Diaspora

»Die Tradition verbindet uns«

David Azulai Foto: Flash 90

Herr Minister, Sie haben vergangene Woche die Jüdische Gemeinde in Hamburg besucht. Was führte Sie in die Hansestadt?
Ich war unter anderem auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung mit einer Delegation zu Besuch bei der deutschen Minderheit in Apenrade in Süd-Dänemark und bei der Partei der dänischen Minderheit, SSW, in Flensburg. Wir wollten uns über die Rolle der Minderheiten im Grenzgebiet informieren. Aber ich besuche stets eine jüdische Gemeinde, wenn ich im Ausland bin. Und wie könnte ich nach Deutschland kommen, ohne die Gräber der Zaddikim, wie Rabbiner Jonathan Eybeschütz, auf dem Altonaer Friedhof zu besuchen?

Welchen Eindruck haben Sie von der Hamburger Gemeinde?
Ganz besonders interessieren mich die Jüdische Schule und die jüdische Bildung in Hamburg. Ich verfolge sehr genau die Entwicklung des Bildungshauses für jüdisches Lernen von der Krippe bis zum Abitur. Und für zusätzliche Räumlichkeiten für die Schule werde ich mich auch in Israel bei meinem Treffen mit dem deutschen Botschafter einsetzen.

Sie haben 2015 mit Ihrer Bemerkung für Empörung gesorgt, Reformjuden seien keine Juden. Wie haben Sie das gemeint?
Meiner Meinung nach ist das Reformjudentum nicht der richtige Weg. Ich möchte dazu beitragen, dass eine Gruppe wie »Women of the Wall«, die ja relativ klein ist, nicht überbewertet wird in ihrer öffentlichen Bedeutung in Israel.

Was heißt das in Bezug auf die Diaspora: Sind Mitglieder von Reformgemeinden nun Ihrer Meinung nach jüdisch oder nicht?
Die Frage, wer Jude ist oder nicht, lässt sich mit Dokumenten feststellen. Es lässt sich weiterhin feststellen, ob diese Dokumente echt sind oder nicht. Jeder Jude kann nach Israel einwandern, es ist dabei nicht von Bedeutung, ob er die jüdischen Gebote einhält oder nicht. Jeder ist willkommen. Nur wer eine neue Art des Judentums begründen möchte, mit dem habe ich ein Problem. Alles, was diesen 400 Jahre alten Friedhof, den ich in Altona besuchte, ausmacht und mit uns verbindet, sind die jüdischen Gesetze und Traditionen. Wenn wir versuchen, sie zu ändern, tragen wir nicht dazu bei, dass sich diese Tradition fortsetzt.

Wird sich nach der Regierungsumbildung in Israel etwas am Kurs der Religionspolitik ändern?
Wir hoffen sehr, dass die nächsten Schritte die besten für Israel sein werden. An der Religionspolitik wird sich jedoch nichts ändern.

Was denken Sie über den zunehmenden Antisemitismus in Europa?
Der beste Ort für Juden ist Israel. Wenn man sich aber hier, in Deutschland und Europa, befindet, um das jüdische Leben und die jüdische Bildung zu stärken, dann ist das ein guter Grund, hierzubleiben – der auch unterstützt werden muss.

Mit dem israelischen Minister für Religiöse Angelegenheiten und Mitglied der sefardischen Schas-Partei sprach Daniel Killy.

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026

Regierungsbildung

Israels Oppositionschefs treffen sich zu Gesprächen

Avigdor Liberman soll sich mit Gadi Eisenkot getroffen haben, Yair Golan sprach mit der Gemeinsamen Liste. Der Likud schließt unterdessen eine Rotation im Amt des Ministerpräsidenten aus

 01.11.2026

Gadi Eisenkot spricht in der Wahlnacht vor Anhängern

Regierungsbildung in Israel

Eisenkot nennt vier Bedingungen für mögliche Koalitionspartner

Der Yashar-Chef will die neue Knesset-Mehrheit rasch nutzen und lädt jeden Abgeordneten zur Zusammenarbeit ein, der seine Grundsätze akzeptiert

 01.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Nahost

Opposition warnt vor neuem Krieg mit Iran unter Netanjahu

Angesichts wachsender Spannungen mit dem Iran stellt ein führender Oppositionspolitiker die politische Legitimation Netanjahus für eine neue militärische Auseinandersetzung infrage

 01.11.2026

Isaac Herzog spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Regierungsbildung

Israels Präsident kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Keines der politischen Lager in Israel erreicht die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Nun liegt die Initiative bei Präsident Herzog. Wer erhält den ersten Auftrag zur Regierungsbildung?

 01.11.2026

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026

Umfrage

Mehrheit der Oppositionswähler befürwortet Regierungskoalition mit arabischer Partei

Befragt wurden Anhänger von Yashar, B’Yachad, der Demokraten sowie Yisrael Beitenu. Was denken diese Wähler?

 30.10.2026

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

von Sabine Brandes  29.10.2026