Jerusalem

Der Königsmacher

Avigdor Lieberman, Vorsitzender von Israel Beiteinu Foto: Flash 90

Nach der Wahl in Israel hat Ex-Verteidigungsminister Avigdor Lieberman zur Bildung einer großen Koalition aufgerufen. Der Vorsitzende von Israel Beiteinu (Unser Haus) forderte am Dienstagabend eine »nationale, liberale breite Regierung«.

Diese müsse aus seiner eigenen Partei, dem rechtskonservativen Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem Mitte-Bündnis von Ex-Militärchef Benny Gantz bestehen. Eine breite Koalition sei notwendig, weil Israel sich in einem Notstand befinde.

MANDATE Bei der Parlamentswahl zeichnet sich nach ersten Prognosen ein knappes Rennen zwischen Netanjahu und seinem Herausforderer Gantz ab. Der Likud kam demnach auf 31 bis 33 Mandate und Blau-Weiß auf 32 bis 34 Mandate.

Das rechte Lager mit Netanjahus konservativem Likud, der Yamina-Partei von Ex-Justizministerin Ayelet Shaked und den charedischen Parteien kam auf 54 bis 57 Mandate.

Benny Gantz ist nur zu einer großen Koalition ohne Benjamin Netanjahu als Regierungschef bereit.

Das Mitte-Links-Lager mit Blau-Weiß, der Arbeitspartei, der Demokratischen Union und den arabischen Parteien erhielt 54 bis 58 Mandate.

WEIGERUNG Lieberman gilt als Königsmacher bei der Wahl, seine Partei erhielt acht bis zehn Mandate. Er hatte Netanjahu nach der Wahl im April seine Unterstützung verweigert.

Deshalb war es dem Regierungschef trotz einer Mehrheit des rechts-religiösen Lagers nicht gelungen, erneut eine Regierung zu bilden. Lieberman fordert die Wehrpflicht auch für charedische Juden, die anderen ultraorthodoxen Koalitionspartner lehnen diese jedoch ab.

Gantz ist allerdings nur zu einer großen Koalition ohne Netanjahu als Regierungschef bereit. Als Grund nennt er die Korruptionsvorwürfe gegen den 69-Jährigen, der seit 2009 Ministerpräsident ist. Nach einer Anhörung im Oktober droht Netanjahu eine Anklage in drei Korruptionsfällen.  dpa/ja

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