Gaza-Geisel

Der traurigste Geburtstag der Welt

Tausende Menschen versammelten sich auf dem Platz der Geiseln für Alon Ohel. Foto: Sabine Brandes

Gaza-Geisel

Der traurigste Geburtstag der Welt

Alon Ohel, der junge israelische Klavierspieler, ist in der Gewalt der Hamas 24 Jahre alt geworden

von Sabine Brandes  10.02.2025 18:20 Uhr

Am Abend kamen sie zusammen, um ihm ein Geburtstagsständchen zu singen und zu sagen, wie glücklich man ist, dass es ihn gibt. Alon Ohel, der junge Israeli, der Klavierspielen liebt, wurde am 10. Februar 24 Jahre alt. Doch er feierte nicht mit. Und die meisten der Menschen, die ihm gratulierten, waren Fremde auf dem Platz der Geiseln. Denn Alon ist an seinem Geburtstag in der Hölle. Er wurde von der Hamas nach Gaza verschleppt.

Wenn es nach der ersten Phase des jetzigen Abkommens für einen Waffenstillstand und die Geiselbefreiung geht, wird Alon nicht in den nächsten Wochen in Freiheit kommen. Der junge Israeli steht nicht auf der Liste Nummer eins. Und das, obwohl die befreiten Geiseln über seinen Gesundheitszustand berichteten.

Er hat unbehandelte Verletzungen an Auge, Schulter und Arm

Um den steht es alles andere als gut. Der junge Mann wurde durch Schrapnelle im Auge, an Schulter und Arm verletzt. Diese Verwundungen seien unbehandelt geblieben. »Er ist die gesamte Zeit in einem feuchten Tunnel unter der Erde. Es geht ihm nicht gut«, so der erschreckende Bericht.

Alons Mutter Idit Ohel erhielt am Sonntag das erste Lebenszeichen von ihrem Sohn nach mehr als 490 Tagen. »Wir bekamen diese Nachricht am Geburtstag seiner Schwester Inbar«, sagte sie unter Tränen. »Das war wie ein Wunder.«

»Wir bekamen diese Nachricht am Geburtstag seiner Schwester Inbar. Das war wie ein Wunder.«

Doch mit dem Lebenszeichen kamen die furchtbaren Nachrichten seiner Lebensumstände. »Er ist angekettet, sieht niemals Tageslicht, hat keine Matratze zum Schlafen und wird ausgehungert. Er bekommt nur ein Stück Brot am Tag. Wie soll man denn damit leben…«

Mit all diesem Wissen über ihren geliebten Sohn könne sie nicht mehr schlafen. »Ich bin seine Mutter, Alon muss nach Hause kommen«, sagt sie und fordert, dass die zweite Phase des Abkommens ohne jegliche Pause umgesetzt wird. Zwar würde sich Präsident Isaac Herzog regelmäßig bei ihr Melden, von der Regierung in Jerusalem indes fühlt sie sich verlassen. »Seit diesen furchtbaren Nachrichten hat sich niemand bei uns gemeldet. Das ist sehr, sehr traurig. Mein Sohn ist ihnen offenbar egal.«

»Alon ist ein wundervoller Mensch, der Klavierspielen, Menschen und das ganze Leben liebt. Kurz bevor er gekidnappt wurde, ist er durch Asien gereist und hat so viele neue Freunde kennengelernt.« Diese Leute würden sie jetzt anrufen und ihr Mut zusprechen. Viele erzählen, wie hilfsbereit Alon ist und welchen Eindruck auf er sie gemacht hat, selbst, wenn sie ihn nur kurz kannten.

Bei Verzögerung des Abkommens würden viele nicht überleben

»Alle müssen sofort befreit werden«, macht Idit Ohel klar. »Wenn es eine Verzögerung bei den Abschnitten des Abkommens gibt, werden sie nicht überleben. Dann sterben sie.« Dennoch ist sie ganz und gar überzeugt: »Alon wird lebend nach Hause kommen. Das spüre ich ganz fest.«

Alon hat neben der israelischen auch die serbische und deutsche Staatsangehörigkeit. Seine Großmutter Tzipi Ohel, die in Berlin geboren wurde, hat den Holocaust überlebt. 1949 kam sie mit einem Schiff nach Israel. Sie spricht voller Liebe über ihren Enkel: »Er ist ein großartiger junger Mann, ein begabter Klavierspieler, ein wunderbarer Freund.«

Seit mehr als einem Jahr würde sie jeden Tag aufwachen und denken, dass heute ein Wunder geschieht und Alon wieder da ist. »Doch es ist noch nicht geschehen. Die Geiseln müssen nach Hause kommen, damit es uns wieder gut gehen kann – uns allen in diesem Land.

USA-Besuch

Netanjahu reist zu Gesprächen mit Trump nach Washington – Abflug verzögert sich

Der israelische Regierungschef soll gegenüber seinen Ministern erklärt haben, die US-Regierung wolle einen Abzug Israels Truppen aus dem Libanon, Syrien und Gaza. »Ich werde Nein sagen«, so der Ministerpräsident

 27.07.2026

Aufruf

Zwei Moscheen im Westjordanland angezündet – Siedler sprühen Parolen auf Moschee

In der Westbank ist es zu einer Serie mutmaßlicher Angriffe radikaler Siedler gekommen. Unterdessen forderten zahlreiche frühere Vertreter von Armee und Geheimdiensten Trump auf, gegenüber Netanjahu das Thema anzusprechen

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026