Kultur

Geschichten aus dem Schtetl

Silvia Richter, Marion Hartmann und Armand Presser (v.l.) bei der Buchvorstellung am Jakobsplatz Foto: Marina Maisel

Schriften zum Chassidismus beschäftigten den gebürtigen Wiener Martin Buber (1878–1965) von klein auf. Als er drei Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden, und er kam zum Großvater nach Lemberg, zu jener Zeit nicht nur »ein Schmelztiegel der Kulturen«, sondern ganz nah an der Lebenswelt der chassidischen Juden Osteuropas.

Silvia Richter, Dozentin für moderne jüdische Religionsphilosophie und jüdische Ideen- und Geistesgeschichte, erläuterte zur Vorstellung der Neuausgabe von Bubers Erzählungen der Chassidim in der IKG, woher seine lebenslange Faszination für den Chassidismus kam.

prägend Die Sommerferien verbrachte Buber stets in der Nähe von Sadagora in der Bukowina, einem der Zentren des chassidischen Judentums. Buber muss dabei viele Legenden und Anekdoten aufgeschnappt haben; später sammelte er sie systematisch. Mit 28 Jahren veröffentlichte er Die Geschichten des Rabbi Nachman, ein Jahr später folgte Die Legende des Baalschem. Das Thema tauchte in den folgenden Jahrzehnten immer wieder auf. 1949 erschienen Die Erzählungen der Chassidim in einer größeren Sammlung im Manesse-Verlag. »Zu einer Zeit«, so Richter, da es »kaum noch jüdisches Leben gab.«

65 Jahre später sieht das gänzlich anders aus, und es gibt die aufwendigste und umfangreichste Neuausgabe aller Zeiten: geschmückt mit dem Chagall-Motiv »Der fliegende Fisch«, eingeläutet mit dem Nachdruck von Martin Bubers vollständigem Vorwort, ergänzt um ein Nachwort des Judaisten Michael Brocke.

Und was tut man, um Hunderte von Geschichten, von denen manche kaum einen Aphorismus oder eine halbe Seite lang sind, und ihren Urheber vorzustellen? Man lässt lesen. Silvia Richter stellte für Marion Hartmann und Armand Presser eine Auswahl zusammen. Dadurch kam die Lehr- und Wundertätigkeit und die Glaubenswelt von Zaddikim wie dem Baal Schem tow alias Israel ben Elieser, Dow Bär von Mesritsch und dem Seher von Lublin zum Vorschein.

unvergessen Die Zahl der Zeitzeugen, die Martin Buber noch persönlich erlebt haben, nimmt ab. Doch sein Auftritt im Herbst 1954 in der überfüllten Aula der Münchner Universität ist denen, die dabei waren, unvergessen. Die meisten Münchner Juden stammten damals aus Osteuropa und hofften wohl, dass er über die vernichtete osteuropäische Welt mit ihrer chassidischen Lebensfreude sprechen würde.

Buber tat es nicht. Ihn trieben noch so viele andere Themen um. Die ganze Bandbreite wird am 14. Juni im Rahmen eines Studientags im Gasteig anlässlich des 50. Todestags von Martin Buber zur Sprache kommen.

www.ikg-muenchen.de

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