Interreligiöser Dialog

»Das ist Verrat«

Treffen der Imame mit Israels Staatspräsident Isaac Herzog (2 v. l.) Foto: Amos Ben Gershom/GPO

Es war als Geste der Verständigung gedacht. Doch wegen seiner Teilnahme am Besuch von 15 Imamen in Israel wurde nun ein marokkanischer Imam von seiner Moscheegemeinde in den Niederlanden entlassen.

Die Reise war von der Organisation European Leadership Network (ELNET) organisiert worden. Die Teilnehmer waren muslimische Geistliche aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien und den Niederlanden. Die vom Pariser Imam Hassen Chalghoumi geleitete Delegation besuchte auch Orte der Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. In Jerusalem traf sie mit Israels Staatspräsident Isaac Herzog zusammen.

Für besonderes Aufsehen sorgte ein Video, auf dem der Iman von Alkmaar, Youssef Msibih, zu sehen ist, wie er auf Arabisch den Text der israelischen Nationalhymne mit anderer Melodie anstimmt. Herzog postete den Clip auf seinem X-Account, was dem Treffen mit den Imamen zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Bei seinem Treffen mit der Delegation lobte Herzog den Besuch als ein »Zeichen moralischer Courage«. Chalghoumi, der in seiner Heimat stark angefeindet wird, sagte dem Präsidenten: »Der Krieg nach dem 7. Oktober ist kein Krieg zwischen Israel und der Hamas. Es ist ein Krieg zwischen zwei Welten: einer Welt des Lichts und einer Welt der Dunkelheit«. Israel repräsentiere die Welt der Menschlichkeit und der Demokratie, so Chalghoumi weiter.

Doch viele Muslime sahen die Reise der Geistlichen nach Israel als Provokation an. »Für Herzog zu singen, während Palästinenser ausgehungert und lebendig verbrannt werden, ist keine Friedensbotschaft. Das ist Verrat«, postete jemand in den sozialen Medien. Ali al-Qaradaghi, Generalsekretär der International Union of Muslim Scholars, schrieb auf X: »Verstoßt diejenigen, die die Anliegen der Nation für einen billigen Preis verkauft haben, und seid euch sicher: Die Normalisierung wird nicht durch das Gewand der Religion verschönert, sondern dadurch noch mehr entlarvt.«

Scharfe Kritik aus der muslimischen Gemeinschaft

Auch die renommierte islamische Universität Al-Azhar in Ägypten distanzierte sich von den 15 Imamen und bezeichnete sie als »irregeleitet«. Sie seien nicht repräsentativ für die muslimische Gemeinschaft. Der Besuch in Israel stelle einen »Verrat an religiösen und menschlichen Werten« dar und stehe im Widerspruch zum Leiden des palästinensischen Volkes.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Am 8. Juli gab der Vorstand der Bilal-Moschee Alkmaar in einem Brief an die »lieben Brüder und Schwestern« die Trennung von Imam Youssef Msibih bekannt. Darin heißt es: »Die Haltung der Moschee ist klar und eindeutig. Wir haben erneut erklärt, dass der Imam keinen Platz mehr in unserer Moschee hat. Der Vorstand übernimmt keinerlei Verantwortung für seine Äußerungen oder Handlungen außerhalb der Moschee. Es besteht keine formelle oder inhaltliche Beziehung mehr zwischen ihm und der Moschee Bilal Alkmaar.«

Msibihs Besuch in Israel sei zwar privater Natur, seine Äußerungen aber »inakzeptabel« gewesen. »Seine Entscheidung, sich für die Normalisierung mit einem Regime instrumentalisieren zu lassen, das täglich palästinensisches Blut vergießt, ist nicht nur unangebracht. Sie ist eine moralische Schande. Während Kinder aus den Trümmern geborgen werden, entscheidet er sich, sich einer Propagandareise anzuschließen.«

Zudem, so der Vorstand, habe man vorab keine Kenntnis gehabt von der Reise des Imams. Msibih hatte rund zehn Jahre lang in Diensten der islamischen Gemeinde von Alkmaar gestanden.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026