbereitschaft«, sagte Zamir. Es sei darauf vorbereitet, »eine breite Palette an Fähigkeiten einzusetzen, um einen Angriff auf die zivile Heimatfront abzuwehren und Leben zu retten«.
Gleichzeitig machte der Generalstabschef deutlich, dass Israel nicht allein defensiv denke. Die Armee sei bereit, »eine offensive Fähigkeit von bislang beispielloser Stärke gegen jeden Versuch einzusetzen, dem Staat Israel Schaden zuzufügen«. Man verfüge über »vollständige Verteidigung für jedes Szenario«, so Zamir. »Im Rahmen dessen bereitet sich die IDF auch auf die Möglichkeit eines Überraschungskrieges vor.«
»Entscheidende« militärische Optionen
Zamirs Äußerungen fallen in eine Phase erhöhter regionaler Nervosität. Vor einer Woche hatte US-Präsident Donald Trump dem Iran mit Militärschlägen gedroht, sollte Teheran Anti-Regime-Proteste mit weiteren Tötungen beantworten. Zwar ruderte Trump später zurück, nachdem iranische Behörden erklärt hatten, geplante Massenhinrichtungen seien gestoppt worden. Dennoch drängt er laut einem Bericht des »Wall Street Journal« seine Berater weiterhin, »entscheidende« militärische Optionen gegen den Iran auszuarbeiten.
Teheran hatte mehrfach angekündigt, im Fall eines US-Angriffs israelische und amerikanische Ziele im Nahen Osten anzugreifen. Mit dem vorübergehenden Abflauen der Kriegsängste lockerte Großbritannien inzwischen seine Reisehinweise für Israel. Das britische Außenministerium hob die Warnung vor nicht notwendigen Reisen für den Großteil des Landes auf, hält jedoch an Einschränkungen für Grenzgebiete zu Gaza, Libanon und Syrien fest. Auch für den Gazastreifen sowie mehrere Regionen im Westjordanland wird weiterhin von Reisen abgeraten.
Unterdessen wächst die internationale Besorgnis über das Ausmaß der Gewalt bei den jüngsten Protesten im Iran. Nach Angaben der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency wurden mindestens 4519 Menschen getötet. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten im Land; unabhängige Überprüfungen sind wegen der anhaltenden Internetsperre kaum möglich. Die Zahl übersteigt die Opfer früherer Protestwellen deutlich und erinnert an die Unruhen rund um die Revolution von 1979.
Irans oberster Führer Ali Chamenei sprach erstmals von »mehreren Tausend« Toten und machte die USA für die Ereignisse verantwortlich. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wurden zudem mehr als 26.300 Menschen festgenommen. im