Krise

Eine Million Arbeitslose

Drive-Through-Teststation in Bnei Brak Foto: Flash 90

Die Zahl der Arbeitslosen wird durch die Coronavirus-Krise mit rund einer Million angegeben, die Quote liegt bei 23 Prozent – eine noch nie da gewesene Zahl in der Geschichte Israels. Mit Verzögerung gab die Regierung am Wochenbeginn ihren finanziellen Hilfsplan bekannt. 80 Milliarden Schekel (etwa 20 Milliarden Euro) sind für das Gesundheitssystem, Geschäfte, Angestellte und Selbstständige anvisiert.

»Ich sage allen Bürgern, dass wir zu unserer finanziellen Stärke zurückkehren werden«, versprach Finanzminister Mosche Kachlon. »Und zwar sogar in einem größeren Ausmaß und schneller, als die Menschen erwarten.« Tatsache jedoch ist, dass viele Menschen derzeit finanziell in einer extrem schwierigen Lage sind.

nachbarschaftsgruppen Immer mehr Schulen, Synagogengemeinden, Nachbarschaftsgruppen tun sich zusammen, um ihren Gemeindemitgliedern zu helfen. So sammelte die Droyanov-Grundschule im Süden Tel Avivs innerhalb von 48 Stunden rund 5000 Euro für zwölf notleidende Familien.

Die Stadtverwaltungen veröffentlichen Hilfs-Apps, über die sich Helfer und Bedürftige melden können. Die Armee stellt 600 Soldaten ab, um bei der Verteilung von Lebensmitteln an Alte und Kranke zu unterstützen, vor allem im Hinblick auf Pessach.

Am Wochenbeginn erließ die Regierung noch striktere Maßnahmen für die Bevölkerung zur Bekämpfung des Corona-Ausbruchs. Die neuen Vorgaben besagen, dass sich nicht mehr als zwei Personen zusammen draußen aufhalten dürfen. Sämtliche öffentlichen Veranstaltungen sind untersagt, gemeinschaftliche Gottesdienste ebenso verboten wie Hochzeiten mit Gästen. Beerdigungen dürfen nur noch von 20 Menschen besucht werden, eine Brit Mila von zehn. Unternehmen müssen ihre Belegschaft von 30 auf 15 Prozent reduzieren.

TESTS Bei Redaktionsschluss waren fast 6000 Menschen erkrankt, 21 an den Folgen der Erkrankung gestorben. Rund 100 befanden sich in kritischem Zustand auf den Intensivstationen. Derweil wird das Testen ausgeweitet.

In der Station in Bnei Brak gab Magen David Adom an, dass einer von drei Tests in der Stadt mit überwiegend charedischer Bevölkerung positiv ausfällt. Gesundheitsminister Yaakov Litzman, selbst ul­traorthodox, riet, die komplette Stadt Bnei Brak unter Quarantäne zu stellen. Immer wieder wird von dort berichtet, dass sich viele Menschen nicht an die Regeln im Umgang miteinander halten.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026