Wien

Spätwerk von Gustav Klimt für 30 Millionen Euro versteigert

Auktion im Palais Kinsky in Wien, im Rahmen von »The Gustav Klimt Sale - Bildnis Fräulein Lieser« Foto: picture alliance / EVA MANHART / APA / picturedesk.com

Eines der letzten Gemälde des Jugendstil-Malers Gustav Klimt ist am Mittwoch in Wien ohne großes Bietergefecht für 30 Millionen Euro versteigert worden. Das »Bildnis Fräulein Lieser« ging im Auktionshaus im Kinsky nicht einmal zwei Minuten nach dem Aufruf an eine Bieterin im Saal, die nach Angaben des Auktionshauses für einen Auftraggeber aus Hongkong das Werk ersteigerte.

Das 1917 entstandene Gemälde, das im Vorfeld auf 30 bis 50 Millionen Euro geschätzt worden war, galt 100 Jahre als verschollen. Das Auktionshaus sprach von einer »grandiosen Wiederentdeckung«. Allerdings hatten Medien in den Tagen vor der Auktion Fragen zur genauen Herkunft gestellt. Deshalb seien vier Interessenten kurzfristig abgesprungen, sagte Kinsky-Geschäftsführer Ernst Ploil im Sender »Puls 24«.

Auktionator Michael Kovacek hatte bei 28 Millionen Euro begonnen, bekam aber insgesamt nur drei Gebote. Der Zuschlag bedeutet einen Auktionsrekord für Österreich. Bisher war das Gemälde »Der Mensch, der sich zwischen Tugenden und Lastern entscheiden muss« von Frans Francken II. das teuerste je in Österreich versteigerte Bild. Es war 2010 im Dorotheum für sieben Millionen Euro verkauft worden.

Strenge, frontale Haltung

Klimts Gemälde »Dame mit Fächer« hatte 2023 bei einer Auktion in London knapp 100 Millionen Euro erzielt. Klimt, Mitbegründer der Wiener Secession, ist unter anderem für das 1908 entstandene Bild »Der Kuss« bekannt, das als bekanntestes österreichisches Gemälde gilt.

Das »Bildnis Fräulein Lieser« sei jahrzehntelang im Verborgenen in österreichischem Privatbesitz gewesen, teilte das Auktionshaus im Vorfeld mit. Die jetzigen Eigentümer hätten es vor etwa zwei Jahren von entfernten Verwandten geerbt.

Das Damenporträt zähle zu den schönsten Werken aus Klimts (1862-1918) letzter Schaffensperiode. Das 140 mal 80 Zentimeter große Bild zeigt eine junge Frau in strenger, frontaler Haltung vor rotem Hintergrund. Um ihre Schultern liegt ein reich mit Blumen dekorierter Umhang.

Nicht vollendet

Die Familie Lieser als Auftraggeber des Porträts gehörte zum vermögenden Wiener Großbürgertum. Die Industriellenfamilie wurde später in der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Abstammung verfolgt. Laut dem Auktionshaus liegen nach intensiver Recherche keine Beweise vor, dass das Gemälde damals beschlagnahmt wurde.

»Umgekehrt wurden aber auch keine Beweise gefunden, dass das Gemälde in der Zeit zwischen 1938 und 1945 nicht geraubt wurde«, hieß es in einem Online-Video zur Versteigerung.

Klimt dürfte im Mai 1917 mit dem Bild begonnen haben, wie der gut dokumentierte Schaffensprozess nahelegt. Es seien bei der für den Perfektionisten typischen sorgfältigen Vorbereitung 25 Vorstudien entstanden, so das Auktionshaus. Als der Maler im Februar 1918 an den Folgen eines Schlaganfalls starb, war das Werk in geringen Teilen nicht vollendet.

Frage der Rechte

»Die Tatsache, dass dieses Bild nicht von Klimt signiert wurde, zeigt, dass er selbst das Porträt noch nicht als fertiggestellt ansah«, heißt es in der Werkbeschreibung. Rund 15 000 Kunstinteressierte hatten den Angaben zufolge das Bild in den Tagen vor der Auktion betrachtet.

Nicht vollständig gesichert ist, ob es sich bei der Porträtierten um Helene oder Annie Lieser, eine der beiden Töchter der Kunstmäzenin Henriette Lieser, oder um ihre Nichte Margarethe Constance Lieser, Tochter von Adolf Lieser, handelt. Diese Unsicherheit verkompliziert nach Ansicht von Experten auch die Frage der Rechte etwaiger Erben.

Infolge der Lücken in der Provenienz des Bildes soll der Erlös auf Basis einer Vereinbarung nach den sogenannten »Washington Principles« unter mehreren möglichen Rechtsnachfolgern aufgeteilt werden. Eine Ausfuhrgenehmigung seitens des Bundesdenkmalamtes wurde bereits vorab erteilt. dpa

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

München

Simon Rattle bleibt bis 2033 Chef des BR-Symphonieorchesters

»Symphonischer Hoagascht« oder »Singen mit Sir Simon« hießen Projekte, die Sir Simon Rattle eingeführt hat. Die Arbeit mit dem Symphonieorchester des BR und seinem Chor sagt dem Chefdirigenten zu. Er hat nun verlängert

von Barbara Just  08.10.2026

Adania Shibli

Plattitüden in Romanform

Auch das zweite auf Deutsch erschienene Buch der palästinensischen Autorin weist einen holzschnittartigen Charakter auf

von Enno Stahl  08.10.2026

Prag

Spätes Debüt

Der Schriftsteller Eli Beneš gilt als bekannteste literarische Stimme der Juden in Tschechien. Sein Roman über einen Schoa-Überlebenden machte ihn zum preisgekrönten Autor. Eine Begegnung

von Kilian Kirchgeßner  08.10.2026

Literatur

»Es gibt zwei Seiten«

Zur Frankfurter Buchmesse ruft die israelische Autorin Orna Landau gegen den Boykott von Büchern auf: »Entscheidet euch für Wissen«

von Ayala Goldmann  08.10.2026

Literatur

Geistige Freiheit

Tschechien ist Ehrengast der Buchmesse. Unser Autor erinnert an die Zeit nach dem Prager Frühling, als Bücher in seiner Heimat als »Samisdat« im Untergrund erschienen

von Jan Faktor  08.10.2026

Nahost

Die Geschichte eines Krieges

Shahrzad Eden Osterer und Richard C. Schneider analysieren den Konflikt zwischen Israel und Iran – und die Rolle der involvierten Proxy-Armeen

von Eva M. Grünewald  08.10.2026

7. Oktober

Maxim Biller und die Barbaren

In »Schwarze Samstage« kämpft der Schriftsteller mit den Folgen des Massakers in Israel – und zieht eine harte Linie zwischen Juden und »Gojim«

von Tobias Kühn  07.10.2026

TV-Tipp

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  07.10.2026