München

Immer wieder die Frage nach dem Warum

Gabriel Bach, Vize-Chefankläger im Eichmann-Prozess Foto: Hellen Medien Projekte GmbH

Zeitgeschichte aus erster Hand und Suche nach den Ursachen und Folgen des Terrors: Auch diese Themen sollen den Besuchern der »Jüdischen Kulturtage« im Gemeindezentrum neue gedankliche Perspektiven liefern.

Der Name Adolf Eichmann ist mit dem Holocaust verbunden wie kaum ein anderer. Der SS-Obersturmbannführer aus dem Reichssicherheitshauptamt, der Machtzentrale der Nazis, war für die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden zentral mitverantwortlich. Nach dem Krieg konnte er nach Südamerika fliehen, wurde 1961 jedoch vom israelischen Geheimdienst aufgespürt, in Israel vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt.

Engagement Gabriel Bach ist einer der letzten noch lebenden Mitwirkenden des weltweit aufsehenerregenden Prozesses und stand der Bestie in Menschengestalt als stellvertretender Generalstaatsanwalt im Gerichtssaal gegenüber. Später wurde er Rechtsberater der israelischen Regierung und für sein unermüdliches Engagement gegen das Vergessen und für Toleranz vielfach ausgezeichnet. Am 20. September (19 Uhr) ist er Gast im IKG-Gemeindezentrum und blickt im Gespräch mit Sascha Hellen auf sein bewegtes Leben zurück. »Menschen wie er«, sagt IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, »sind als Zeitzeugen eminent wichtig, um verstehen zu lernen, was damals wirklich geschah.«

Einen Blick auf Hintergründe wirft auch die in Deutschland geborene und seit 30 Jahren in Paris lebende Autorin Gila Lustiger. Nach den Attentaten im November des letzten Jahres in Paris wollte sie sich mit den Berichten über die aktuellen Geschehnisse nicht zufrieden geben und stellte sich die Frage nach den historischen und politischen, den sozialen und ökonomischen Voraussetzungen, die dazu führen konnten, dass es zu islamistischen Übergriffen und zu einem erschreckenden Aufschwung der extremen Rechten kommt.

Antisemitismus In ihrem Buch Erschütterung, das sie am 27. Oktober (19 Uhr) zum Abschluss der »Jüdischen Kulturtage« im Gemeindezentrum vorstellen wird, schlägt sie einen Bogen zu den Unruhen in Frankreich 2005 und zeigt, dass mit der zunehmenden Radikalisierung und Enthemmung auch der Antisemitismus eine kaum für möglich gehaltene Renaissance erlebt.

»Die Autorin«, heißt es in der Ankündigung, »spürt aus persönlicher Sicht und trotzdem analytisch der Frage nach, was der Terror mit uns macht und wie ihm entgegengetreten werden kann, egal ob in Paris, Kabul, Nizza oder im beschaulichen fränkischen Ansbach.«

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