Streit

Debatte um den Tempelberg

In biblischer Zeit standen auf der Anhöhe in Jerusalem der erste und zweite jüdische Tempel, heute befinden sich hier Felsendom und Al-Aksa-Moschee. Foto: Flash 90

Die Debatte sorgte für einen Sturm der Entrüstung, deren Ausläufer sogar im benachbarten Jordanien zu spüren waren. Zum ersten Mal seit Bestehen des Staates Israel ist in der Knesset über den Status quo des Tempelberges gesprochen worden. Der Likudabgeordnete Mosche Feiglin hatte beantragt, das Thema »israelische Souveränität auf dem Tempelberg« auf die Tagesordnung zu setzen. 30 rechts- und linksgerichtete Parlamentarier meldeten sich zu Wort – obwohl die Debatte lediglich deklarierenden Charakter hatte und keine Änderung der bisherigen Regelung nach sich ziehen wird. Fast alle arabischen Abgeordneten blieben aus Protest fern.

In biblischer Zeit standen auf der Anhöhe in Jerusalem der erste und zweite jüdische Tempel. Heute befinden sich hier der muslimische Felsendom und die Al-Aksa-Moschee. Feiglin hatte bereits mehrfach mit seinen Besuchen auf dem Berg für Schlagzeilen gesorgt. Im Oktober 2012 und Januar 2013, bevor er Abgeordneter wurde, nahm die Polizei ihn fest, weil er auf dem Tempelberg betete.

oberstes gericht Feiglin beharrt darauf, dass es Juden erlaubt sein müsse, auf der Anhöhe zu beten, wann und wie sie wollen. Das hatte vor einer Weile auch das Oberste Gericht bestätigt. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Sicherheitskräfte Juden jederzeit den Zutritt verweigern dürfen, sofern sie davon ausgehen, dass der Besuch die öffentliche Ordnung stören könnte. Und das sieht die Polizei generell so. Also gibt es de facto keinen Einlass für jüdische Gläubige.

»Die israelische Regierung weicht ihrer Berufung aus«, erklärte der Hardliner bei der Eröffnung der Sitzung. »Sie hat die Verantwortung für jegliche Reste von israelischer Souveränität auf dem Hügel aufgegeben«, so Feiglin. »Jede Terrororganisation kann dort ihre Flagge wehen lassen, aber die israelische Fahne? Das darf nicht einmal erwähnt werden. Psalmen zu lesen führt zur Verhaftung, nicht einmal eine Kippa ist nach Polizeistandards ratsam.«

Die Verwaltung des Tempelbergs obliegt der jordanischen Regierung und dem islamischen Waqf. Das Arrangement besteht seit Ende des Sechstagekrieges, in dem Israel die Altstadt und den Ostteil von Jerusalem von den Jordaniern erkämpfte und später annektierte. Die Vereinbarung über den Tempelberg ist sogar im Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien verankert. So echauffierte sich denn auch eine Vielzahl jordanischer Abgeordneter über die Debatte in der Knesset. Einer forderte sogar »das Überdenken des Friedensvertrages«.

Unterstützung bekam Feiglin aus unerwarteter Ecke. Zahava Gal-On, Parteivorsitzende der linken Meretz-Partei, sagte, Juden sollten das Recht haben, auf dem Tempelberg zu beten, fügte jedoch hinzu, dass dies ausschließlich nach Absprache mit palästinensischen und arabischen Repräsentanten erfolgen sollte. »Sonst«, so Gal-On, »ist Feiglins Vorschlag wie ein Zündholz, das das Pulverfass, auf dem der Nahe Osten sitzt, entfachen könnte.«

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Westjordanland

Drei Terrorangriffe binnen 24 Stunden: Ein Israeli getötet, mehrere verletzt

Bei einer Attacke nahe der Gilad Farm wird ein Israeli erschossen. Eines der Opfer eines anderen Terrorangriffs wird schwer verletzt und per Hubscgrauber in ein Krankenhaus gebracht

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026

Nachruf

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen«

Der israelische Protestkünstler Shoshke Engelmayer verabschiedet sich von einer TV-Legende seines Landes

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026

Plädoyer

Dem Recht vertrauen

Ohne einen unabhängigen Obersten Gerichtshof ist nicht nur Israels Demokratie, sondern der jüdische Staat selbst in Gefahr

von Awi Blumenfeld  23.07.2026

Nachrichten

Geisel, Hamas, Charedim

Kurzmeldungen aus Israel

 22.07.2026