Karlsruhe

»M« steht für »Machen«

Tanz nach der Tagung: »Waka Waka« und Hava Nagila in Karlsruhe Foto: Tom Kohler

»Schalom Alechjem« erschallt es im Keller des alten Brauhauses in der Innenstadt von Karlsruhe. Gespielt wird eine Discoversion des Volksliedes – und rund 200 Menschen tanzen, klatschen, singen mit: An diesem Samstagabend steigt die Party des 2012 gegründeten Vereins Jewig. Es ist eine rauschende, eine ausgelassene Feier mit Gästen aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und aus Israel.

Ein Teil ist bereits am Donnerstag angereist, zur jährlichen Konferenz der Jewish Agency for Israel, die vier Tage lang in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe stattfand, und damit machte sie erstmals im Badischen Station.

Brainstorming Stundenlang tauschen sich die Teilnehmer aus, diskutieren über neue Ideen und Projekte, über die ersten Lehrbücher zur jüdischen Religion, die nach der Schoa wieder in Deutschland verlegt werden, über soziale Angebote, nachmittägliche Hausaufgabenbetreuung und über Workshops zu jüdischen Tänzen oder jüdischer Kochkunst. Es war ein eifriges Brainstorming. An diesem Abend aber feiern die Kongressteilnehmer. Jetzt geht es nur noch darum, Spaß zu haben – gemeinsam mit anderen.

Mitglieder vieler jüdischer Gemeinden der Region sind gekommen. Einige haben nichtjüdische Freunde und Bekannte mitgebracht, was ganz im Sinne der Organisatoren ist. »Eine Party, die offen für alle ist, soll es sein«, sagt Katia Novominski. Sie gehörte im Jahr 2012 zu den Gründern des Vereins Jewig. Zudem ist sie Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe sowie PR- und Marketing-Direktorin bei der Jewish Agency for Israel in Deutschland, die die Party in Karlsruhe unterstützt.

Fünfter Geburtstag Veranstaltet wird sie gemeinsam von Jewig und der in München beheimateten Europäischen Janusz Korczak Akademie, die ihren fünften Geburtstag feiert. Ihre Vorsitzende Eva Haller ergreift das Mikrofon, erinnert an die Anfänge, spricht über das Anliegen, etwas zu bewegen, die jüdische Gemeinschaft zu stärken. Das »M« für »Machen« wolle man in die Welt tragen. Applaus brandet auf, Anerkennung für das Geleistete wird ausgesprochen. Und dann wird eine große, sahnige Geburtstagstorte serviert – und mit einem lauten »Plopp« der Sekt entkorkt.

Lautstark singen die Besucher »Happy Birthday«. Am Ende sind sie es selbst, die ein Geschenk erhalten: Die Akademie verlost unter den Partygästen eine Teilnahme am WAHL-Programm, einer zehntägigen Bildungsreise nach Israel. Wer gewinnen will, muss Wissen über den polnischen Arzt, Kinderbuchautor und Pädagogen Korczak unter Beweis stellen. Gefragt wird beispielsweise nach dessen Geburtsnamen Henryk Goldszmit. Die abgegebenen Zettel wandern in eine alte Milchkanne, die als Lostrommel dient.

Party Die Party geht weiter. Elena, eine Künstlerin aus Karlsruhe, heizt dem Publikum ein. Sie singt und spielt E-Geige. Israelische, jüdische und russische Stücke hat sie ebenso im Programm wie Nummern aus den internationalen Charts. Auch Shakira ist dabei – gerade erst sind die ersten Töne erklungen, da stimmen die Partygäste schon »Waka Waka« an. Irgendwann übernimmt schließlich Alex Delomann von der Jewish Agency: Er ist an diesem Abend DJ – einer mit einem guten Händchen.

Alle sind in Feierlaune: Einige schlürfen an der Bar Cocktails oder testen das Bier des Brauhauses, die anderen bewegen sich unaufhörlich im Rhythmus der Musik. Hier und dort wird ein Feuerzeug in die Höhe gehalten. Schließlich bilden die Partygäste einen Kreis, halten sich an den Händen und tanzen. Die ganze Nacht, zu Hits rund um den Globus. Zu »Sex Bomb«, »Lemon Tree« oder Hava Nagila, bei dem sich eine Polonaise durch den Keller des alten Brauhauses im Herzen Karlsruhes zieht.

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