Interview

»Deutschland ist abhängiger von Israel als umgekehrt«

Es geht unter anderem um Arrow 3 und die Bewaffnung der Drohnen vom Typ Heron TP. Foto: picture alliance / SVEN SIMON

Herr Masala, der Kanzler hat ein Waffenembargo gegen Israel verkündet. Um wie viele Waffen geht es eigentlich?
Das unterliegt der Geheimhaltung, aber nicht wahnsinnig viele. Unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023, als klar war, dass die israelische Armee nach Gaza geht, wurde Munition für Fregatten angefragt, die Bundeswehr hat Sanitätsmaterial geliefert, und ich gehe davon aus, dass auch Getriebe für Merkava-Panzer dabei waren.

Von wie vielen Lieferungen sprechen wir seit dem 7. Oktober?
Auch das, also der Bedarf der israelischen Streitkräfte für konkrete Operationen, unterliegt der Geheimhaltung. Neben der »normalen« deutsch-israelischen Rüstungskooperation, die natürlich auch der Zustimmung der Bundesregierung unterliegt. Aber wir haben ein paar Hinweise durch den Rüstungsexportbericht der Bundesregierung für das erste Halbjahr 2024 und Anfragen der Partei Die Linke an die Bundesregierung. Demnach wurden im Zeitraum 7. Oktober 2023 bis 13. Mai 2025 Waffen – von Bomben über Schutzausrüstung bis Software – im Wert von 485 Millionen Euro geliefert. Von Januar bis März 2025 waren es fast 28 Millionen Euro. Sie sehen, die Summe ist nicht besonders groß.

Also hat das deutsche Waffenembargo keinen großen Einfluss auf die Verteidigungsfähigkeit Israels?
Es hat keinerlei Auswirkungen auf die Operationsfähigkeit der israelischen Armee im Gazastreifen.

Das Embargo ist also ein symbolisches? Was es ja noch schlimmer macht.
Ja, und das aus mehreren Gründen. Erstens: Merz hat am Wochenende geäußert, dass bereits seit einiger Zeit nichts mehr bewilligt wird. Und zweitens, am Beispiel der Getriebe für Merkava-Panzer: Schon seit einiger Zeit werden keine Getriebe mehr exportiert, weil eine europäische NGO gegen eine bereits vorliegende Exportanfrage aus Israel Klage eingereicht hat.

Lesen Sie auch

Wann wird das entschieden?
Das Kassler Verwaltungsgericht will die Sache noch im August entscheiden. Und sollte das Gericht sagen, wovon auszugehen ist, dass der Export in Ordnung ist, fällt die Ausfuhr nicht unter das Verbot von Merz, weil sie bereits bewilligt wurde. Die Auswirkung dieses Embargos ist marginal. Seine Bedeutung liegt im Politischen als im Militärischen.

Israel beliefert die Bundeswehr unter anderem mit dem Raketenabwehrsystem Arrow 3. Könnte man also sagen, dass die Abhängigkeit genau andersherum ist?
Generell gesprochen sind wir von israelischen Rüstungslieferungen momentan mehr abhängig als Israel von deutschen Rüstungslieferungen. Da geht es nicht nur um Arrow 3, sondern auch um die Bewaffnung der Drohnen vom Typ Heron TP sowie einige andere Projekte, die zwischen israelischen und deutschen Firmen und der Bundeswehr in den vergangenen Monaten abgeschlossen wurden.

Mit dem Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München sprach Sophie Albers Ben Chamo.

Israel

Sderot geht mit Drohnen gegen Hundekot vor

Die Geräte sollen Verstöße in Echtzeit erkennen. Wer den Kot nicht wegräumt, muss bis zu 130 Euro zahlen

 16.02.2026

Gazastreifen

Krankenhaus in Khan Younis weist Vorwürfe von »Ärzte ohne Grenzen« zurück

Die Organisation berichtet von bewaffneten Männern im Nasser-Krankenhaus – die Klinik widerspricht

 15.02.2026

Schifffahrt

Hapag-Lloyd will israelische Reederei übernehmen

Bislang seien keine bindenden Vereinbarungen abgeschlossen worden – Voraussetzung für den Deal ist eine Freigabe Israels

 15.02.2026

Gewalt

Ultraorthodoxe jagen israelische Soldatinnen

Die beiden jungen Frauen mussten in der Stadt Bnei Brak von Polizisten vor einem wütenden Mob gerettet werden

von Sabine Brandes  15.02.2026

Terror

Ex-Geisel Arbel Yehoud wurde dauerhaft sexuell missbraucht

Die Deutsch-Israelin spricht mehr als ein Jahr nach ihrer Freilassung über die schockierenden Erlebnisse in Gaza

von Sabine Brandes  15.02.2026

Ehemalige Geiseln

»Unsere Liebe hat das Unvorstellbare überlebt«

Arbel Yehoud und Ariel Cunio waren voneinander getrennt und völlig isoliert in Gaza. Jetzt versuchen sie, ihr gemeinsames Leben wiederaufzubauen

von Arbel Yehoud und Ariel Cunio  15.02.2026

Israel

Netanjahus Sündenböcke

Der Premierminister legt einen Antwortenkatalog zum Versagen am 7. Oktober 2023 vor

von Sabine Brandes  15.02.2026

Wetter

Jerusalem und Tel Aviv an Spitze der Luftverschmutzung weltweit

Ein ungewöhnlich heftiger Sandsturm überzog Israel am Wochenende mit einer gefährlichen orange-grauen Staubwolke

von Sabine Brandes  15.02.2026

Jerusalem

Netanjahu weiterhin skeptisch gegenüber Iran-Deal

Ein Abkommen müsse weit über das Atomprogramm hinausgehen und auch Irans regionale Stellvertreterorganisationen einbeziehen, sagt der Ministerpräsident

 13.02.2026