Israel

EL AL hat einen neuen Besitzer

Parkende EL-AL-Flugzeuge auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Israel (Archivbild von 2018) Foto: Flash 90

Die israelische Fluggesellschaft EL AL hat einen neuen Besitzer: Kanfei Nesharim, das Unternehmen des 27-jährigen Jeschiwa-Studenten Eli Rozenberg, übernahm 42,85 Prozent der Anteile an der angeschlagenen Fluglinie. Der Kaufpreis betrug 150 Millionen Dollar.

RETTUNGSPLAN Eine Verstaatlichung von EL AL, deren Flugzeuge seit Wochen wegen der Corona-Krise am Boden sind, wurde damit abgewendet. Allerdings übernimmt die israelische Regierung ein kleineres Aktienpaket im Wert von rund 30 Millionen Dollar.

Der Großteil der 6300 Mitarbeiter ist momentan beurlaubt.

Dies war Teil eines Rettungsplans für das Unternehmen, der außerdem staatlich abgesicherte Darlehen in Höhe von insgesamt 250 Millionen Dollar beinhaltete. Die Nettoverschuldung von EL AL beträgt momentan mehr als zwei Milliarden Dollar; der Großteil der 6300 Mitarbeiter ist momentan beurlaubt.

Der gebürtige New Yorker Rozenberg, der erst seit einigen Jahren in Israel lebt, war einer von drei potenziellen Käufern der Fluggesellschaft. Ebenfalls Interesse an einer Übernahme zeigten David Sapir, ein russisch-israelischer Investor, der in Russland in den Bereichen Tourismus und Telekommunikation tätig ist, und der britisch-israelische Immobilienhändler Meir Gurvitz. Allerdings gab am Ende nur Rozenberg ein Gebot ab.

VATER Sein Unternehmen Kanfei Nesharim erklärte nach dem Zuschlag, man wolle das Vertrauen der Passagiere wiederherstellen, die Arbeitsplätze von Tausenden von El Al-Mitarbeitern sichern und die Fluggesellschaft in eine sichere Zukunft führen. Unter neuem Management müsse EL AL einen Schwerpunkt auf die »Pünktlichkeit« und die Verbesserung der Verpflegung legen.

Israelischen Medienberichten zufolge wird das Geld für die Transaktion von Eli Rozenbergs Vater Kenny kommen. Dieser hatte mit einer Pflegeheim-Kette in den USA ein Vermögen erwirtschaftet. Die Rozenbergs sind orthodoxe Juden aus New York und haben offenbar keine Erfahrung im Fluggeschäft. Laut der Wirtschaftszeitung »Calcalist« wurde Kenny Rozenberg von seinem Rabbiner aufgefordert, die israelische Fluggesellschaft zu kaufen.

In Israel spekulieren nun viele, dass Rozenberg Sr. künftig im Hintergrund bei EL AL die Fäden ziehen werde, obwohl rechtlich gesehen nur sein Sohn die Anteile hält. Voraussetzung für den Kauf ist nämlich die israelische Staatsangehörigkeit, die nur Eli Rozenberg besitzt, nicht aber sein Vater.

Der Einstieg der Rozenbergs war auch deshalb umstritten, weil die von Kenny Rozenberg geführte Pflegeheimkette vor kurzem wegen betrügerischer Abrechnungspraktiken in der Kritik stand. mth

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026