Israel

Bennetts Regierung verliert offenbar Mehrheit

Idit Silman (hier bei einer Knesset-Sitzung im Januar) will offenbar die Regierungskoalition nicht länger mittragen Foto: Flash 90 2022

Politisches Drama in Israel: Eine Abgeordnete der Regierungskoalition hat ihren Rückzug aus dem Bündnis angekündigt. Damit verlöre die Regierung von Ministerpräsident Naftali Bennett ihre hauchdünne Mehrheit im Parlament.

Die neue Regierung war erst im Juni des vergangenen Jahres formiert worden. Damit hatte die politische Krise in Israel mit vier Wahlen binnen zwei Jahren ein vorläufiges Ende gefunden. Die Koalition wird von insgesamt acht Parteien vom rechten bis zum linken Spektrum getragen. Erstmals in der israelischen Geschichte ist auch eine arabische Partei dabei.

CHAMETZ Die Koalitionsvorsitzende Idit Silman legte ihr Amt wegen eines Streits über Chametz nieder. Es ging darum, ob während des Pessach-Fests Gesäuertes in Krankenhäuser gebracht werden darf oder nicht. »Ich werde nicht zulassen, dass die jüdische Identität des Staates Israel und des israelischen Volkes geschädigt wird. Ich werde weiterhin versuchen, meine Freunde davon zu überzeugen, nach Hause zurückzukehren.«

Es sei an der Zeit, eine »jüdische und zionistische Regierung zu bilden«, schrieb Silman in einer Erklärung. Berichten zufolge war Bennett nicht vorab über den Schritt seiner Parteikollegin informiert, sondern erfuhr davon erst durch Medienberichte.

AUSWIRKUNGEN Oppositionsführer Benjamin Netanjahu sprach von einer »mutigen Entscheidung« Silmans. Der Schritt hat zunächst keine konkreten unmittelbaren Auswirkungen. Israels Parlament, die Knesset, befindet sich noch bis zum 8. Mai in einer Sitzungspause.

Medienbrichten zufolge umwirbt Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei Silman und weitere Abgeordnete von Jamina, ihrer Fraktion in der Knesset beizutreten. Angeblich soll Silman der Posten der Gesundheitsministerin angeboten wurden sein. Aus ultraorthodoxen Parteien wurden ebenfalls Überlegungen über mögliche zukünftigte Koalitionen geäußert.

Nach Silmans Rücktritt verfügt die Opposition noch nicht über die notwendige Mehrheit für ein konstruktives Misstrauensvotum. Ob die Regierung stürzt, blieb zunächst unklar. Nur in diesem Fall wäre eine Neuwahl notwendig. ja/dpa

Jerusalem

Eli Vered Hazan wird neuer Weltvorsitzender des Keren Hayesod

Der bisherige Botschafter folgt auf Sam Grundwerg, der den Hilfsfonds in den vergangenen acht Jahren geführt hat

 14.07.2026

Jerusalem/Teheran

Mossad-Chef soll Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad getroffen haben

Laut einem Bericht der »New York Times« soll Israel an einer Operation gearbeitet haben, den früheren Schoa-Leugner und Befürworter eines Atomprogramms zurück an die Macht zu bringen

von Ralf Balke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Generalstabschef kritisiert Gesetzentwurf zu Haredi-Wehrdienst scharf

Es sei »unvorstellbar«, dass die Armee, deren Soldaten seit zweieinhalb Jahren außergewöhnliche Opfer brächten, gleichzeitig an einem System mitwirken solle, das massenhafte Ausnahmen von Strafverfolgung ermögliche, sagt der Armeechef

 14.07.2026

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Essay

Wann endet ein Flüchtlingsstatus?

Der Flüchtlingsstatus ist kein Dauerzustand. Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  13.07.2026

Paris

»Die Isolation Israels ist ein historisches moralisches Versagen«

»Es ist ein dunkler Moment für Juden auf der ganzen Welt«, sagt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. »Wir müssen stolz, stark und weise sein.«

 13.07.2026

Brüssel

Bundesregierung bremst in EU-Debatte um Israel-Sanktionen

Produkte aus israelischen Siedlungen beschränken? Etliche EU-Staaten sind dafür. In Brüssel bahnt sich allerdings ein juristischer Streit an

 13.07.2026

Jerusalem

Netanjahu: Siedlergewalt geht von »150 jugendlichen Straftätern« aus

Der Ministerpräsident verurteilt Selbstjustiz im Westjordanland, betont aber auch, dass »99 Prozent« der Siedler gesetzestreue Bürger seien

 13.07.2026