Vermisst

Die Mutter zählt jede Minute

Agam Berger Foto: Sabine Brandes

Vermisst

Die Mutter zählt jede Minute

Agam Berger ist eine der entführten Soldatinnen

von Sabine Brandes  27.06.2024 09:16 Uhr

Sie zählt die Minuten. Nicht die Tage, nicht die Stunden, »sondern jede Minute, die mein Geist und mein Körper unter ständigen, unerträglichen Schmerzen leiden, während ich darauf warte, dass meine Tochter nach Hause kommt«. Diese herzzerreißenden Worte stammen von Meirav Berger, der Mutter der 20-jährigen Soldatin Agam Berger, die am 7. Oktober von Hamas-Terroristen brutal aus ihrer Armeebasis Nahal Oz entführt wurde. Es sei »purer Terror, ein wahrer Albtraum voller Einsamkeit und so viel Schmerz«.

Allein bei dem Gedanken an das, was Agam, eine talentierte Geigenspielerin, ertragen hat und noch ertragen muss, erschaudert sie. Doch sie denke auch an das, was sie nicht wisse, und frage sich, wie lange sie so noch weitermachen könne. »Es mag verrückt klingen, diese Minuten zu zählen, aber wenn es Ihre Tochter oder Schwester wäre, würden Sie die Minuten ebenfalls verstreichen sehen.«

Allein bei dem Gedanken an das, was Agam ertragen hat und noch ertragen muss, erschaudert sie.

Ende November wurde eine andere Geisel mit demselben Vornamen im Rahmen eines Abkommens freigelassen, und zwar Agam Goldstein-Almog. Einen der ersten Anrufe, den sie danach tätigte, galt den Eltern von Agam Berger. »Ich musste zu Ihrem Geburtstag anrufen. Ihre Tochter bat mich, zu gratulieren«, sagte die gerade freigelassene junge Frau zu Shlomi Berger, Agams Vater, woraufhin dieser einen Schrei ausstieß, als ihm klar wurde, dass er gerade eine Nachricht von seiner Tochter erhielt. »Ich glaube, sie wird da rauskommen«, sagte der zu Tränen gerührte Mann. Und die freigelassene Agam antwortete: »Das wird sie. Das wird sie ganz sicher.«

Goldstein-Almog erzählte den verzweifelten Eltern, dass ihre Tochter ihren Mitgeiseln ein großer Trost sei. »Sie hat allen Mädchen die Haare geflochten, ich trage immer noch die Zöpfe, die sie mir gemacht hat«, berichtete sie ihnen und fügte hinzu: »Ich habe letzte Nacht neben ihr geschlafen, wir haben uns aneinander gekuschelt.« Monate später sagte Shlomi Berger im israelischen Fernsehen, dass dies das erste – und bislang letzte – Lebenszeichen war, dass die Eltern von ihrer Tochter erhalten haben.

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Nachrichten

Licht, Erfolg, Reise

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  06.05.2026

Wahlkampf

Alte Bekannte, neue Bündnisse

Der Kampf um die Sitze in der nächsten Knesset hat begonnen. Eine drusische Partei sorgt für besonderes Aufsehen – und für überraschende Möglichkeiten

von Sabine Brandes  06.05.2026

Washington D.C.

Demokraten drängen Trump zu Klarheit über Israels Atomprogramm

In einem Schreiben an Außenminister Marco Rubio verlangen mehr als zwei Dutzend Parlamentarier detaillierte Informationen über das Programm

 06.05.2026

Bildung

Israelische Hochschulen unter den weltweit besten Gründer-Schmieden

Zwei Universitäten im jüdischen Staat schaffen es in die Top 10

 06.05.2026

Mount Asahi

Israelin stirbt bei Bergtour in Japan

Auf dem Mount Asahi wurden die sterblichen Überreste von Tevel Shabtai von einem israelischen Rettungsteam gefunden

 06.05.2026

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  05.05.2026

Berlin

Deutschland und Israel demonstrieren Einigkeit in Iran-Frage

Die Außenminister Deutschlands und Israels zeigen einen engen Schulterschluss gegen den Iran - reden aber auch kritisch miteinander

von Ulrich Steinkohl  05.05.2026