Vereinte Nationen

»Die Hamas isst wie Könige, während Geiseln hungern«

Foto: Screenshot

Die Ex-Geisel Eli Sharabi hat vor dem UN-Sicherheitsrat über sein Schicksal in der Gewalt der Terrororganisation Hamas gesprochen. Der Sicherheitsrat war zusammengekommen, um über die Einstellungen der Hilfslieferungen von Israel in den Gazastreifen zu sprechen.

»Ich weiß, dass Sie oft über die humanitäre Situation in Gaza diskutieren«, sagte Sharabi, der 491 Tage in der Gewalt der Hamas war. »Aber lassen Sie mich Ihnen als Augenzeuge sagen, was mit der Hilfe passiert ist: Die Hamas hat sie gestohlen.«

»Ich habe gesehen, wie Hamas-Terroristen Kisten mit UN- und UNRWA-Logos in die Tunnel getragen haben. Dutzende und dutzende von Kisten, die von ihren Regierungen bezahlt wurden«, teilte Sharabi den Vertretern der 15 Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates mit. Schlimmer noch: »Sie haben viele dieser Mahlzeiten von der UN direkt vor unseren Augen gegessen und wir haben nie etwas abbekommen.«

»Denken Sie daran, die Hamas isst wie Könige, während die Geiseln hungern«, stellte der 52-Jährige fest. Er selbst hatte während der 491 Tage in der Gewalt der Hamas 30 Kilogramm verloren. Bei seiner Freilassung Anfang Februar wog Eli Sharabi nur noch etwa 44 Kilo. Die Bilder seines ausgemergelten Gesichtes erinnerten viele Menschen an Fotografien von Schoa-Überlebenden.

Lesen Sie auch

»Ich wurde schlechter als ein Tier behandelt«

Eli Sharabi schilderte den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates auch, unter welch grausamen Bedingungen er festgehalten wurde. »Die Ketten, in die sie mich gelegt haben, schnitten in meine Haut - von dem Moment an, an dem ich ankam (in den Terror-Tunneln, Anm. d. Red.) bis zu dem Moment, in dem ich freigelassen wurde. Betteln und Flehen wurden zu meiner Existenz.«

»Ich wurde schlechter als ein Tier behandelt«, sagt Sharabi heute. Niemand in Gaza habe ihm geholfen. »Die Zivilisten sahen uns leiden und sie jubelten unseren Entführern zu. Sie waren auf jeden Fall involviert.« Das Internationale Rote Kreuz und die Vereinten Nationen seien ihm nicht zur Hilfe gekommen.

Einer der Tiefpunkte seiner Geiselhaft: Kurz bevor Eli Sharabi freigelassen werden sollte, hätten ihm Hamas-Terroristen ein Bild seines ermordeten Bruders gezeigt und ihm lachend von dessen Tod erzählt.

Yossi Sharabi wurde bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen getötet, wie die israelische Armee mitteilte. Sein Leichnam wird noch immer von den Terroristen der Hamas gefangen gehalten.

Eli Sharabi und sein Bruder wurden am 7. Oktober aus ihrem Kibbuz Beʼeri entführt. Elis Ehefrau Lianne (48) und ihre zwei gemeinsamen Töchter Noiya (16) und Yahel (13) wurden von den Terroristen ermordet. Die gesamte Familie galt als vermisst, bis die Leichen von Lianne, Noiya und Yahel eine Woche nach den Massakern in den Ruinen von Beʼeri entdeckt wurden.

Noch immer werden 59 Geiseln im Gazastreifen gefangen gehalten, 24 von ihnen sollen laut israelischen Sicherheitsbehörden noch am Leben sein. Eli Sharabi appellierte an den UN-Sicherheitsrat, sich für ihre Freilassung einzusetzen: »Keine Entschuldigungen, keine Verzögerungen mehr. Bringt sie alle nach Hause.«

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026

Sicherheit

Streit um Gaza-Friedensplan spitzt sich zu

Israel kritisiert den US-geführten »Board of Peace« – und erwägt einen Ausschluss britischer Vertreter aus dem Koordinierungszentrum

von Sabine Brandes  27.08.2026

Diplomatie

CIA warnt Putin vor Angriffen auf Nato und drängt auf neue Iran-Politik

Geheimtreffen in Moskau: CIA-Chef Ratcliffe mahnt Russland wegen eines möglichen Angriffs auf die NATO und fordert im Iran-Krieg die Öffnung der Straße von Hormus

von Sabine Brandes  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Israel

Netanjahu-Rivale Eisenkot lehnt Zweistaatenlösung ab

Der ehemalige Armeechef hat sich erstmals zu einem möglichen Palästinenserstaat geäußert. Zugleich warnt er vor dem Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland und vor steigender Siedlergewalt

 27.08.2026

Knesset

Wem gehört die Wahl?

»Fly & Vote« will Israelis im Ausland zum Abstimmen nach Hause bringen. Der Likud droht der Initiative mit rechtlichen Schritten

von Sabine Brandes  26.08.2026