Berlin

Eröffnungen in Charlottenburg

Normalerweise hätte schon eines der beiden Ereignisse ausgereicht, um im jüdischen Terminkalender dick markiert zu werden – erst die Wiedereinweihung der Synagoge Pestalozzistraße in Charlottenburg am Freitag vergangener Woche und unmittelbar im Anschluss die Eröffnung des vierten Louis-Lewandowski-Festivals.

Dass beide Termine auf den gleichen Tag gelegt wurden und am selben Ort praktisch nahtlos ineinander übergingen, war kein Zufall. Denn die Melodien des deutsch-jüdischen Komponisten Louis Lewandowski gehören in der liberalen Synagoge zum festen Schabbat-Repertoire – samt Orgel und Chor. Nach eineinhalb Jahren Sanierung der Synagoge sind Lewandowskis Melodien von nun an wieder jeden Schabbat in der Pestalozzistraße zu hören.

Synagoge Zur Wiedereinweihung war das altehrwürdige Gotteshaus mit rund 800 Besuchern voll besetzt. Gemeinsam mit den Betern der Pestalozzistraße feierten unter anderem der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, und Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann sowie Vertreter der israelischen Botschaft. »Wie schön die Synagoge geworden ist!«, sagte Gideon Joffe sichtlich bewegt. Die Wiedereröffnung pünktlich zum Lewandowski-Festival sei dem Gemeindevorstand eine »besondere Herzensangelegenheit« gewesen, unterstrich Joffe.

Rabbiner Tovia Ben-Chorin erklärte in seiner Ansprache, dass den Betern der Pestalozzistraße nun zudem neue Wege offenstünden. So werde das Gotteshaus zukünftig nicht nur als Gebetshaus dienen, sondern seine Aktivitäten auch als Gemeindezentrum stärken. Der Chanukkabasar und das Lewandowski-Festival etwa seien beispielhaft, betonte Ben-Chorin.

Festival Das Festival erinnerte in den vergangenen drei Jahren an die Pioniere der Reformbewegung und der nachfolgenden, nach Israel emigrierten Komponistengeneration. In diesem Jahr standen deutsche Komponisten im Mittelpunkt, die aus Nazideutschland in die USA emigriert waren – wie etwa Kurt Weill und Arnold Schönberg. Zum Auftakt des Festivals sang das Synagogal Ensemble Berlin unter der Leitung von Regina Yantian in der Synagoge Pestalozzistraße.

Insgesamt traten sieben Chöre aus sechs Ländern auf. Konzertorte waren neben den Synagogen Pestalozzistraße und Rykestraße auch das Jüdische Gemeindehaus in der Fasanenstraße sowie zahlreiche Kirchen.

Zu den besonderen Höhepunkten gehörten dabei zweifellos die »Neuen Lieder zum Schabbat« von Martin Meir Widerker. Am Samstag wurden sie im Beisein des Komponisten im Gemeindehaus aufgeführt, gesungen vom Chor »Voices of Israel« unter Leitung des New Yorker Kantors Ya’acov Rosenfeld. Mit dem Zyklus »Schabbat Hamalka« hat der 80-jährige Stuttgarter Komponist seinem traditionellen musikalischen Familienerbe eine neue Form gegeben.

Schabbatlieder Die Melodien komponierte Widerker, der seit vielen Jahren engagiertes Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und des Zentralrats der Juden sowie Vorsitzender von Makkabi und Keren Hayesod in Stuttgart war, in Erinnerung an die Schabbatlieder seiner chassidischen Vorfahren.

Das große Abschlusskonzert aller Chöre am Sonntagabend in der Rykestraße stand dann wieder ganz im Zeichen des Mottos »Star & Stripes«. In ihrem Konzert zeigten die Ensembles noch einmal die ganze Vielseitigkeit von Lewandowskis Melodien: Während einige Künstler in der neuen Heimat dem Vermächtnis des Musikers treu blieben, suchten andere neue Ausdrucksformen, um die alten Melodien dem Zeitgeist anzupassen. Beide Richtungen wurden vom Publikum des vierten Lewandowski-Festivals begeistert aufgenommen.

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

Sicherheit

»Keine jüdische Veranstaltung soll je abgesagt werden müssen«

Nach dem Massaker von Sydney wendet sich Zentralratspräsident Josef Schuster in einer persönlichen Botschaft an alle Juden in Deutschland: Lasst euch die Freude an Chanukka nicht nehmen!

von Josef Schuster  17.12.2025

Osnabrück

Rabbiner Teichtal: »Unsere Aufgabe ist es, nicht aufzugeben«

»Wer heute gegen Juden ist, ist morgen gegen Frauen und übermorgen gegen alle, die Freiheit und Demokratie schätzen«, sagt der Oberrabbiner

 24.10.2025