Gazastreifen

Berichte: Reservisten verweigern Rückkehr in den Krieg

Israelische Reservisten trainieren am 8. Oktober 2023 auf den Golanhöhen, bevor sie nach Gaza geschickt werden. Foto: copyright (c) Flash90 2023

Reservisten des israelischen Militärs verweigern örtlichen Medienberichten zufolge zunehmend die Rückkehr in den Krieg im Gazastreifen. Dem israelischen Fernsehsender Kan zufolge begründeten Dutzende Reservisten des Sanitätskorps ihre Weigerung in einem Schreiben unter anderem mit ethischen und rechtlichen Gründen sowie der Ausweitung des Kriegs »jenseits aller Vernunft«. Das Schreiben wurde demnach von medizinischen Fachkräften unterschiedlicher militärischer Ränge unterzeichnet.

Der Krieg schade der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten, dem sozialen Gefüge des Landes und dem langfristigen Überleben Israels, zitierte der Sender aus dem Schreiben. Die Reservisten nannten demnach als weiteren Grund die Besetzung von Gebieten in Gaza. Verteidigungsminister Israel Katz hatte kürzlich gedroht, Israel werde Teile des Küstenstreifens dauerhaft einnehmen.

Je länger sich die palästinensische Terrororganisation Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren, sagte Katz. Eine Besiedlung des Gazastreifens würde gegen das Völkerrecht verstoßen, erklärten die Reservisten des Sanitätskorps dem Bericht zufolge in ihrem Schreiben.

Verlängerung der Waffenruhe

In Israel gilt für Männer und Frauen die Wehrpflicht. In Krisenzeiten ist der jüdische Staat jedoch stark auf seine Reservisten angewiesen. So mobilisierte die Armee für den Krieg im Gazastreifen Hunderttausende von ihnen und beließ sie zum Teil viele Monate lang bei ihren Einheiten an der Front.

Lesen Sie auch

Nachdem sich die Hamas weigerte, weitere Geiseln freizulassen und Vorschläge für eine Verlängerung der Waffenruhe zu akzeptieren, griff Israels Armee die Terroristen in Gaza erneut an. Seit dem 7. Oktober 2023 und in früheren Kriegen konnte die Hamas lediglich mit militärischem Druck zum Einlenken bewegt werden, wenn es um Waffenruhen ging.

Doch in den Reihen der für die Militäroperation benötigten Reservisten sinkt auch anderen israelischen Medienberichten zufolge die Motivation, nach den vielen Einsätzen in den vergangenen 16 Monaten, erneut in den Kampf zu ziehen. Bei vielen Reservisten und ihren Familien mache sich Erschöpfung breit.

Politische Gründe

Hinzu kommen den Berichten zufolge politische Gründe wie der von der Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu angestrebte Umbau des Justizwesens.

So billigte das Parlament jüngst ein Gesetz, das laut Kritikern künftig mehr politischen Einfluss bei der Ernennung von Richtern ermöglichen würde, falls Klagen dagegen erfolglos bleiben sollten. Kritiker sehen durch das Vorhaben die Demokratie gefährdet. dpa/ja

Gaza

Hamas: Sinwars »rechte Hand« überlebt israelischen Angriff

Bei einem israelischen Luftangriff in dem Palästinensergebiet sollen am Wochenende mehrere Menschen getötet worden sein. Israel zielte auf den ranghöchsten Hamas-Führer in dem Küstenstreifen ab – doch der hat wohl überlebt

 06.10.2026

Be’eri

»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

von Geneviève Hesse  06.10.2026

Geiseln

Überlebt

505 Tage war Omer Shem Tov in der Gewalt der Hamas in Gaza. Seine Schilderungen zeigen, wie leicht es sich all jene machen, die bei der Bewertung des Krieges die perfide Taktik der Terroristen ausblenden

von Sabine Brandes  06.10.2026

Interview

»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk leben seit dem 7. Oktober mit einer unvorstellbaren Wunde – dem Tod ihrer Töchter, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden

von Sophie Albers Ben Chamo  06.10.2026

7. Oktober

»Ich hatte keine Ahnung, wie sehr wir gehasst wurden«

Unsere Autorin ist an der Grenze zu Gaza aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Hier beschreibt sie, wie das Hamas-Massaker ihr Leben verändert hat – und was es mit ihr macht, dass sie und ihr Land plötzlich weltweit als genozidal verleumdet werden

von Adi Kaslasy-Way  06.10.2026

Terror

Augenzeuge der Flydubai-Attacke: »Im Cockpit war niemand«

Die Minuten nach der Gewalttat sind dramatisch: ein leeres Cockpit, ein schwer verletzter Pilot, improvisierte Fesseln, geschockte weitere Piloten unter den Passagieren. Ein Augenzeuge berichtet

 06.10.2026

Natur

Die Kraniche sind da!

Im Hula-Tal hat der alljährliche Herbstzug begonnen – Millionen weiterer Zugvögel werden in den kommenden Wochen erwartet

von Sabine Brandes  06.10.2026

Israel

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

 05.10.2026

Terroranschlag

Rückholflüge aus den Emiraten haben begonnen

Aktion beginnt nach der Beilegung eines Streits über Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Dubai

von Sabine Brandes  05.10.2026