Internationaler Strafgerichtshof

Den Haag ermittelt gegen Israel

Die Chefanklägerin am Weltstrafgericht in Den Haag, Fatou Bensouda Foto: imago/Pacific Press Agency

Fatou Bensouda, die Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, hat am Mittwoch offiziell Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen in den Palästinensergebieten eingeleitet. Das teilte sie am Mittwoch in einer ausführlichen Stellungnahme mit. Einzelheiten zu den Ermittlungen nannte sie aber nicht. Darüber werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Alle Ermittlungen würden »unabhängig, unparteiisch und objektiv« ausgeführt, sie bräuchten aber Zeit, so Bensouda.

UNABHÄNGIGKEIT »Bei der Wahrnehmung seiner Verantwortung wird mein Büro den gleichen prinzipienfesten, unparteiischen Ansatz verfolgen, den es in allen Situationen, für die es zuständig ist, an den Tag gelegt hat.« Die aus Gambia stammende Chefanklägerin scheidet im Juni aus dem Amt. Ihr Nachfolger wird dann der Brite Karim Ahmad Khan.

https://twitter.com/EylonALevy/status/1367156890115969027

Bensouda betonte, sie werde ihre »gesetzlichen Pflichten nach dem Römischen Statut mit professioneller Integrität« erfüllen. Zweifel an ihrer Unvoreingenommenheit und die Kritik, die Untersuchung richte sich in erster Linie gegen Israel und sei politischer Natur, wies sie zurück. »Ich erinnere hier als Beispiel an die Vorwürfe über das Verhalten der israelischen Verteidigungskräfte im Fall der Mavi Marmara (2010), wo ich als Anklägerin die Einleitung einer Untersuchung mit der Begründung abgelehnt habe, dass es nach unserer klinischen Bewertung der Kriterien des Römischen Statuts keine vernünftige Grundlage für ein Vorgehen gab.« In der gegenwärtigen Situation gebe es hingegen »eine vernünftige Grundlage, um fortzufahren, und es gibt zulässige potenzielle Fälle«, so Bensouda in ihrem Statement.

Vor gut einem Jahr hatte sie festgestellt, dass es einen »begründeten Verdacht für Verbrechen« gebe, begangen von »Mitgliedern der israelischen Armee, israelischen Behörden, Hamas und palästinensischen bewaffneten Gruppen«. Untersucht werden sollen Vorfälle ab Mitte Juni 2014, also etwa der Gaza-Krieg vom Sommer 2014. Die Palästinenser hatten das 2003 gegründete Gericht vor sechs Jahren angerufen.

SCHARFE KRITIK US-Außenminister Antony Blinken erklärte, sein Land lehne die Entscheidung Bensoudas »entschieden ab und sind zutiefst enttäuscht von ihr.« Der IStGH habe »keine Zuständigkeit in dieser Angelegenheit«, sagte Blinken in einer Erklärung. »Israel ist keine Vertragspartei des IStGH und hat der Zuständigkeit des Gerichtshofs nicht zugestimmt, und wir haben ernsthafte Bedenken über die Versuche des IStGH, seine Gerichtsbarkeit auf israelisches Personal auszuüben.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Vertreter Israels verurteilten das Vorgehen ebenfalls scharf. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte die Entscheidung antisemitisch. Es gebe nur eine Antwort: für die Wahrheit zu kämpfen und die Soldaten zu schützen. Präsident Reuven Rivlin sprach von einem skandalösen Schritt. »Wir werden keine Beschwerden gegen die Ausübung unserer Rechte und unsere Verpflichtung zur Verteidigung unserer Bürger dulden.«

ZUSTÄNDIGKEIT Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) und ein Hamas-Vertreter begrüßten hingegen unisono die Entscheidung. Das PA-Außenministerium sprach von einem lange erwarteten Schritt. Die Behörde sei bereit zur Kooperation und werde jede nötige Unterstützung leisten. Ein Vertreter der im Gazastreifen herrschenden, islamistischen Hamas rief das Gericht auf, gegen jedweden möglichen Druck standhaft zu bleiben.

Eine Kammer des Gerichts hatte im Februar festgestellt, dass es auch für Gebiete wie das Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem, und den Gazastreifen zuständig sei. Israel erkennt den Strafgerichtshof nicht an. »Palästina« ist seit 2015 Vertragsstaat des Weltstrafgerichtes.

Bensouda betonte in ihrer Stellungnahme am Mittwoch, die Entscheidung der drei Richter zur Zuständigkeit des Gerichts beinhalte keine völkerrechtliche Anerkennung eines Staates Palästina. mth/dpa

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

7. Oktober

»Sie aßen Kuchen – als ob kein Skelett neben ihnen läge«

Die ehemalige israelische Geisel Evyatar David erzählt erstmals einem internationalen Sender vom Hunger, der Gefangenschaft in den Terrortunneln der Hamas und wie es ihm heute geht

von Sabine Brandes  27.08.2026

Südlibanon

Erst Drohnenangriffe, dann Gegenschläge

Nachdem die pro-iranische Terror-Miliz Hisbollah mit zwei Drohnen israelische Soldaten angegriffen hatte, reagierte die IDF mit Gegenangriffen

 27.08.2026

Nahost

Israel: Leibwächter von Ex-Hamas-Chef Sinwar in Gaza getötet

Vor knapp zwei Jahren hatte die israelische Armee den Hamas-Chef Sinwar getötet, der als Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt. Nun soll auch sein Bodyguard ums Leben gekommen sein

 27.08.2026

Sicherheit

Streit um Gaza-Friedensplan spitzt sich zu

Israel kritisiert den US-geführten »Board of Peace« – und erwägt einen Ausschluss britischer Vertreter aus dem Koordinierungszentrum

von Sabine Brandes  27.08.2026

Diplomatie

CIA warnt Putin vor Angriffen auf Nato und drängt auf neue Iran-Politik

Geheimtreffen in Moskau: CIA-Chef Ratcliffe mahnt Russland wegen eines möglichen Angriffs auf die NATO und fordert im Iran-Krieg die Öffnung der Straße von Hormus

von Sabine Brandes  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026