Berlin

Hamantaschen, Popcorn und ein Zauberer

Im Vorraum zum Großen Saal des jüdischen Gemeindehauses in der Fasanenstraße in Berlin herrscht reger Betrieb. Eine kleine Prinzessin erhält von ihrer Großmutter mit einem knallroten Lippenstift gerade den letzten Feinschliff, und drei Plüsch-Einhörner üben bereits kräftig mit ihren Rasseln.

Dazu gesellen sich schnell noch einige Astronauten mit israelischer Flagge auf dem Helm, und ein Spider-Man rast mit einer großen Tüte Popcorn in der Hand durch die Menge. Überall hört man ein wildes und fröhliches Durcheinander aus Deutsch, Russisch und Hebräisch. Spätestens jetzt sieht – und vor allem hört – es jeder, dass Purim vor der Tür steht.

Mit einem speziell an Familien mit Kindern ausgerichteten Programm hatte die Jüdische Gemeinde zu Berlin deshalb zu einer Feier eingeladen. »Purim als Fest ist besonders für die Kleinsten ein Riesenspaß«, bringt es Gemeinderabbiner Boris Ronis auf den Punkt. »Sie dürfen sich verkleiden und schminken, ordentlich Krach machen und leckere Hamantaschen naschen.«

rasseln Doch darüber hinaus gibt es einen anderen Aspekt. »Zugleich können wir ihnen spielerisch von der Rettung des jüdischen Volkes vor den Plänen des bösen Haman erzählen und somit eine für uns als Juden wichtige Geschichte an die nächste Generation weitergeben. Auf diese Art und Weise bewahren wir unsere Traditionen.«

Offensichtlich kommt das Konzept gut an. Die Eltern scheinen die Zeit zu genießen, weil ihr Nachwuchs einmal herumtoben kann, ohne dass man zugleich immer ein Auge auf ihn werfen muss. Darüber hinaus sind sie erstaunt, wie aufmerksam viele Kinder den Darbietungen des Zauberers folgen oder sich von der kindgerecht gestalteten Purim-Erzählung in den Bann ziehen lassen. Dann herrscht sogar für einige Momente Stille im Saal – die immer dann begeistert von einem hundertfachen frenetischen Rasseln unterbrochen wird, sobald der Name Haman fällt.

Die Kinder freuen sich gleichfalls über ein Wiedersehen. »Ich habe hier heute viele alte Freunde aus dem Kindergarten getroffen«, sagt der siebenjährige Aaron. »Weil wir nun alle auf verschiedenen Schulen sind, war das besonders toll für mich.«
Veranstaltungen dieser Art generationenübergreifend und für alle Gruppen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in der Hauptstadt auszurichten, ist das erklärte Ziel der Organisatoren.

einheitsgemeinde »Gerade in diesen Zeiten gewinnt das Konzept einer Einheitsgemeinde immer mehr an Bedeutung«, ist Gemeinderabbiner Jonah Sievers überzeugt. »Wir freuen uns deshalb sehr, dass das, was wir einmal angestoßen haben, auf so viel positive Resonanz stößt.«

Knapp 600 Besucher wurden im Laufe des Nachmittags gezählt – eine Zahl, auf die vor allem die freiwilligen Helfer des Jugendzentrums Olam stolz sein dürfen. Denn ohne ihre Unterstützung hätte das Ganze kaum funktioniert. Sie stemmten ein Großteil der Logistik.

»Seit heute Morgen um 8 Uhr sind wir dabei, helfen in der Küche oder bauen die Stände auf«, sagt Janin Esterkin, Co-Roscha bei Olam. »Ich selbst bin ein Jugendzentrumskind und habe dort viel Schönes erleben dürfen. Auf diese Weise kann ich nun etwas zurückgeben.« Und mit Jakob German stellt Olam sogar einen der Conférenciers, die für die richtige Stimmung sorgen sollen.

rapper Auch der bekannte Rapper Ben Salomo schaute mit seiner Familie vorbei. »Sie ist zwar gerade erst 17 Monate alt, aber hatte wohl ordentlich Spaß«, sagt er und zeigt auf seine Tochter Yael, die im liebevoll gestalteten Prinzessinnen-Outfit ausgepowert, aber glücklich gerade auf seiner Schulter einschläft.

»Ich bin immer wieder überrascht, welche Talente bei uns schlummern«, freut sich auch Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Den Gemeindechef begeistert vor allem die Kreativität, mit der so viele Gemeindemitglieder sich selbst und ihren Nachwuchs verkleidet hatten. »Und natürlich das Engagement unserer freiwilligen Helfer. Ein Fest wie Purim ist eine tolle Gelegenheit, Groß und Klein zusammenzubringen und gemeinsam jüdische Traditionen zu pflegen.«

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