Jom Haazmaut

»Eine freiheitliche Demokratie«

Herr Botschafter, Israel begeht seinen 68. Unabhängigkeitstag. Was macht Sie an diesem Tag besonders stolz, wenn Sie auf Ihr Land blicken?
Ich bin stolz auf das, was wir entgegen aller Erwartungen erreicht haben. Seit der Staat Israel vor 68 Jahren gegründet wurde, hatten wir keinen einzigen Tag Ruhe. Trotzdem hat sich die Bevölkerung bis heute mehr als verzehnfacht. Am Anfang waren wir knapp 600.000 Menschen, von denen ein Prozent im Unabhängigkeitskrieg getötet wurde. Dazu kamen Millionen Einwanderer, die erst ihren Platz finden mussten. Unsere technischen Errungenschaften sind weltweit führend. Anteilig investiert Israel so viel in die zivile Forschung wie kein anderes Land der Welt. Wir haben Frieden mit einigen unserer Nachbarn erreicht und die Wüste zum Blühen gebracht. Und: Israel ist eine freiheitliche Demokratie – nach Maßstäben, die im Kern Europas gelten.

Und was erfüllt Sie mit Sorge?
Natürlich die Stabilität und Sicherheitslage im Nahen Osten und auch in Europa. Zweitens bereitet es mir Sorgen, dass ein Land wie Iran offen droht, Israel auszulöschen, den Holocaust leugnet, dabei tatkräftig Terrorismus unterstützt – und viele westliche Länder so tun, als geschähe all das auf einem fernen Planeten. Zur gleichen Zeit haben Boykottbewegungen gegen Israel regen Zulauf in Europa. Denen geht es nicht um Kritik an Israel oder an der sogenannten Siedlungspolitik, sondern sie richten sich offen gegen das Existenzrecht Israels als demokratischer und jüdischer Staat. Dazu kommt wachsender Antisemitismus in Deutschland und Europa. Manchmal denke ich: Die Welt hat nichts gelernt.

Mit diesem Jom Haazmaut endet das Jubiläumsjahr »50 Jahre diplomatische Beziehungen Israel–Deutschland«. Wie fällt die Bilanz aus?
Auch wenn die offiziellen Feierlichkeiten vorüber sind, bleiben die Beziehungen intensiv und ausgezeichnet. Zum einen, weil Deutschland und Israel durch die Vergangenheit für immer verbunden sind. Zum anderen, weil beide Länder in der Gegenwart stark voneinander profitieren. Dazu gehören gemeinsame Forschung, Handel und kultureller Austausch: Viele israelische Künstler und Musiker leben in Deutschland. Und inzwischen spielt Israel auch für die Sicherheit Deutschlands eine Rolle. Der Nahe Osten hat Europa längst erreicht, mit Terror und Menschen, die fliehen. Israel als Anker der Stabilität ist in der Region wichtiger denn je.

»Der Spiegel« berichtete kürzlich von atmosphärischen Störungen zwischen Berlin und Jerusalem. Wie kommentieren Sie die Recherchen des Hamburger Nachrichtenmagazins?
Es gibt auch aus deutscher Sicht keinen Zweifel an der Einzigartigkeit der Beziehungen zu Israel und der Verantwortung, die daraus für die Zukunft erwächst. So hat es übrigens auch die Bundesregierung in der vergangenen Woche offiziell bestätigt.

Das Interview mit dem israelischen Botschafter führte Detlef David Kauschke.

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

Seit 2024 dürfen auch Frauen in die geheimnisvolle Einheit aufgenommen werden. Nun hat erstmals eine Israelin die harte Aufnahmeprüfung bestanden

von Sabine Brandes  12.06.2026

Knesset

Armeedienst und Torastudium sollen gleichgestellt werden

Trotz des Widerstands der Opposition und einiger Koalitionsmitglieder geht der kontroverse Gesetzesvorschlag durch die erste Lesung

von Sabine Brandes  12.06.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Pride Parade findet trotz Sicherheitsbedenken statt

Erstmals seit den Zeiten vor den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023 kehrt das Großereignis zurück

 12.06.2026

Wehrpflicht

Massenproteste: Charedim legen Verkehr in Zentralisrael lahm

Die Demonstration richteten sich gegen die Festnahme von 19 Wehrdienstverweigerern nach Ausschreitungen vor dem Haus des stellvertretenden Präsidenten des Obersten Gerichts

 12.06.2026

Studie

KI-Modelle reproduzieren antisemitische Vorurteile

Zwei israelische Forscher sagen, ihre Analyse zeige, wie »ein uraltes Vorurteil durch komplexe Muster von Eigenschaftszuschreibungen und kultureller Codierung in modernen technologischen Systemen fortbesteht«

 12.06.2026

Krieg gegen den Terror

Israel bereitet offenbar Vorstoß auf Hisbollah-Hochburg Nabatieh vor

»Die Hisbollah zieht sich zurück, hält aber an der Linie von Nabatieh fest«, sagt ein ranghoher IDF-Offizier

 12.06.2026

Iran

Krieg auf Eis gelegt

Die direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Mullah-Regime ist gestoppt. Doch die Spannungen in der Region bleiben unverändert hoch

von Sabine Brandes  11.06.2026

Jerusalem

Bericht: Regierung will Hunderte Millionen für 61 Siedlungen bereitstellen

Nach Informationen des Journalisten Barak Ravid will das Kabinett noch heute über einen Plan abstimmen, der die praktische Umsetzung der Projekte im Westjordanland ermöglichen würde

 11.06.2026