Jerusalem

Die Welt trauert

Mehr als 50.000 Israelis haben sich bis zum Freitagmorgen von Schimon Peres verabschiedet. Foto: Flash 90

Die ganze Welt ist nach Israel gereist, um sich von Israels ehemaligem Staatspräsidenten Schimon Peres zu verabschieden. Der Mann, der 66 Jahre lang das Gesicht des Staates war, wird am heutigen Freitagmorgen auf dem Jerusalemer Herzlberg zu Grabe getragen. 90 Delegationen aus 70 Ländern sind angereist, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Am Morgen landete die Air Force One mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Auch der deutsche Präsident Joachim Gauck und sein französischer Kollege Francois Hollande sind bereits eingetroffen. Ebenso wird Palästinenserpräsident Mahmud Abbas mit einer Delegation anwesend sein. Er hatte um Erlaubnis bei Premier Benjamin Netanjahu gebeten.

herzlberg Am Donnerstag hatten sich mehr als 50.000 Israelis von ihrem geliebten Politiker verabschiedet. Als der Sarg von Peres auf der Plaza der Knesset aufgebahrt war, standen die Menschen bis in die tiefe Nacht Schlange. Immer wieder wurden die Zugangszeiten zur Plaza verlängert, um jedem die Möglichkeit eines persönlichen Abschieds zu geben. Jetzt befindet sich der Sarg auf dem Weg zum Herzlberg. Nun sind es die Familie und die Oberhäupter aus der ganzen Welt, die den hochangesehenen Politiker verabschieden.

Die Vorbereitungen für die Beerdigung des Staatsmannes – die größte Veranstaltung, die jemals in Israel stattgefunden hat – laufen auf Hochtouren. Das Zentrum von Jerusalem und die Zufahrtsstraßen sind weitgehend abgesperrt, als sich die Staatsoberhäupter ihren Weg vom Flughafen in die Hauptstadt bahnen. Die Autobahn von Tel Aviv nach Jerusalem ist komplett für den Normalverkehr geschlossen.

Auf Anraten des Inlandsgeheimdienstes hatten Sicherheitskräfte mehrere jüdische und arabische Verdächtige vorläufig festgenommen. Das berichtete Polizeichef Roni Alscheich am Donnerstagabend. »Es sind Vorsichtsmaßnahmen, aus der Sorge heraus, dass es zu Unruhen kommen könnte«, erklärte er. Die Sicherheitsvorkehrungen seien extrem komplex, und es hätte sie in diesem Ausmaß zuvor in Israel noch nie gegeben. »Es ist eine riesengroße Herausforderung für alle Beteiligten.«

sicherheitslage Im Vorfeld der Beerdigung hatte sich der Premier mit einigen angereisten Politikern getroffen, darunter der Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, und mit ihnen über die Sicherheitslage in der Region gesprochen.

Um neun Uhr israelischer Zeit wird die Prozession der politischen und religiösen Oberhäupter auf den Herzlberg ziehen. Unter den Trauergästen sind neben dem amerikanischen und deutschen Präsidenten der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, sein amerikanischer Kollege John Kerry und der Präsident des Europarates, Donald Tusk. Großbritannien wird durch Prinz Charles und die ehemaligen Premiers Tony Blair sowie David Cameron vertreten. Aus Kanada reisen Ministerpräsident Justin Trudeau und sein Außenminister an, aus Spanien König Felipe der VI.

Griechenland, Polen, Holland, die Schweiz, Italien, Mexiko, Finnland, Schweden, Österreich, die Ukraine und viele andere Staaten senden ihre Oberhäupter. Der König Jordaniens, Abdullah II., sandte ein Beileidstelegramm nach Jerusalem, in dem er betonte, »Peres‘ Weg des Friedens müsse weitergegangen werden« und schickt seinen Außenminister zur Beerdigung.

grabreden 30 Minuten später wird die Spitze der israelischen Politik mit Präsident Reuven Rivlin, Regierungschef Benjamin Netanjahu, dem Knessetsprecher Yuli Edelstein und der Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes, Miriam Naor, erwartet. Neben den Kindern von Peres, Tsivia Walden, Yoni und Chemi Peres, sowie der israelischen Staatsführung werden auch Obama und sein Vorgänger Bill Clinton Grabreden halten.

Wie es sich Peres in seinem letzten Willen gewünscht hatte, singt der Sänger David D’Or das »Avinu Malkeinu«. Sein Vater habe die Beerdigung zu Lebzeiten selbst geplant, ließ sein Sohn Chemi wissen, »bis hin zu den Rednern und der Musik«. Sie wird nach jüdischer Tradition durchgeführt und mit dem Gebet Kaddisch schließen.

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  03.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Israel

Heimkehr nach Nir Oz

Zwischen ausgebrannten Häusern und neuen Plänen versucht ein kleiner Kibbuz nach dem Massaker der Hamas wieder in den Alltag zu finden. Ein Ortsbesuch

von Nils Kottmann  01.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Mittelmeer

Israel stoppt Gaza-Flottille auf hoher See

Die 175 Aktivisten an Bord der »Gaza Sumad Flotilla« wurden festgenommen und werden nun nach Israel gebracht

 30.04.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Washington D.C.

US-Regierung wirft PA fortgesetzte Zahlungen von Terror-Renten vor

Im vergangenen Jahr hat die Autonomiebehörde nach amerikanischen Angaben 156 Millionen Dollar (134 Millionen Euro) an Terroristen ausgezahlt

 30.04.2026