»Intonations«-Festival

Mozart, Haydn, Beethoven

Das Jüdische Museum Berlin setzt in diesem Jahr auf Musik der Wiener Klassik

20.04.2018 – von Julia SpinolaJulia Spinola

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Sinn und Legitimation von Musikfestivals liegen in ihrer Außeralltäglichkeit: Das hat Elena Bashkirova besser erkannt als manch ein Intendant der Mega-Festspiele.

Vor 22 Jahren rief die Pianistin und passionierte Kammermusikerin ihr Jerusalem Chamber Music Festival ins Leben, dessen nachhaltiger Erfolg sich nicht nur dem hochrangigen künstlerischen Niveau und den ungewöhnlichen Programmen verdankt, sondern auch der besonderen Atmosphäre im nahe der Jerusalemer Altstadt gelegenen Konzertsaal des YMCA.

In einem völlig anderen Ambiente, nämlich in der lichtdurchfluteten, modernen Architektur des Glashofs im Jüdischen Museum, findet dieses Jahr bereits zum 7. Mal der Berliner Ableger statt, das Kammermusikfestival »Intonations«. Und obwohl der Raum mit seiner hohen gläsernen Decke auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein idealer Konzertsaal wirkt, entfaltet sich hier Jahr für Jahr dennoch etwas vom Zauber des Jerusalemer Festivals.

Charme Es ist die ihr eigene, hinreißende Mischung von unbestechlichem Kunstverstand und Charme, mit der es Elena Bashkirova gelingt, die hochrangigsten Künstler für ihr Festival zu begeistern – obwohl es so gut wie keine Gagen gibt. Und diese Begeisterung springt in den Konzerten unmittelbar aufs Publikum über.

Passend zur Jerusalem-Ausstellung des Jüdischen Museums wird Elena Bashkirova ihr Festival am Samstagabend mit einer Hommage an die Heilige Stadt eröffnen. Gemeinsam mit Alexander Knyazev spielt sie Händels Ankunft der Königin von Saba in einer Bearbeitung für Klavier zu vier Händen, Beethovens Variationen über ein Thema aus Händels Judas Maccabäus und Max Bruchs »Kol Nidrei«. Brahms’ Vier ernste Gesänge und Haydns Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz komplettieren das Programm dieses ersten Abends.

Eine kleine Sensation bietet das Matinee-Konzert am 22. April, in dem Elena Bashkirova vierhändig mit ihrem weltberühmten Ehemann, dem Dirigenten Daniel Barenboim, zu erleben sein wird. Auf dem Programm steht dann die Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen von Franz Schubert. In den 36 gemeinsamen Jahren ihres Lebens ist es überhaupt erst das dritte Mal, dass sich das Ehepaar, das die beruflichen Sphären sonst strikt getrennt hält, dazu entschließt, seinen Grundsatz zu durchbrechen. Das letzte Mal geschah dies vor fünf Jahren, ebenfalls beim Intonations-Festival.

Violoncello Immer macht sich Bashkirovas Festival auch für das rare, unbekanntere Repertoire stark. Neben Werken der Moderne wie Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 2 mit Mojca Erdmann als Sopranistin und zeitgenössischen Werken wie Matthias Pintschers Komposition Uriel für Violoncello und Klavier überrascht das Programm in diesem Jahr mit einer unbekannten Komposition von Darius Milhaud, eine Zufalls-Entdeckung, die Elena Bashkirova einem technischen Mitarbeiter ihres Jerusalemer Festivals verdankt.

Der brachte eines Tages handgeschriebene Partiturseiten mit, die er von seiner Großmutter bekommen hatte. Es handelte sich um Milhauds Ballett Les rêves de Jacob (»Jakobs Träume«), das wiederum zum diesjährigen Schwerpunkt biblischer Themen rund um Jerusalem passt.

Wie immer ist der Kreis der Musiker handverlesen. Zum harten Kern der bereits als Festival-Familie aufeinander eingespielten Musiker – mit der Philharmonikerin Madeleine Carruzzo, die es liebt, auf den Festivals ihre Geige gegen die Bratsche einzutauschen, dem Pianisten Kirill Gerstein, den Geigern Kolja Blacher und Michael Barenboim – kommen dieses Jahr einige Debüts, auf die sich Elena Bashkirova freut. Im Gespräch schwärmt sie von den Geigerinnen Liza Ferschtman und Clara-Jumi Kang. Cristina Gómez Godoy ist eine neue Oboistin der Berliner Staatskapelle.

Lahav Shani, der nun als designierter Nachfolger von Zubin Mehta an der Spitze des Israel Philharmonic Orchestra bekannt geworden ist, wird als Pianist zu erleben sein, ebenso wie der Dirigent Thomas Guggeis, der jüngst an der Staatsoper als Einspringer am Pult der Staatskapelle einen grandiosen Premierenerfolg mit der Salome hinlegte. Das Festival läuft bis zum 26. April. Wer noch keine Karten hat, sollte sich beeilen. Einige Konzerte sind bereits ausverkauft.

www.jmberlin.de/intonations

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