Frankfurt

Tatort »Matratzenlager«

Wenn der Besucher die abgestandene Muffigkeit dieses grauen, düsteren Kellerraums mit seinem abgeplatzten Putz eine Weile einatmet, glaubt er, die Angst und Verzweiflung der Menschen spüren zu können, die hier gefangen gehalten wurden. Von hier sind sie in den Tod geschickt worden – in die Ghettos Lodz und Minsk, in die Befestigungsanlage Fort IX im litauischen Kowno (Kaunas), nach Majdanek, Izbica und Sobibor.

Logistische Anbindung Zwischen 1941 und 1945 wurden mehr als 10.000 Juden aus Frankfurt in dem sogenannten Matratzenlager im Keller der Großmarkthalle zusammengetrieben und dann deportiert. Der letzte Transport verließ Frankfurt elf Tage vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen.

Die Gestapo hatte den Raum wegen seiner »günstigen« logistischen Anbindung angemietet: Direkt vor der Halle führten Bahngleise entlang. Heute ist das »Matratzenlager« Teil einer neuen Erinnerungsstätte, mit der die Europäische Zentralbank (EZB), die auf dem Gelände der Großmarkthalle ihr neues Hauptquartier baut, der Geschichte Tribut zollen will. Der erste Bauabschnitt wurde nun eröffnet.

Vom Kellerraum gelangt der Besucher über eine schräge Ebene zu einer Glaswand. Dort sind Zitate von Zeitzeugen zu lesen, die nach dem Willen der Architekten Marcus Kaiser und Tobias Katz in ihrer eindringlichen Unmittelbarkeit die einzige Informationsquelle für den Betrachter bleiben sollen. »Es war die Hölle, die ganze Nacht Untersuchungen, Schreie und Schikanen ohne Ende«, wird dort etwa Werner Levi zitiert, der sich in seinem späteren Leben Berny Lane nannte. Rampe und Kellerraum sind vorerst nur bei Führungen und Workshops durch das Pädagogische Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums zugänglich.

Zitate Hinter der großen Glasscheibe beginnt der öffentliche, aber noch nicht fertiggestellte Teil. Dazu zählt ein neu gepflasterter und ebenfalls mit Zitaten versehener Fußweg, der entlang des Bauzauns und des Bahndamms verläuft. Er mündet in ein kleines Gleisfeld samt Stellwerk und Fußgängersteg: Hier mussten die Angehörigen einst Abschied nehmen, Schaulustige beschimpften die Gefangenen.

Nahezu unvorstellbar: Auch während der Deportationen ging der Obst- und Gemüsehandel in der Halle unverändert weiter. Das Matratzenlager wurde vor und nach den Deportationen als Kühlraum genutzt. »Unvorstellbaren Zynismus« nannte es Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth. Deswegen sei es so wichtig, dass »die Erinnerungsstätte nicht nur versucht, dem Andenken der Opfer ein wenig Ge rechtigkeit zukommen zu lassen«, sondern auch die Täter in den Fokus zu rücken, die »die Deportationen und Ermordungen ohne Schulterzucken in ihren Alltag integriert haben«.

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

Sicherheit

»Keine jüdische Veranstaltung soll je abgesagt werden müssen«

Nach dem Massaker von Sydney wendet sich Zentralratspräsident Josef Schuster in einer persönlichen Botschaft an alle Juden in Deutschland: Lasst euch die Freude an Chanukka nicht nehmen!

von Josef Schuster  17.12.2025

Osnabrück

Rabbiner Teichtal: »Unsere Aufgabe ist es, nicht aufzugeben«

»Wer heute gegen Juden ist, ist morgen gegen Frauen und übermorgen gegen alle, die Freiheit und Demokratie schätzen«, sagt der Oberrabbiner

 24.10.2025