Umsiedlung

Benny Gantz zu Trumps Gaza-Idee: »Kreativ und originell«

Benny Gantz Foto: copyright (c) Flash90 2025

Der Vorsitzende der oppositionellen Partei der Nationalen Einheit, Benny Gantz, hat Präsident Trumps jüngsten Ideen zu Gaza begrüßt. Er sprach von einem »weiteren Beweis für die tiefe Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Israel«. Dies berichteten israelische Medien.

»Präsident Trump hat gezeigt, und das nicht zum ersten Mal, dass er ein wahrer Freund Israels ist und ihm in Fragen, die für die Stärkung seiner Sicherheit wichtig sind, weiterhin zur Seite stehen wird«, erklärte der Oppositionspolitiker.

In seinen Äußerungen habe Trump »kreative, originelle und interessante Überlegungen« angestellt, die neben der Verwirklichung der Kriegsziele geprüft werden müssten. Allerdings habe die Rückkehr aller Geiseln Vorrang.

»Gut für Israel«

Während des Besuchs von Premierminister Benjamin Netanjahu in Washington am Dienstagabend sagte Trump: »Die USA werden den Gaza-Streifen übernehmen, und wir werden auch damit fertig werden. Wir werden ihn besitzen.« Trump bekräftigte auch seine Forderung, die Menschen im Gazastreifen dauerhaft umzusiedeln.

Yair Lapid, der Oppositionsführer Israels, sagte, die Pressekonferenz in Washington mit Präsident Trump und Ministerpräsident Netanjahu sei »gut für den Staat Israel« gewesen. »Wir werden die Details studieren müssen, um zu verstehen, was der Plan in Gaza ist«, sagte er dem Armeeradio.

Lesen Sie auch

»Auswanderung der Gazaner befördern«

Lapid kündigte an, er werde den USA bei seinem eigenen Washington-Besuch »einen zusätzlichen Plan« vorlegen. »Die Rolle der israelischen Regierung ist es, Pläne vorzulegen und nicht nur auf die Amerikaner zu warten«, betonte er.

Itamar Ben-Gvir, der frühere Minister für Nationale Sicherheit, stimmte Trump ebenfalls zu. Die einzige Lösung für den Gazastreifen bestehe darin, die Auswanderung der Gazaner zu fördern, so der rechtsextreme Politiker. Er erklärte, er habe seit dem Beginn des Krieges mehrfach die gleiche Meinung geäußert, sei dafür aber verspottet worden.

»Jetzt ist es klar: Dies ist die einzige Lösung für das Gaza-Problem. Ben-Gvir fordere Netanjahu auf, eine «Verabschiedung des Plans» so schnell wie möglich anzukündigen und «sofort mit praktischen Fortschritten zu beginnen».

Auch der israelische Finanzminister der ultranationalistischen Partei Religiöser Zionismus, Bezalel Smotrich, dankte Trump für seine Kommentare zum zukünftigen Engagement der USA im Gazastreifen in einem Beitrag auf X.

Abgeordneter Deri bezeichnet Trump als «Gesandten Gottes»

Der Vorsitzende der ultraorthodoxen Partei Shas, Rabbi Aryeh Deri, ging sogar noch weiter und nannte Trump den «Gesandten Gottes zur Unterstützung des Volkes Israel». Er erziele große Erfolge dank der unerschütterlichen Unterstützung an der Seite Israels gegen alle Feinde, schrieb Deri weiter. «Ich segne Sie, damit Sie zusammen mit Premierminister Benjamin Netanjahu weiterhin historische Schritte unternehmen, die den Nahen Osten verändern und Frieden und Sicherheit für das Volk Israel stärken werden.»

Deri beendete die Erklärung mit einem Zitat aus der Bibel: «Und alle Völker der Erde werden sehen, dass der Name des Herrn über dir ausgerufen ist, und sie werden dich fürchten.»

«So etwas nennt sich ethnische Säuberung»

In Washington fiel das Echo weitaus weniger positiv aus: Der demokratische Senator Chris Van Hollen wertet den Plan von US-Präsident Donald Trump als Ankündigung eines schweren Völkerrechtsbruchs.

«Ich denke, wir müssen wiederholen, was der Präsident der Vereinigten Staaten gerade gesagt hat», sagte Van Hollen beim US-Sender MSNBC. «Er hat gerade gesagt, dass es die Politik der Vereinigten Staaten sein wird, zwei Millionen Palästinenser gewaltsam aus dem Gazastreifen zu vertreiben – so etwas nennt sich auch ethnische Säuberung.»

