Pessach

20.000 Schekel für das Chametz

Hier geht das Chametz in Flammen auf. Foto: Flash90

Der Geruch von Verbrannten wabert durch die Lüfte. Ein klares Zeichen: Pessach steht vor der Tür. Vor Synagogen und Gemeindezentren stehen die Menschen Schlange, um das Chametz, das sie aus ihren Häusern verbannt haben, in Flammen aufgehen zu sehen.

Denn heute beginnt die Pessachwoche mit dem Sederabend, an dem traditionell ausschließlich Ungesäuertes verspeist und aufbewahrt werden darf.

MAZZEN Dafür lässt man sich eine Woche lang statt Sauerteigartigem nur Mazze schmecken. Die werden in einem speziellen Prozess gebacken, damit sie nicht aufgehen. Zu Chametz gehören beispielsweise Brot und Brötchen, Nudeln, Kuchen oder Kekse, Cracker und sämtliches Mehl, das nicht aus Mazzen hergestellt wurde.

Es gibt jedoch Unterschiede in den Traditionen der sephardischen und aschkenasischen Küche. So essen die Sepharden Kitniot, also Hülsenfrüchte wie Kichererbsen oder Sojabohnen, und auch Reis. Auf den aschkenasischen Tisch würden all diese Speisen während der Feierwoche indes nicht kommen.

An Pessach müssen Gläubige übrigens zwei Gebote einhalten: Mazze zu essen und kein Chametz zu besitzen. Dafür verkaufen die Oberrabbiner Israels am Vorabend von Pessach das gesamte Chamez des Staates Israel an einen Nichtjuden. Hossein Jaber, ein Bewohner der Stadt Abu Gosh, erwarb es mit einem offiziellen Kaufvertrag. Der hat neben der rechtlichen Gültigkeit auch eine halachische, die es den Bürgern Israels ermöglicht, die Mizwot des Pessachfestes ordentlich und ohne die Sorge einzuhalten, dass sich Chametz in ihrem Besitz befindet.

»Wir haben ein gemeinsames Ziel und eine Tradition eines Volkes, das das Privileg hatte, aus dem Exil in Ägypten herauszukommen.«

oberrabbiner david lau

Die Oberrabbiner erhielten eine Vorauszahlung von 20.000 Schekeln von Jaber. Nach Pessach werden drei Gutachter den Wert des staatlichen Chametz schätzen. Dann kann der Käufer die restliche Summe des Geldes bezahlen oder nicht. Wenn nicht – was immer geschieht – geht das gesamte Gesäuerte wieder in den Besitz des Staates über, und Jaber erhält seine Anzahlung zurück. Das Oberrabbinat bietet den Israelis zudem jedes Jahr an, ihr Chametz online zu verkaufen.  

FRIEDEN Nach der Verkaufszeremonie segnete Oberrabbiner Yitzhak Yosef das Volk Israel: »Möge es reichlich Frieden zwischen uns geben und werden wir uns alle lieben«, sagte er. »Wir sind alle Söhne eines Mannes, alle sind Brüder.« Dann rief Yosef die Israelis auf, alle Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. »Wir sollten uns zusammensetzen, miteinander reden und schlimme Streitigkeiten fernhalten.«

Oberrabbiner Rabbi David Lau bat die Menschen, sich daran zu erinnern, »dass wir ein gemeinsames Ziel und eine Tradition eines Volkes haben, das das Privileg hatte, aus dem Exil in Ägypten herauszukommen, die Tora und ihre Essenz am Berg Sinai zu empfangen und das Land Israel zu betreten«.

SEDERTELLER Die Festwoche beginnt für die meisten jüdischen Familien in Israel mit einem feierlichen Sederabend, an dem die Haggadah über den Auszug der Juden aus Ägypten gelesen wird und symbolhafte Speisen des Sedertellers gegessen werden, darunter Bitterkraut Maror, um an die harte Zeit der Sklaverei zu erinnern. Außerdem müssen vier Gläser Wein getrunken werden.

Damit hatten viele offizielle Vertreter bereits in den vergangenen Tagen immer wieder auf das nahende Fest angestoßen. So wurde Premierminister Benjamin Netanjahu am Dienstag im Hauptquartier der Armee begrüßt. Er wünschte der gesamten Armee und allen Israelis: »ein koscheres und fröhliches Pessach – und hoffentlich auch ein friedliches«.

Kochbuch

Quarkkuchen und Palästina-Suppe

Die Nationalbibliothek hat ein seltenes Original der ersten in England veröffentlichten Sammlung koscherer Rezepte erworben. Um die anonyme Autorin ranken sich Legenden

von Sabine Brandes  14.07.2026

Diplomatie

Israel und Libanon verhandeln in Rom

Zu Beginn der Gespräche sind die Fronten verhärtet. Israel fordert die Entwaffnung der Terror-Miliz Hisbollah. Die libanesische Regierung besteht auf Israels Rückzug aus dem Süden

 14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

Tel Aviv

US-Militär stoppt Abzug von Tankflugzeugen: Sommerflugplan gefährdet

Rund 75 US-Tankflugzeuge und Transportmaschinen nehmen Platz ein, der dringend für zivile Flüge gebraucht wird

 14.07.2026

Jerusalem

Eli Vered Hazan wird neuer Weltvorsitzender des Keren Hayesod

Der bisherige Botschafter folgt auf Sam Grundwerg, der den Hilfsfonds in den vergangenen acht Jahren geführt hat

 14.07.2026

Jerusalem/Teheran

Mossad-Chef soll Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad getroffen haben

Laut einem Bericht der »New York Times« soll Israel an einer Operation gearbeitet haben, den früheren Schoa-Leugner und Befürworter eines Atomprogramms zurück an die Macht zu bringen

von Ralf Balke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Generalstabschef kritisiert Gesetzentwurf zu Haredi-Wehrdienst scharf

Es sei »unvorstellbar«, dass die Armee, deren Soldaten seit zweieinhalb Jahren außergewöhnliche Opfer brächten, gleichzeitig an einem System mitwirken solle, das massenhafte Ausnahmen von Strafverfolgung ermögliche, sagt der Armeechef

 14.07.2026