Duisburg

Im sicheren Hafen

Viel Fläche, die es zu sanieren gilt: das jüdische Gemeindezentrum Duisburg Foto: imago

»Es ist der vernünftigste Weg«, ist sich der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen sicher. Deswegen werde die Gemeinde am bisherigen Standtort Duisburger Innenhafen bleiben und das Haus sanieren. Der ärgste Feind dieses am 30. März 1999 eröffneten »Prachtbaus« ist seit jeher die Feuchtigkeit.

Schon sehr schnell hatte man die Nachteile des von Zwi Hecker wie die Finger einer Hand oder Blätter eines Buches gestalteten Gebäudes schmerzlich bemerkt. Noch während der Bauphase korrigierte man Fenster und Brüstungen. Bald nach der Fertigstellung führte die Gemeinde schon Prozesse gegen den Architekten wegen Risse im Beton und eindringender Feuchtigkeit. Jacques Marx, der damalige Gemeindevorsitzende, war gar nicht gut auf Hecker zu sprechen.

Anziehungspunkt Ihr Zentrum am Innenhafen – nicht nur seit dem Bau des jüdischen Gemeindezentrums ein touristischer Anziehungspunkt –, ist den Gemeindemitgliedern trotz der ständigen Probleme längst ans Herz gewachsen. »Wir sind uns der Einzigartigkeit der Architektur und des Standortes immer bewusst gewesen«, sagt Vorstandsmitglied Patrick Marx. Auch der jetzige Vorsitzende Henry Hornstein reagierte vehement, als man ihm vorwarf, die Gemeinde wolle das Gebäude gewinnbringend verkaufen. »Wir hatten niemals die Intention, einen Gewinn zu erzielen«, sagte Hornstein der WAZ-Online-Ausgabe Der Westen.

Aber lange Zeit war überhaupt nicht klar, ob der Bau überhaupt sanierungsfähig sein würde. Erst das Mülheimer Architektenbüro Christof Laue erbrachte das notwendige Gutachten und das Okay. Danach ist die Sanierung technisch möglich. Die Gutachter sprechen angeblich von 1,25 Millionen Euro Kosten. Schon vor drei Jahren hatte man spekuliert und in einem weiten Rahmen zwischen 200.000 und zwei Millionen Euro operiert.
Dass es eher die obere Zahl werden dürfte, liegt auch an der Absicht, für eine »dauerhafte Verbesserung« zu sorgen. Es werde wahrscheinlich die gesamte Fassade des Gebäudes erneuert werden müssen. Und das ist viel Fläche, hält man sich die Anmutung von Blättern eines Buches vor Augen.

Ausweichquartiere Noch in diesem Sommer soll mit den Arbeiten begonnen werden. Der Gemeindebetrieb solle so gut wie möglich dabei aufrechterhalten bleiben, betont der Vorstand. Allerdings habe man keine Vorstellung davon, wie das bei einer angenommenen Bauzeit von mindestens sechs Monaten vonstattengehen soll. Mit Neumühl, Mülheim und Oberhausen stehen der Gemeinde durchaus Ausweichquartiere zur Verfügung.

Dennoch werde es für alle Beteiligten sicherlich eine Nervensache. Denn auch für die Kosten müssen die rund 2.700 Gemeindemitglieder voraussichtlich selbst aufkommen. Vielleicht könnten auch noch internationale Stiftungen helfen, hofft Geschäftsführer Michael Rubinstein. Einige Firmen, die Ende der 90er-Jahre am Bau mitgearbeitet haben, seien inzwischen insolvent, heißt es. Unbestimmt ist auch, ob man Regressansprüche gegen Baufirmen durchsetzen könne. Gewiss ist nur der Verbleib der Gemeinde am Innenhafen, und darüber ist der Vorstand erst einmal sehr froh.

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