«Gefährlich und giftig»

Van Hollen bezeichnete Trumps Plan als «in vielerlei Hinsicht verabscheuungswürdig» und warnte, dass der Republikaner mit seinen Aussagen die Sicherheit von US-Soldaten und Botschaftspersonal in der Region massiv gefährde.

«Das ist die wohl gefährlichste und giftigste Mischung von Ideen, die man aktuell zusammenbringen könnte. Und deshalb wird es ein Moment großer Gefahr für Amerikaner sein», erklärte der Senator. Trump eskaliere die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten: «Was der Präsident hier tut, ist im Grunde, ein Streichholz in eine bereits äußerst volatile Region zu werfen.»

Baerbock gegen Trump-Plan

Auch Außenministerin Annalena Baerbock stellte sich gegen Trumps Umsiedlungsplan. Die Zivilbevölkerung in Gaza brauche «Hilfe für eine Zukunft auf ihrem Land – in Sicherheit, Würde und friedlichem Zusammenleben mit Israel». Baerbock forderte eine «echte politische Perspektive», in der Terroristen der Hamas in Gaza in Zukunft keine Rolle mehr spielen dürften.

«Gleichzeitig ist klar: Gaza gehört – ebenso wie die Westbank und Ostjerusalem – den Palästinenserinnen und Palästinensern. Sie bilden den Ausgangspunkt für einen künftigen Staat Palästina», sagte Baerbock.

Kritik kommt auch von Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG): «Trumps disruptiver Plan für Gaza ignoriert das Völkerrecht. Freiwillig werden die Palästinenser den Gazastreifen nicht verlassen. Unfreiwillig wäre es eine ethnische Säuberung. Der Gazastreifen gehört weder zum Staat Israel noch zu den USA», so Beck.

Der DIG-Präsident glaubt allerdings nicht, dass Trump seinen Plan in die Tat umsetzt. «Dass Trump für seinen Plan eigene Truppen einsetzen, Menschen zwangsweise vertreiben und die USA somit zum Angriffsziel aller Islamisten und arabischen Nationalisten machen würde, ist unwahrscheinlich», teilte Beck mit. «Das widerspräche zudem einem außenpolitischen Axiom seiner Präsidentschaft: keine vermeidbaren Militäreinsätze für außenpolitische Ordnungsvorstellungen. In diesem Sinne stehen die jetzigen Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten völlig quer zu seiner bisherigen Linie.» ja/dpa

Nachrichten

Universitäten, Sanktionen, Spende

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  18.05.2026

Diplomatie

Förderprogramm für Verlegung ausländischer Botschaften nach Jerusalem bereitgestellt

Kern des Programms ist ein Budgetrahmen, mit dem finanzielle Anreize für die Verlagerung von diplomatischen Vertretungen geschaffen werden sollen

 18.05.2026

Jerusalem/Marmaris

Israel will neue Gaza-Flottille abfangen

An Bord sollen sich auch der Palästinenser Saif Abu Keshek und der Brasilianer Thiago Avila befinden, die erst vor zweieinhalb Wochen aus Israel ausgewiesen worden waren

 18.05.2026

Jerusalem

Todesstrafengesetz für palästinensische Terroristen tritt in Kraft

Die neue Regelung betrifft Verfahren vor israelischen Militärgerichten gegen Palästinenser, die Israelis bei Terroranschlägen ermorden. Beim Obersten Gericht wurde Beschwerde gegen das Gesetz eingelegt

 18.05.2026

Nahost

Israel stellt sich auf Wiederaufnahme des Iran-Kriegs ein

Israel ist laut Netanjahu mit Blick auf die Region »auf jedes Szenario vorbereitet«. Ein Drohnenangriff auf ein Atomkraftwerk in den Emiraten schürt die Sorge vor einer neuen Eskalation

 17.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

Haaretz berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Wirtschaft

Energiezentrum in Nahost

Die Gasfelder im östlichen Mittelmeer könnten für mehr Stabilität in der Region sorgen – gäbe es keine kriegsbedingten Ausfälle

von Sabine Brandes  17.05.2026

Eurovision Song Contest

Flaggen, Glitzer und Herzchen für Noam

Tausende feiern das ESC-Finale am Strand von Tel Aviv – mit Tanz, Drag Queens, spontanen »Michelle«-Gesängen und Jubel über Israels zweiten Platz

von Sabine Brandes  17.05.2026

Zoo

Eine Elefantin als Ehrenbürgerin

Trauer und Neubeginn: Israels berühmtestes Wildtier ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Ihr ehemaliges Zuhause, der »Ramat Gan Safari Park«, zieht bald nach Tel Aviv

von Sabine Brandes  17.05.2026