Interview

Zusammenlegung von jüdischen Gemeinden »schmerzlich«, aber denkbar

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: IMAGO/Emmanuele Contini

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, schließt eine Zusammenlegung von jüdischen Gemeinden nicht aus. »Es fehlt an engagiertem Nachwuchs, womöglich wird es zu Zusammenschlüssen von Gemeinden kommen. Solche Zusammenlegungen sind schmerzlich«, sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Anlass ist das 75-jährige Bestehen des Zentralrats, der am 19. Juli 1950 gegründet wurde. Die Situation in den jüdischen Gemeinden sei aber eine andere als in der katholischen Kirche, in der es zu wenig neue Priester gebe. »Bei Rabbinern sieht es besser aus.«

Unter dem Dach des Zentralrats sind derzeit 105 Gemeinden mit etwa 100.000 Mitgliedern organisiert. Bei der Arbeit des Zentralrats nach innen gehe es auch um die Stärkung der Gemeinden, erklärte Schuster. »Wir haben Programme wie das Gemeindecoaching, so dass die Arbeit vor Ort noch professioneller gemacht werden kann.« Außerdem gehe es um Gemeinschaftsbildung durch unterschiedliche Veranstaltungen.

Entwicklung der Rabbinerseminare

»Die Ausübung der Religion muss sichergestellt werden, wobei an die verschiedenen Denominationen, also die Richtungen im Judentum, gedacht werden muss«, betonte Schuster. Deshalb gebe es unter dem Dach des Zentralrats auch zwei Rabbinerkonferenzen: die Orthodoxe Rabbinerkonferenz und die Allgemeine Rabbinerkonferenz.

In Potsdam sind mehrere Ausbildungsstätten für liberale und konservative Rabbinerinnen und Rabbiner angesiedelt. Dort unterhält die Nathan-Peter-Levinson-Stiftung unter dem Dach des Zentralrats das neue liberale Regina-Jonas-Rabbiner-Seminar. Hintergrund seiner Neugründung war unter anderem ein Streit mit der Trägerin des schon länger bestehenden liberalen Abraham-Geiger-Kollegs, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Das Regina-Jonas-Seminar der Zentralrats-Stiftung habe seine Arbeit aufgenommen, sagte Schuster. Die Ausbildung für die konservative Masorti-Richtung sei bereits in einem einzigen Seminar unter dem Dach der Levinson-Stiftung aufgegangen. »Und ich habe die Hoffnung, dass es gelingen sollte, mittelfristig die beiden liberalen Ausbildungsstätten zusammenzulegen.« Dass das unter dem Dach der Zentralratsstiftung geschehe, erscheine ihm wünschenswert.

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