Israel-Tag

Party zum Siebzigsten

Organisationen informierten auf dem Gendarmenmarkt über Land und Leute

10.05.2018 – von Gerhard Haase-HindenbergGerhard Haase-Hindenberg

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Um den runden Geburtstag Israels zu feiern, ist der alljährlich stattfindende Israel-Tag – wie auch vor zehn Jahren schon – von seinem Stammplatz neben dem KaDeWe vor das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in der Mitte Berlins umgezogen.

Nach den Begrüßungsansprachen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, und des israelischen Botschafters Jeremy Issacharoff spielt Bandleader Boris Rosenthal in kleiner Besetzung auf – als musikalische Einstimmung für die Party zu Israels Siebzigstem.

Im Pressezelt steht zeitgleich ein weniger erfreuliches Thema auf dem Programm: »Antisemitismus in Berlin – was ändert sich?« Der Restaurantbesitzer Yorai Feinberg spricht darüber mit Angelika Schöttler, der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg. Neu ist allerdings weniger der Antisemitismus, als vielmehr dass die Judenhasser heute, wie in seinem Fall geschehen, mit Handykameras aufgenommen und die Aufnahmen im Netz verbreitet werden können.

austausch Im Vorfeld der Party hatte Polizeidirektor René Behrendt mit seinen Kollegen sämtliche denkbaren Terrorszenarien durchgespielt – auch den schlimmsten anzunehmenden Fall: dass jemand versuchen würde, mit einem Kraftfahrzeug in die Veranstaltung zu rasen. Er ließ die Mannschaftswagen. mit denen rund 100 Beamte herangebracht wurden, so hintereinander aufstellen, dass ein solcher Anschlag unmöglich sein würde.

Für Einsatzleiter Behrendt hat diese Party eine ganz besondere emotionale Bedeutung. Begeistert erzählt er, dass er noch vor zehn Tagen mit 39 Polizeikollegen in jenem »wunderbaren Land« Israel gewesen sei. Eine evangelische Pastorin habe diese Reise organisiert; ein Höhepunkt sei das Treffen mit israelischen Kollegen gewesen. Schon im Herbst wolle er Israel erneut besuchen, diesmal mit seiner Frau.

Beeindruckt habe ihn auch das weitgehend friedliche Zusammenleben arabischer und jüdischer Israelis. Am Stand des »Freundeskreises Givat Haviva« ist man indes der Meinung, dass da noch einiges verbessert werden könnte. Seit Jahrzehnten leistet Givat Haviva in Israel eine Menge Arbeit – unter anderem im Bereich der Bildung und als neuestes Projekt das »Radio for Peace«.

Quasi als Sinnbild einer guten jüdisch-arabischen Beziehung verabschieden sich wenige Meter entfernt Israels Botschafter Jeremy Issacharoff und Sawsan Chebli mit Wangenküsschen. Auf Nachfrage der Jüdischen Allgemeinen sagt die Berliner Staatssekretärin mit palästinensischen Wurzeln: »Wir haben nicht nur auf diplomatischer Ebene einiges miteinander zu tun, sondern auch ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis.«

infostände Fast könnte man annehmen, die an Infoständen präsenten Organisationen hätten dem israelfreundlichen Publikum nichts Neues zu bieten. Das ändert sich im Gespräch schnell. Der Politikwissenschaftler Jörg Rensmann berichtet stolz davon, dass es seiner Organisation – dem Mideast Freedom Forum Berlin – gelungen sei, den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages für die judenfeindlichen Schulbuchinhalte in den palästinensischen Gebieten zu sensibilisieren. Man erwarte, dass man genauer hinsieht, welche europäischen Gelder dorthin fließen. Unter lautem Jubel fordert der grüne Ex-Bundestagsabgeordnete Volker Beck auf der Bühne genau dasselbe.

Am Stand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit steht Norbert Kopp, der bis vor anderthalb Jahren der CDU-Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf war und nun hier Schatzmeister ist. Möglicherweise haben frühere politische Beziehungen eine Rolle gespielt, als das Abgeordnetenhaus die Finanzmittel zum ersten Mal seit 30 Jahren deutlich aufgestockt hat.

Die jüdische Vorsitzende Jael Botsch-Fitterling bringt den Zweck ihrer gemeinsamen Organisation aus ihrer Sicht auf den Punkt: »Wir leben in der christlichen Mehrheitsgesellschaft, und deshalb müssen wir auch wissen, wo für Christen die empfindlichen Stellen sind und wo man mit ihnen diskutieren kann, soll und muss.«

kultur Das große Interesse der Besucher gilt dem, was derweil auf der Bühne stattfindet. Schließlich ist es ja eine Party. Avi Palvari veranstaltet dort einen Crashkurs für israelische Tänze, wobei auffällt, dass weitaus mehr Frauen als Männer sich trauen, daran teilzunehmen. Jossif Gofenberg tritt mit seinem Chor auf, und schon beim Eröffnungssong »Osseh Schalom« singen viele mit.

Der kulturelle Höhepunkt ist ganz sicher der gemeinsame Auftritt von Sharon Brauner und Karsten Troyke, deren temperamentvolle jiddische Liedinterpretationen die Besucher begeisterten. Musikalische Unterstützung hatten sie von dem Geiger Daniel Weltlinger und dem einfühlsamen Harry Ermer am Klavier. Mancher Besucher mag sich fragen, warum unweit der Bühne, am Stand des Deutsch-Jüdischen Theaters, zwei Sängerinnen im Bühnen-Outfit für ihre Show mit Songs der legendären »Barry Sisters« werben, anstatt einige Kostproben daraus live zu präsentieren.

Zum Ende des Israel-Tages wird wie üblich die israelische Nationalhymne, die Hatikwa, angestimmt. Es ist Freitagabend, 19 Uhr. Die säkularen Besucher bleiben unter sich. Praktizierende jüdische Gäste haben sich zu diesem Zeitpunkt längst in ihre Synagogen begeben.

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